Zwist um Schulleiterin Rektorin kehrt zurück - fast alle Lehrer melden sich krank

In Pforzheim ist der Streit um eine Rektorin eskaliert. Nach längerer Krankheit kam sie heute in die Schule zurück. Doch etliche Lehrer meldeten sich kollektiv krank, über die Hälfte will versetzt werden. Sie werfen der Schulleiterin autoritären Führungsstil vor.


Als Rektorin Cornelia Frech-Becker heute morgen in ihre Schule kam, fand sie ein leeres Lehrerzimmer vor. Fast alle Pädagogen der Waldschule im Pforzheimer Stadtteil Büchenbronn hatten sich krankgemeldet. Der Unterricht fiel für die rund 270 Schüler der Grund- und Hauptschule aus.

Nach sechsmonatiger Krankheit wollte die Rektorin ihre Arbeit wieder aufnehmen, eine große Zahl von Schülern und Eltern protestierte dagegen vor der Schule. Die Schulleiterin war wegen ihres angeblich autoritären Führungsstils in die Kritik geraten und nach zahlreichen Beschwerden an das Landeslehrerprüfungsamt versetzt worden. Dagegen hatte sich die Rektorin vor dem Verwaltungsgericht Karlsruhe erfolgreich mit einem Eilantrag gewehrt.

Rund 80 Prozent der Lehrer hätten sich "konzertiert krankgemeldet", sagte auch Manfred Forster, Anwalt von Frech-Becker. Daraufhin habe seine Mandantin die Hauptschüler nach Hause geschickt. "Das weitere berufliche Schicksal von Frau Frech-Becker wird nicht auf der Straße und auch nicht durch Boykottaufrufe der Lehrerergewerkschaft GEW im Internet entschieden", so der Anwalt. "Meine Mandantin wird ihren Dienst unbeirrt weiterführen und ist um eine einvernehmliche Lösung in dieser Angelegenheit bemüht. Wenn andere zündeln, müssen sie das verantworten."

"Fünfzig Jahre passé, Knigge ade, Schule oh je!"

Frech-Becker pflege einen autoritären Führungsstil, sagen ihre Kritiker. Ihre Auffassung von Schule und Lernen hatte sie immer wieder in Büchern wie "Fördern heißt Fordern" oder "Fünfzig Jahre passé, Knigge ade, Schule oh je!" sowie in Artikeln in Zeitungen und Magazinen mitgeteilt. Ihren Auftritt hatte sie auch in der ZDF-Serie "Harte Schule der 50er Jahre".

"Diese Frau darf an keiner Schule mehr unterrichten", sagte die stellvertretende GEW-Landesvorsitzende Doro Moritz heute. "Die Angst vor weiteren Demütigungen, Beleidigungen und Einschüchterungen von Frech-Becker macht nicht nur viele Schülerinnen und Schüler, sondern auch Lehrkräfte krank", so Moritz. Das Kultusministerium hatte vorsorglich sogar einen Schulpsychologen geschickt, da Lehrer, Eltern und Schüler "psychosomatische Beschwerden" befürchteten.

Die GEW habe im Übrigen keinen Lehrer zum Boykott aufgerufen. "Wir haben zusammen mit den Elternbeiräten Frau Frech-Becker lediglich aufgefordert, endlich ihre Versetzung zu akzeptieren und ihren Arbeitsplatz zu räumen", sagte GEW-Sprecher Matthias Schneider. Einige Lehrer hätten inzwischen mindestens genauso viel Angst vor der Rektorin wie die Schüler.

Neun von sechzehn Lehrern wollen weg

Es sei unglaublich, dass eine Schulleiterin, die viele Jahre lang den Schulfrieden in extremer Weise beeinträchtigt habe, auf ihren Posten zurückkehren könne, sagte Renate Rastätter, schulpolitische Sprecherin der Grünen im baden-württembergischen Landtag. "Wir brauchen schnellstens eine Schulleitung auf Zeit."

Gegen die Rückkehr der Rektorin hat inzwischen das Kultusministerium Beschwerde beim Verwaltungsgerichtshof Mannheim eingelegt. An der Waldschule sind nicht nur mehrere Lehrer derzeit krankgeschrieben, neun Lehrer haben nach Angaben des Gesamtelternbeirates Pforzheim auch bereits einen Versetzungsantrag gestellt.

Cornelia Frech-Becker, die Frau des früheren Pforzheimer Oberbürgermeisters Joachim Becker, sieht sich als "Opfer einer infamen Ablösungskampagne". Sie hatte 1998 die Leitung der Grund- und Hauptschule mit zwölf Klassen übernommen. Nach Medienberichten hatte es bereits wenig später Ärger mit den Eltern der Kinder wegen ihres pädagogischen Konzeptes und des Umgangs mit den Schülern gegeben.

maf/ddp, dpa



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