Bundesländer im Vergleich So ungerecht sind Abiturnoten in Deutschland

Die Gesamtnote im Abitur ist abhängig vom Fleiß des Schülers - und von seinem Wohnort. Eine Datenanalyse des SPIEGEL zeigt: In manchen Bundesländern gibt es deutlich mehr Einser-Abschlüsse als in anderen.
Endlich Abi: Die Gesamtnote entscheidet über den Studienplatz

Endlich Abi: Die Gesamtnote entscheidet über den Studienplatz

Foto: DPA

Welche Gesamtnote ein Abiturient erwarten kann, hängt auch vom Bundesland ab, in dem er die allgemeine Hochschulreife erwirbt. Eine Datenanalyse des SPIEGEL offenbart, dass der Anteil der Einserabiturienten in manchen Ländern regelmäßig deutlich vom Bundesdurchschnitt abweicht.

So schlossen 2013 in Thüringen 38 Prozent aller Prüflinge mit einer Eins vor dem Komma ab; im angrenzenden Niedersachsen gelang das nicht mal halb so vielen Schülern, nämlich 16 Prozent. Auch die Durchfallerquoten unterscheiden sich stark: In Rheinland-Pfalz scheiterten nur 1,3 Prozent der Kandidaten, in Mecklenburg-Vorpommern fünfmal so viele.

Insgesamt haben sich fast überall in Deutschland die Noten in den vergangenen Jahren verbessert. In Berlin lag der Anteil der Einserabiture 2013 sogar fast doppelt so hoch wie sieben Jahre zuvor.

Wie die Notendurchschnitte, der Anteil an Einserabiturienten und die Durchfallquoten in allen Bundesländern aussehen, lesen Sie hier im aktuellen SPIEGEL.

Der SPIEGEL hat Daten aus den Kultusministerien der Länder und vom Statistischen Bundesamt in Wiesbaden ausgewertet. Sie zeigen unter anderem die Entwicklung der Abiturgesamtnoten an Gymnasien, Gesamtschulen und beruflichen Schulen von 2006 bis 2013 und in allen 16 Bundesländern.

"Studienplätze nicht nur nach Abiturnote vergeben"

Die Abiturnote sei "nur begrenzt geeignet", den Studienerfolg vorherzusagen, sagt auch der Vorsitzende des Wissenschaftsrats, Manfred Prenzel. "Wenn die Schulnoten das alleinige Kriterium bei der Vergabe sind, kann dies dazu führen, dass die Schüler aus dem einen Bundesland bessere Karten haben als die aus dem anderen", sagt der Bildungsexperte.

Bei der Benotung gebe es "Subkulturen" in einzelnen Schulen und in den Bundesländern. "Die ostdeutschen Bundesländer haben eine ausgeprägte Tradition, Spitzenleistungen zu fördern und zu honorieren", sagt Prenzel, "andere Länder neigen eher dazu, Abiturienten gleichzumachen, vielleicht aus politischen Gründen."

Prenzel fordert die Hochschulen deshalb auf, ihre Studienplätze nicht nur nach Abiturnote zu vergeben. Sie sollten vielmehr auch den Lebenslauf, ein Motivationsschreiben oder ein persönliches Gespräch berücksichtigen.

Der Pädagoge hat mehrmals den deutschen Teil der Pisa-Studie koordiniert, war Gründungsdekan der School of Education an der TU München und leitet seit einem Jahr den Wissenschaftsrat, das wichtigste Beratergremium in der Hochschulpolitik.

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