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Absolventenrekord Neue Praktikanten, frisch von der Uni

2005 haben in Deutschland über 250.000 Studenten ihr Studium abgeschlossen. Mehr Akademiker als je zuvor drängen jetzt auf den Arbeitsmarkt. Das liegt vor allem am Einschreibe- und Internetboom vor einigen Jahren - und ein bisschen an der Angst vor Studiengebühren.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Im vergangenen Jahr stieg die Zahl der Absolventen im Vergleich zum Vorjahr um neun Prozent auf 252.500. Wie das Statistische Bundesamt heute mitteilte, gab es einen prozentual starken Zuwachs bei den erst seit wenigen Jahren möglichen Bachelor- und Master-Abschlüssen - allerdings von einem niedrigen Ausgangsniveau aus. Die Zahl der Bachelor-Abschlüsse nahm im Vergleich zum Vorjahr um 66 Prozent auf nunmehr 9800 zu, die der Master-Abschlüsse um 64 Prozent auf 9200.

Für den Sprung in der Absolventenstatistik seien vor allem die hohen Erstsemester-Zahlen um die Jahrtausendwende verantwortlich, erläutert Ilka Willand vom Statistischen Bundesamt: "Seit Ende der neunziger Jahre ist die Zahl der Studienanfänger stark gestiegen. "Das sind die Leute, die jetzt ihre Abschlüsse machen." Auch in den kommenden Jahren werde die Zahl der Absolventen deshalb voraussichtlich weiter steigen. Auslöser für Schwankungen bei den Einschreibezahlen sei oft die Lage am Arbeitsmarkt, so Willand weiter. Werde etwa vor einem Überschuss an Architekten gewarnt, gehe die Zahl der Architekturstudenten mit einigen Jahren Verzögerung zurück. Gebe es anschließend einen Mangel, nähmen die Einschreibungen wieder zu.

Das ist der gute alte "Schweinezyklus", wie Experten das Phänomen nennen. Die großen Zuwächse bei den Informatikabschlüssen seien jedoch auch eine Folge des Internet-Booms der späten neunziger Jahre, sagte Thomas Haenselmann, Fachstudienberater von der Universität Mannheim. "Mit dem Aufkommen des Internets sind Märkte entstanden, die es in den achtziger Jahren gar nicht gab." Die Technik-Euphorie der so genannten Dot-com-Blase habe zudem dazu beigetragen, Computer in den Blick der Öffentlichkeit zu rücken.

"Studiengebühren zwingen zu schnellen Abschlüssen"

Der Studienberater Rüdiger Brause von der Universität Frankfurt am Main betonte zudem, die Diskussion über Studiengebühren habe den Druck auf Langzeitstudenten erhöht, ihr Studium schnell abzuschließen. Dies wirke sich nun auf die Absolventenzahlen aus.

Die höchsten Zuwächse 2005 melden die Statistiker für das Fach Informatik mit 13.600 Studienabschlüssen, ein Viertel mehr Absolventen als im Vorjahr. Um die Jahrtausendwende hatte der Einschreibeboom seinen Höhepunkt erreicht, nun folgte die Rekordmarke bei den Absolventen. Auch in naturwissenschaftlichen Studiengängen legten die Absolventenzahlen deutlich zu, etwa in Mathematik mit 20 Prozent Zuwachs, in Chemie mit 16, in Biologie mit 12 und in Physik/Astronomie mit 11 Prozent. Weniger Absolventen verzeichneten die zuletzt am Arbeitsmarkt arg gebeutelten Fächer Architektur/Innenarchitektur (minus sechs Prozent) und Bauingenieurwesen (minus vier Prozent).

In der Gesamtzahl schlagen sich laut Statistischem Bundesamt die neuen Abschlüsse Bachelor und Master bislang kaum nieder - sie machen jeweils rund vier Prozent der Abschlüsse aus. Rund 40 Prozent der Absolventen erlangten ein Universitätsdiplom oder einen Magisterabschluss. Weitere 32 Prozent erwarben ein Fachhochschuldiplom. Zehn Prozent schlossen ihre Promotion erfolgreich mit dem Doktortitel ab, und weitere zehn Prozent verließen die Hochschule als angehende Lehrerinnen und Lehrer.

jaf/AP/AFP/dpa

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