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Burschenschaften: Treffen mit Fackeln

Foto: Michael Reichel/ dpa

200 Jahre Burschenschaften Vereint in Eisenach

Die Burschenschaftsszene feiert in Thüringen ihr 200-jähriges Bestehen. In den vergangenen Jahren hatten viele Verbindungen ihren als rechts geltenden Dachverband verlassen - pünktlich zum Jubiläum sind sie nun offenbar wieder dabei.

In Eisenach haben Mitglieder der umstrittenen "Deutschen Burschenschaft" an die Gründung der Ur-Burschenschaft vor 200 Jahren erinnert. Mehrere Hundert Burschenschafter aus Deutschland und Österreich versammelten sich dazu am Burschenschaftsdenkmal der thüringischen Stadt. Erstmals seit Jahren waren nach Angaben der Stadtverwaltung Eisenach keine Proteste gegen den Burschentag angemeldet gewesen.

Am 12. Juni 1815 trafen sich Studenten der Universität Jena im Gasthaus "Grüne Tanne" und schlossen sich zu einer Verbindung zusammen. Als Patrioten verstanden sie sich. Ihr Ziel: Die Kleinstaaterei in Deutschland sollte überwunden werden. Ihnen folgten weitere Gründungen in vielen deutschen Städten.

Heute, 200 Jahre später, präsentiert sich die Bewegung tief gespalten. Viele Burschenschaften haben in den vergangenen Jahren den Dachverband "Deutsche Burschenschaft" verlassen. Doch pünktlich zu den Jubiläumsfeierlichkeiten sehen Vertreter des Dachverbandes die Szene der Verbindungsstudenten wieder zusammenrücken.

Ein Zeichen dafür sei, dass zu den Feierlichkeiten auch Vertreter von Verbindungen kämen, die zuletzt aus dem Dachverband ausgetreten seien, sagt Philip Stein, der stellvertretende Sprecher der "Deutschen Burschenschaft". In Eisenach will die "Deutsche Burschenschaft" unter anderem mit einem Festakt am Freitag an die Gründung der ersten Burschenschaft 1815 in Jena erinnern.

Noch vor zwei Jahren wollte der Verband bei einem Treffen in der Stadt über eine Art "Ariernachweis" diskutieren lassen und zeigte sich damit einmal mehr als stramm rechts. Bereits zwei Jahre zuvor war es zu einem Eklat gekommen. Es ging um die Frage, wer "deutsch" genug ist, um Burschenschafter zu sein. Konkret: ob eine Burschenschaft, die einen chinesischstämmigen Studenten aufgenommen hatte, dem Dachverband angehören darf.

Viele Studentenverbindungen waren aus Protest aus der "Deutschen Burschenschaft" ausgetreten. Gestritten wurde aber auch über das Andenken der Hitler-Attentäter vom 20. Juli um Graf von Stauffenberg. Einige Burschenschaften stehen zudem wegen enger Verbindungen in die rechtsextreme Szene in der Kritik.

Fechtkämpfe gehören dazu

Nach Angaben der "Deutschen Burschenschaft" sind derzeit noch etwa 120 Vereinigungen mit zehntausend Mitgliedern aus Deutschland und Österreich in dem Dachverband organisiert, darunter 75 Burschenschaften. Anders als viele andere Studentenverbindungen sind Burschenschaften farbentragend, kleiden sich also zu offiziellen Anlässen in kämpferisch anmutende Uniformen. Viele Burschenschaften sind zudem schlagend. Das heißt: Fechtkämpfe gehören fest mit zum Verbindungsleben.

"Die Burschenschaftsbewegung war von Anfang an sehr heterogen bis hin zu Formen des politischen Extremismus", sagt der Würzburger Historiker Matthias Stickler. "Heutzutage gibt es mehr Burschenschaften außerhalb als innerhalb der Deutschen Burschenschaft." Die Mitgliederzahl habe sich seit den Sechzigerjahren drastisch verringert.

In den Nachkriegsjahren - damals wurden viele Studentenverbindungen in Westdeutschland neu gegründet - sei die Szene liberal-konservativ dominiert gewesen, erklärt der Historiker. In den Schzigerjahren habe es mit der Aufnahme der österreichischen Burschenschaften einen "Rechtsruck" gegeben. "Für viele Verbindungen wurde es mit der Zeit rufschädigend, in einem solchen Verband zu sein. Die schweigende liberal-konservative Mehrheit hat mit Austritten reagiert."

bkr/dpa