Zwölfjähriger verprügelt Rechtsextreme filmen Attacke mit Handy

In Sachsen-Anhalt haben fünf rechte Jugendliche ein Kind äthiopischer Abstammung verprügelt und mit glühenden Zigaretten verletzt. Eine Brandenburger Studie schürt Hoffnung auf weniger Gewaltexzesse: Jugendliche lehnen demnach Rechtsextremismus und Gewalt zunehmend ab.


Wie das Landesinnenministerium am Mittwoch mitteilte, haben fünf Rechtsextreme in Pömmelte in Sachsen-Anhalt einen Zwölfjährigen, dessen Vater aus Äthiopien stammt, angegriffen und mit Schlägen und Tritten schwer verletzt. So drückten die Angreifer dem Jungen eine brennende Zigarette ins Gesicht, bedrohten ihn mit einer Waffe und zwangen ihn, ihre Stiefel zu lecken. Ihre Tat, die sich am Montag ereignete, filmten sie mit einem Fotohandy. Die fünf Tatverdächtigen wurden bereits festgenommen.

Neonazi-Aufmarsch (in Brandenburg, 2004): Tendenz rückläufig
AP

Neonazi-Aufmarsch (in Brandenburg, 2004): Tendenz rückläufig

Der Junge erlitt erhebliche Kopf- und Gesichtsverletzungen. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft hatten die Rechtsextremen im Alter zwischen 14 und 19 Jahren ihr Opfer zunächst in einem Bus beschimpft. Nachdem der Junge ausgestiegen war, liefen sie ihm hinterher und prügelten auf ihn ein.

Die Staatsanwaltschaft beantragte gegen einen 19-Jährigen Beschuldigten sowie zwei Jugendliche im Alter von 16 Jahren Haftbefehl wegen gefährlicher Körperverletzung, Bedrohung und Nötigung. Alle drei sind bereits einschlägig bekannt und standen wegen gefährlicher Körperverletzung vor Gericht.

Studie: Rechtsextremismus und Gewalt gehen zurück

Eine Studie der Universität Potsdam nährt Hoffnung, dass solche Gewaltexzesse seltener werden. Zumindest in Brandenburg lehnten immer mehr Jugendliche den Rechtsextremismus kategorisch ab, so das Ergebnis einer Umfrage des Potsdamer Instituts für Familien-, Kindheits- und Jugendforschung. Während das 1993 erst auf ein Drittel zutraf, seien es 2005 bereits fast 52 Prozent gewesen.

Dennoch habe es auch im vergangenen Jahr noch einen "harten Kern" von rund drei Prozent rechtsextremen Jugendlichen gegeben, betonte Instituts-Leiter Dietmar Sturzbecher. Deutlich gestiegen sei aber auch die Zahl der Jugendlichen, die Gewalt von Mitschülern ablehnen und das auch zum Ausdruck bringen würden. Für die Studie "Jugend in Brandenburg" wurden 3379 Jugendliche im Alter von 12 bis 20 Jahren in 39 zufällig ausgewählten Schulen und Oberstufenzentren des Landes befragt.

Im niedersächsischen Munster soll derweil ein Schüler seiner Schule verwiesen werden, der als Haupttäter gemeinsam mit Komplizen eine Gewaltattacke auf einen Mitschüler im Dezember gefilmt hat. Die Landesschulbehörde muss noch zustimmen. Die Ermittlungen wegen gefährlicher Körperverletzung laufen noch. Die beiden anderen Verdächtigen hätten Reue gezeigt, seien aber bis zum 1. Februar vom Unterricht ausgeschlossen worden, sagte Hans-Jürgen Behnke, Rektor der Hauptschule. Einer von ihnen muss zusätzlich 20 Stunden Sozialdienst in der Schule leisten. Die drei 15- bis 16-Jährigen hatten einen gleichaltrigen Mitschüler getreten und dies mit einer Kamera aufgenommen.



© SPIEGEL ONLINE 2006
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.