"Zwölf Stämme" Sektenmitglieder verlassen Deutschland

Deutsche Behörden haben einige Familien der Sekte "Zwölf Stämme" aus den Augen verloren: Die umstrittenen Urchristen sind, so sieht es aus, nach Österreich ausgewandert, um Kontrollen zu umgehen.
"Zwölf Stämme"-Mitglieder (Archiv): Weg aus der Bundesrepublik?

"Zwölf Stämme"-Mitglieder (Archiv): Weg aus der Bundesrepublik?

Foto: Karl-Josef Hildenbrand/ picture-alliance / dpa/dpaweb

Nach einem Polizeieinsatz bei der umstrittenen Sekte "Zwölf Stämme" in Schwaben und Mittelfranken sollen mehrere Eltern mit ihren Kindern Deutschland verlassen haben. Fünf Jugendliche aus der Glaubensgemeinschaft in Klosterzimmern bei Deiningen seien nach Österreich umgemeldet worden, teilte das Landratsamt Donau-Ries mit. Die deutschen Behörden hätten keinen Kontakt mehr zu den Familien. Zwei weitere Mädchen seien aus Heimen geflüchtet. Ob sie wieder bei ihren Familien sind, sei nicht bekannt.

Im vergangenen September hatte die Polizei wegen Prügelvorwürfen rund 40 Kinder aus den Gemeinschaften in Deiningen und in Wörnitz geholt. Seitdem gab es zahlreiche Verfahren bei Familiengerichten; viele Eltern wehrten sich gegen die Unterbringung ihrer Kinder in Pflegefamilien und Heimen. Einige Kinder durften zurück.

Von dem Umzug der umgemeldeten fünf Jugendlichen wurde das Kreisjugendamt Ende April informiert. "Es wurden dem Landratsamt keine Adressen benannt, sodass nicht bekannt ist, ob und gegebenenfalls wo sich die Kinder derzeit in Österreich aufhalten", hieß es in einer Erklärung des Amtes.

Schläge als legitimes Erziehungsmittel

Bereits im vergangenen September sollen die "Zwölf Stämme" mehrere Kinder ins Ausland gebracht haben . Die Gemeinschaft hatte nicht nur die beiden Anwesen in Bayern, im Sommer 2013 zog ein Teil der Gemeinschaft nach Dolchau, Sachsen-Anhalt. Nachbarn und ehemalige Sektenmitglieder hatten berichtet, dass etwa zehn Jungen und Mädchen im Alter zwischen rund 7 und 16 Jahren von dort verschwunden waren. Die letzten Kinder sollen Dolchau kurz nach dem Großeinsatz in Klosterzimmern und Wörnitz verlassen haben. Angeblich haben die Sektenmitglieder die Kinder ins Ausland gebracht - vermutlich um sie dem Zugriff der deutschen Jugendämter zu entziehen.

Seit Jahren wehren sich Sekten-Familien dagegen, ihre Kinder in öffentliche Schulen zu schicken, 2004 versuchten die Behörden in Bayern sogar, die Schulpflicht mit Erzwingungshaft durchzusetzen. Vor knapp acht Jahren erlaubten sie der Sekte schließlich eine eigene Schule, zogen die Genehmigung aber im vergangenen Jahr zurück.

Die Mitglieder der "Zwölf Stämme" sehen körperliche Züchtigung als legitimes Erziehungsmittel, das ist ebenfalls seit Längerem bekannt. Im vergangenen Jahr hatte ein RTL-Reporter dann mit versteckter Kamera gefilmt, wie Sektenmitglieder Kinder mit der Rute schlagen. Das Landratsamt Donau-Ries erklärte damals, man habe "neuerliche Hinweise auf erhebliche und dauerhafte Kindesmisshandlung" in der Sekte erhalten.

"Ich habe keine Wurzeln und keine Kraft zu fliegen"
Foto: SPIEGEL ONLINE

Sie wurde in eine Sekte geboren und dort von klein auf geschlagen, mehrmals am Tag. Mit 16 Jahren stieg Amitsa bei den "Zwölf Stämmen" aus. Begegnung mit einer jungen Frau, die ausbrach, um ins Leben zu finden. mehr... 

fln/otr/dpa
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