Abiturienten-Datenbanken Weißt du noch...?

Aus den Augen, aus dem Sinn - das muss nicht sein: Bei den Abi-Datenbanken gibt es einen echten Boom. Inzwischen helfen zehn Verzeichnisse im Internet dabei, auf der Nostalgiewelle zu surfen, ehemalige Mitschüler zu finden und Klassentreffen zu organisieren.

Von Stefanie Bersin


Ach, schön war's doch: Per Datenbank Freunde wiederfinden
DDP

Ach, schön war's doch: Per Datenbank Freunde wiederfinden

Das Ticket für die Reise zurück in die Vergangenheit ist einfach zu lösen: Registrierungsformular mit Namen, E-Mail Adresse und Passwort ausfüllen, und schon kann die Online-Suche nach Mitstreitern aus der Schulzeit losgehen.

Die Langweiler und Streber von damals, die erste große Liebe und Freunde aus der Nachbarklasse lassen sich mit etwas Glück in den Online-Datenbanken schnell aufstöbern. Gefunden werden kann natürlich nur, wer auch gefunden werden will. Ohne Registrierung geht es also nicht.

Mit der Zeitmaschine zurück in die Schule

Die Idee dieser Abiturienten-Datenbanken kommt aus den USA. Das Interesse, ehemalige Mitschüler wiederzutreffen, ist auch in Deutschland offenbar riesig. Das Ergebnis: Mittlerweile sind zehn Abi-Datenbanken online. Die meisten entstanden erst in den letzten Monaten - und alle helfen dabei, lästige Detektivarbeit bei der Organisation eines Klassen- oder Jahrgangstreffens zu vermeiden.

Abschlussjahr.de: Ein kostenloses Portal

Abschlussjahr.de: Ein kostenloses Portal

Ob Abjadaba.de oder Schuelermails.de, Klassentreffen.org oder Abizeitung.net, die Angebote sind sich prinzipiell ähnlich. Ein wichtiger Unterschied: Manche nehmen Gebühren, andere sind kostenlos. Über die Chancen bei der Fahndung nach einstigen Mitschülern entscheidet letztlich die Zahl der erfassten Schüler und Schulen.

Abschlussjahr.de zum Beispiel startete erst im April 2002. Trotzdem sind in Deutschland bereits über 21.000 Schüler und 47.000 Schulen, darunter 11.000 aus der ehemaligen DDR, registriert. Auch Interessenten aus der Schweiz, aus Österreich und Lichtenstein können sich eintragen, bisher sind es aber nur insgesamt unter 1000.

Mitunter werden überschaubare Gebühren fällig

Auf der Abschlussjahr-Homepage, mit einem fiesen Braun als Grundfarbe optisch etwas unfreundlich, gibt es für die Kontaktaufnahme zwei Möglichkeiten: Wer bereits angemeldet ist, kann direkt Mails an ehemalige Mitschüler verschicken und auch Freunde zum Beispiel über Neueinträge informieren. Oder man trägt sich ein und wartet, bis man von anderen Suchenden entdeckt wird.

Angst davor, mit Spam-Mails von Firmen und Spinnern zugemüllt zu werden, müsse man nicht haben, versichern die Anbieter. Bei Abschlussjahr.de etwa bietet das Einloggen Schutz, außerdem wird dem Benutzer beim Mail-Verschicken die Adresse des wiedergefundenen Freundes nicht angezeigt. Auch Datenbanken mit offeneren Systemen sehen keine Spam-Gefahr. Wer Massen-Mails versenden wolle, müsse sich von Eintrag zu Eintrag durchklicken, winkt zum Beispiel Roland Barth von Abjadaba.de ab - das sei viel zu aufwendig.

Der Zungenbrecher Abjadaba steht für "bundesweite Abschlussjahrgangsdatenbank"; darin sind mittlerweile rund 23.000 Ex-Schüler verzeichnet - ebenfalls kostenlos. Bei manchen anderen Verzeichnissen wird für die Bekanntgabe persönlicher Daten und Adressen eine Gebühr fällig.

Durchaus verständlich: Der Aufbau einer solchen Homepage kostet viel Zeit und Arbeit, die Finanzierung über Werbung oder Sponsoren ist schwierig - die schnelle Mark winkt den Machern kaum. Und die Konkurrenz schläft nicht. Im Web gibt es derzeit einen regelrechten Boom der Abi-Datenbanken.

Menschen zusammenführen: Ziel von Stayfriends

Menschen zusammenführen: Ziel von Stayfriends

"Wir planen nicht, mit dem Portal reich zu werden", erklärt Mario Schmidt, Initiator von Abschlussjahr.de. "Derzeit sind wir auf Sponsorensuche." Der 31-Jährige freut sich über die bisherige Entwicklung: "Wir bekommen wegen der übersichtlichen Struktur auf der Seite viel positives Feedback. Durch das gute und kostenlose Angebot können wir auch gegenüber der Konkurrenz bestehen."

Warum es so beliebt ist, ehemalige Freunde aus der Schulzeit wiederzusehen, erklärt Sighard Neckel: "Wir wollen uns mit Menschen vergleichen, die einmal in der selben Startposition waren", sagte der Soziologieprofessor an der Universität Gießen gegenüber dem "Stern". Die Schulzeit eine und mache alle gleich - danach sei jeder für sich selbst verantwortlich, so Neckel.

Wer wird überleben?

Eine Abi-Datenbank hat neben dem "Stern" auch das Studentenmagazin "Unicum" entwickelt. Der neueste Kontaktvermittler heißt Stayfriends.de und ist gerade erst seit einer guten Woche online. Knapp 30Leute arbeiten daran, "Menschen zusammenzuführen", erklärt Michael Rückert, einer der Initiatoren. Für den besonderen Bonus bei Stayfriends.de hält Rückert die Nähe zum Nutzer: So gibt es eine Telefonhotline, außerdem könne man mit wenigen Klicks einen eigenen Steckbrief mit Bild und Erinnerungen anlegen.

"Wir wollen langfristig die Betriebskosten decken. Deswegen wird für einige Dienste ein gewisser Betrag erhoben werden", so Rückert. Um detaillierte Informationen über die Mitglieder, etwa die Mailadresse oder weitere Kontaktadressen zu erhalten, muss ein Jahresbeitrag von fünf Euro gezahlt werden. Allerdings können die ersten 250.000 Besucher das Portal gebührenfrei nutzen.

Fazit: Die Abi-Datenbanken sind fast durchweg übersichtlich aufgebaut und helfen ungemein bei der Vorbereitung eines Treffens - die mühselige Suche mit alten Adressenlisten, per Telefonbuch oder Auskunft dürfte bald passé sein. Die Anmeldung ist in der Regel kostenlos. Für spezielle weitere Informationen wird manchmal ein Betrag zwischen fünf und zehn Euro fällig, meist sind das Adressen und persönliche Angaben der wiedergefundenen Ex-Mitschüler. Ob aber alle der wackeren Macher durchhalten und ihre Datenbanken auch in einigen Monaten noch existieren werden, das steht in den Sternen.



© SPIEGEL ONLINE 2002
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.