Abschlussarbeit-Comic "Sie müssen trockener schreiben"

Stecken Studenten erst mitten in der Abschlussarbeit, gibt es immer tausend sinnfreie Dinge zu tun: Joggen, Fernsehen, Shoppen. Bei Andrea Richter trug die Aufschieberitis bunte Früchte. Die Berlinerin zeichnete einen Comic über ihr Leid mit dem Diplom - während sie doch eigentlich dran schreiben sollte.
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Abenteuer Abschlussarbeit: "Aber ich hab doch gar nichts gefüllt"

Foto: Murmelmalerei / Andrea Richter

Die schriftliche Abschlussarbeit am Ende eines Studiums kann einem wie eine unüberwindbare Bergkette vorkommen. Düster und feindselig baut sie sich vor einem auf. Überall kann man stolpern oder sogar abstürzen. Kaum einer, der sich ans Bezwingen einer wissenschaftliche Diplom-, Bachelor- oder Masterarbeit macht, fühlt sich dafür richtig gerüstet.

Am schlimmsten aber, sagt Andrea Richter, sei ein Abschluss in einem praktischen Studiengang, der am Ende eine wissenschaftliche Arbeit verlangt, "auch wenn man das noch nie gemacht hat". Richter, 28, hat inzwischen glücklich ihr FH-Diplom in Druck- und Medientechnik an der Beuth-Hochschule Berlin in der Tasche. Aber der Weg dahin war ziemlich steinig. In den dunkelsten Stunden half sie sich mit einem Trick: Sie zeichnete.

Sich mit buntem Stift und Papier von lästiger Arbeit abzuhalten, das haben schon viele Studentengenerationen versucht. Das Schöne an Richters Aufschiebe-Strategie ist aber, dass dabei ein hübscher kleiner Comic entstanden ist. "Abenteuer Abschluss" ist die Bildergeschichte einer Diplomarbeit, die als Trost für alle dienen kann, die schon einmal Bücherstapel düstere Bibliotheksflure entlang geschleppt und Korrekturen eingearbeitet haben, manchmal nur um alles wieder zu verwerfen - und eine Anleitung für alle, die das noch vor sich haben.

Konstruktiv prokrastiniert

Der Comictrip beginnt als Ratgeber. Im Anschluss dokumentiert Andrea Richter ihren Schreibprozess und erklärt, wie sie ihre Betreuerin Constanze Zahn an ihre Grenzen trieb und selbst an deren Anweisungen verzweifelte: "Irritiert und perplex" war ihre Studentin Richter hin und wieder, sagt Constanze Zahn.

Glaubt man der Comic-Geschichte, war sie mehr als das. Trockener soll sie schreiben, Füllwörter weglassen, mahnt die Betreuerin, und Richter bricht in Tränen aus. Korrektorin Zahn stellt ihre Schulter zur Verfügung, an der sich Andrea Richter nach jedem Rückschlag ausweinen darf - und ein Tässchen Tee zum Trost.

Da sei schon künstlerische Freiheit im Spiel gewesen, sagt Zahn. Als Korrektorin war die Arbeit zum Thema "Wie kommt Bewegung in den Rechner? Animationstechnik Zeichentrick vs. Motion Capture" ebenfalls eine Premiere. Aber Richter habe eben auch "das Talent, den Ablauf einer Abschlussarbeit für Außenstehende nachvollziehbar zu machen" - mit allen Höhen und Tiefen.

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