Zwist in Bremen Dürfen Muslime biblische Geschichte unterrichten?

Fast alle Bundesländer streiten über Kopftücher an Schulen, Bremen hat zusätzlich ein delikates Problem: Im liberalen Stadtstaat bewerben sich auch muslimische Religionspädagogen, um als Lehrer ausgerechnet biblische Geschichte zu unterrichten. Die Kirchen schlagen Alarm.

Bremen - Der Kopftuchstreit ist noch nicht ausgefochten, da sorgt in Bremen die Diskussion um muslimische Bibelkunde-Lehrer für neuen Zündstoff. Anfang des 19. Jahrhunderts hat sich das liberale Bremen selbst ein Ei ins Nest gelegt: Weil es in der Evangelischen Kirche Streit zwischen Reformierten und Lutherischen gab, schufen zwei Pastoren das konfessionsunabhängige Fach Biblische Geschichte.

Seit 1947 ist es auch in der Landesverfassung festgeschrieben: "Die allgemeinbildenden öffentlichen Schulen sind Gemeinschaftsschulen mit bekenntnismäßig nicht gebundenem Unterricht in Biblischer Geschichte auf allgemein christlicher Grundlage", heißt es in Artikel 32. Damals allerdings machte Bremen die Rechnung noch ohne Muslime. Doch auch die studieren mittlerweile Religionspädagogik, um später Biblische Geschichte zu unterrichten. Ein erster muslimischer Absolvent bewirbt sich derzeit um ein Referendariat, eine junge Frau folgt in diesem Jahr.

Diese Entwicklung alarmiert die Kirchen. 1947 wurde in der Landesverfassung festgeschrieben, dass der Unterricht in Biblischer Geschichte (BGU) zwar bekenntnismäßig nicht gebunden sei, aber auf christlicher Grundlage erfolgen müsse. "Es wäre schizophren, wenn Muslime christlichen Religionsunterricht geben würden. Christen bringen Moslems doch auch nicht den Koran bei", sagt Wilhelm Tacke, Sprecher der Katholischen Kirche in Bremen. Theoretisch könne die Kirche klagen, sollte künftig ein Muslim Biblische Geschichte lehren.

"Das geht in Richtung Berufsverbot"

Auch Andreas Quade, Leiter der Religionspädagogischen Arbeitsstelle der Bremischen Evangelischen Kirche, kann sich einen solchen Unterricht "nicht gut vorstellen". Die Kirche sei zwar nicht an einer Klage interessiert. Ein juristisches Gutachten, "das den Fall überprüft", habe sie aber trotzdem bereits in Auftrag gegeben. Quade deutet vorsichtig an, dass Muslime als BGU-Lehrer möglicherweise "nicht vereinbar mit der Verfassung" sein könnten.

Der Widerstand der Kirchen bringt derweil die Aktionsgemeinschaft Biblische Geschichte/Religionskunde Bremen, auf die Palme. Den jungen Muslimen nach jahrelangem Studium Steine in den Weg zu legen, sei "schäbig" und "unanständig". "Das geht in Richtung Berufsverbot", betont der Vorsitzende Manfred Spieß, der selbst BGU unterrichtet. Spieß ist überzeugt, dass die muslimischen Lehrer in spe ihren persönlichen religiösen Hintergrund nicht mit ins Klassenzimmer bringen werden.

Besonders "delikat" ist nach Auffassung des Bremer Religionswissenschaftlers Christoph Auffarth, dass eine der künftigen Bewerberinnen überzeugte Kopftuchträgerin ist. Auffarth rechnet damit, dass die muslimischen Absolventen den Eintritt in den Schuldienst gegebenenfalls vor Gericht einfordern werden.

Über die Einstellung der muslimischen Nachwuchslehrer muss das Bildungsressort als Arbeitgeber entscheiden. Der Behördem ist indes noch keine Bewerbung bekannt. Allerdings fragt sie weder Lehrer noch Schüler nach ihrer Konfession - auch das ist typisch bremisch. Spieß bezweifelt daher, dass das Ressort einen muslimischen Lehramtsanwärter überhaupt erkennen würde: "Unser Absolvent hat keinen langen schwarzen Bart. "

Von Nadine Emmerich, ddp

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