Abschlussarbeit Sechs Tipps für den großen akademischen Wurf

Von Philipp Braun

3. Teil: Betreuer finden - Termin beim Abschlussarbeitsamt


Wenn du deine Professoren nur vom Hören und sie dich nicht vom Sagen kennen (weil du über Jahre hinweg in den hinteren Reihen des Seminars geschwiegen hast), dann hast du ein ernsthaftes Problem. Du musst nun die "Ochsentour" antreten, wie man in der Politik sagen würde. Daher solltest du jetzt damit beginnen, tagsüber ungefragt die Aktentaschen von Lehrstuhlmitarbeitern zu tragen und abends mit diesen Ochsen Wodka trinken zu gehen, um in heiterer Atmosphäre alle nötigen Informationen über deine Professoren einzuholen.

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Denn: Meist haben die Professoren nur eine begrenzte Zahl an Plätzen zu vergeben. Die ersten vier bekommen die Mitglieder der Vereinigung "FdL" (Freunde des Lehrstuhls), der du nicht angehörst. Die nächsten vier Plätze gehen an die Studenten, die bereits mit einem Diplomandenvertrag eines Praxispartners beim Professor vorstellig werden. Auch dazu gehörst du leider nicht.

Somit bleibt dir nur die letzte Chance, dich in die Schlange vor dem Abschlussarbeitsamt, dem Büro deines Professors/deiner Professorin, einzureihen und auf einen der letzten vier Plätze für Bachelor-, Magister- und Diplomarbeiten zu hoffen.

Du hast lediglich ein paar Minuten in der Sprechstunde, um den honorigen Wissenschaftler, der einen ihm fremden Studenten vor sich sitzen hat, zu beeindrucken. Das solltest du nun schon allein hinkriegen. Erinnere dich dabei an deine ersten Rendezvous: Zieh dir was Nettes an, sei ehrlich und bluffe nur im Notfall!

insgesamt 4 Beiträge
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pumpkin79 28.08.2008
1. Wer keine Erfahrung hat mit Abschlussarbeiten, sollte nicht darüber schreiben
Mit Interesse habe ich obigen Artikel gelesen, da ich selber jahrelang als Mitarbeiter Seminar- und Diplomarbeiten betreut und bewertet habe - und nicht zuletzt habe ich auch im Studium welche geschrieben. Was der Autor allerdings an Vorschlägen unterbreitet, ist leider fernab jeglicher Realität und teilweise, man verzeihe meine Wortwahl, etwas dummes Geschwätz. Wie kann der Autor als Tipp geben, sich Bücher für die Literaturrecherche vorzunehmen, wo doch Forschung zu 99% nicht über Bücher, sondern Artikel in referierten Zeitschriften läuft? Wie kann ein Tipp lauten, die Einleitung als erstes zu schreiben, wo man doch zu diesem Zeitpunkt gar nicht wissen kann, zu welchen Erkenntnissen die Arbeit am Ende kommt? Auch die Praxis des Exposé-Schreibens ist an vielen Universitäten nicht gefragt, zudem ist es auch nicht so schlimm wie beschrieben, einen Professor für seine Abschlussarbeit zu bekommen wie beschrieben, und ich komme von einer Fakultät mit mehr als 4000 Studierenden und einem sehr ungünstigen Studenten-Betreuer-Verhältnis. Hinzu kommt die Anforderung, die der Autor stellt, nämlich den großen akademischen Wurf zu landen. Wer die Latte so hoch setzt, kann nur scheitern, denn einem Studenten ist es einfach nicht möglich, etwas auf dem Niveau eines referierten Artikels zu schreiben (wenige Ausnahme mögen die Regeln bestätigen). Sonst wäre es wohl nicht sonderlich schwer, Forschungsleistungen wie die an der Uni zu erbringen. Meine Erfahrung legt folgende Tipps nahe: Intensive Literaturrecherche, vor allen in englischsprachigen Journals. Gerne auch Versuche, Forscher einmal interviewen zu können, das hilft ungemein. Rechtzeitiges Erstellen einer flexiblen Gliederung. Dabei Schwerpunkte setzen: Erstelle ich eine eigene Empirie, habe ich Ideen für ein Modell, am besten quantitativ? Und wenn ja, habe ich Hoffnung, überhaupt eine Lösung zu bekommen? Beginn des Schreiben mit dem Literaturüberblick. Regelmäßiger Kontakt zum Betreuer, immer Auszüge zum Lesen mitbringen. Die Arbeit immer gleich richtig formatieren. Einleitung und Fazit zum Ende schreiben. Viel Erfolg!
johann76!!! 28.08.2008
2. wenig hilfreich bis grotesk
Am schlimmsten finde ich, dass der Autor versucht, seine (im Kern z.T. evtl. ja gar nicht unbedingt nur falschen) Tipps, als allgemeingültig zu verkaufen. Zwar mag manches für eine geisteswissenschaftliche Wissenschaftskultur zutreffend sein, für empirisch orientierte Fächer ist aber das Meiste völlig unsinnig. Es ist traurig, dass hier scheinbar die Vorstellung zugrunde liegt, Wissenschaft bestehe darin, in Bibliotheken aus alten Büchern abzuschreiben. So funktioniert moderne Forschung nicht. Und der Vorschlag, ein "Zeit"-Dossier als Ausgangspunkt einer wissenschaftlichen Arbeit zu wählen, ist geradezu grotesk. Von peer-reviewed Journals scheint der Autor noch nie gehört zu haben. Meinen Studierenden würde ich jedenfalls dringend davon abraten, sich an diesen "Tipps" zu orientieren.
WebFritzi 06.11.2008
3. Danke
Ganz eurer Meinung. Aber was erwartet man von Spiegel-Redakteuren... Die haben ja eh keine Ahnung von Wissenschaft.
altbauer 02.04.2009
4. Weltfremd
Auch ich teile die Einschätzung, dass diese Ratschläge von einem eher Unbedarften stammen. Wer eine wissenschaftliche Arbeit mit der Einleitung beginnt, der kann eigentlich schon aufgeben, denn das funktioniert nicht. Wie man eine Arbeit schreibt und organisiert findet man z.B. hier recht gut beschrieben und erklärt: http://arbeitsblaetter.stangl-taller.at/LITERATUR/
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