Abschied von StudiVZ und Xing Mein digitaler Selbstmord

6. Teil: StudiVZ drückt auf die Tränendrüse, erfahre ich an Tag neun


Tag neun. Abends spreche ich mit einem Freund. Er war auch ein StudiVZ-Junkie, hat die Notbremse gezogen und den kalten Entzug geschafft: Kein MySpace mehr und auch kein StudiVZ. Eigentlich eine super Sache, findet er. Ganz viel freie Zeit, kein zwanghaftes Surfen. Und ein "Aber" gibt es doch: Sein Bett ist so leer, seitdem er nicht mehr dabei ist. Das StudiVZ als Stalkerschaltzentrale und Affärenlieferant fällt für ihn jetzt flach.

"Meine Freundesliste schrumpft täglich", jammert Anna am zehnten Tag. Ich befinde mich in guter Gesellschaft: Das StudiVZ leidet scheinbar an Schwindsucht, bekommt Nervenflattern und ändert seine Taktik, um nicht noch mehr Schäfchen zu verlieren. Vor zehn Tagen noch ging die Abmeldung ratzfatz.

Neuerdings ist es so schwer wie bei Facebook, dem großen Bruder des StudiVZ: Wer aussteigen will soll angeben, warum er dem Portal die Freundschaft kündigt. Als Nächstes steht da, dass alle Daten vertraulich behandelt werden und das Tüpfelchen auf dem I kommt zum Schluss: Das StudiVZ drückt auf die Tränendrüse. Als ein Bekannter sich abmelden will, werden all seine Freunde mobilisiert. Das StudiVZ lässt sie auf dem Bildschirm antanzen und textet: "Deine Freunde werden Dich vermissen - und wir auch!"

insgesamt 79 Beiträge
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silenced 03.02.2008
1. ha, erwischt ...
wer behauptet denn dass studi-vz, xing und/oder facebook und was es noch so alles gibt "zum studenleben gehoert" ? das sind doch nur die allgegenwaertigen medien und diese suggerierem einem: du musst da sein sonst wird das nichts mit dir, was exact bringen einem denn diese angeblichen so wichtigen netzwerke ? richtig, gar nichts ausser viel werbung und ein persoenlichkeitsprofil was man gar nicht von sich anlegen lassen wollte ich gratuliere der frau frauke luepke-narberhaus zur erkenntnis: den kram brauch ich nicht
rogra 03.02.2008
2. Selbstmord oder Auferstehung ??
den Artikel finde ich prima - Sich selbst erleben und wirkliche Menschen zu treffen kann kein Portal ersetzen. Glückwunsch für die Autorin. Bedenklich allerdings, dass man darüber Berichte verfasst, als sei Autonomie eine Heldentat
Sagehorn 03.02.2008
3. Ahja..
Von gesellschaftlicher Abhängigkeit kann keine Rede sein. Wenn die gute Frau meint aussteigen zu müssen, liegt das mitunter an ihrer persönlichen Abhängigkeit bezüglich der Software. Unsere Generation ist die Versuchsratte der modernen Medien... Wir müssen lernen mit diesen Phänomenen vernünftig leben zu können! Jan
GreatNorthern 03.02.2008
4. Exmatrikulation
I did the same a few days ago. Reaktionen haben nicht lange auf sich warten lassen. "Find ich blöd" "Wird richtig langweilig, wenn sich hier alle abmelden"... Aber ich fühle mich frei. Noch. Man findet immer schnell etwas anderes, mit dem man sich die Zeit vertreibt.
derien, 03.02.2008
5. ts
Frau Autorin, haben Sie denn nichts gelernt in ihrer Schule? Das weiß doch jeder Hauptschüler, dass diese Internetanbieter nur dazu existieren, Geld zu machen: Profile von ihrer klientel für zahlkräftige Kapitalfirmen zu sammeln oder warum sollte man für ein bisschen Informatik, Millionbeträge hinblättern. weshalb gibt es diese PaybackpunktKArten in den Discountmärkten, wieso wird der eikaufszettel statistisch verwertet. nene, da hat einer in BWL,Mahtematik oder Deutsch wohl geschlafen. paradoxerweise bekommt man für so etwas noch abitur.
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