Akademische Sparfüchse Die Uni legt sich einfach selbst still

"Außer Betrieb" heißt es zwischen Weihnachten und Neujahr an den Universitäten in Konstanz, Dresden und Frankfurt/Oder. Aus Geldmangel sind alle Schotten dicht, der letzte macht das Licht aus. Wer trotzdem forschen will, braucht dringend eine Taschenlampe.

Von Frank van Bebber


Labors zu, Bibliothek zu, Büros zu: Die Universität Konstanz stellt aus Geldmangel für neun Tage ihren Betrieb ein. Zwischen Weihnachten und Neujahr bleiben ihre Türen geschlossen, Licht und Heizung werden abgedreht. "Unsere finanzielle Situation ist so angespannt, dass wir jeden Euro dringend gebrauchen können", begründet das der Konstanzer Rektor Gerhart von Graevenitz.

Universität in Frankfurt/Oder: Will nicht "für ein paar Leute das ganze Haus heizen"
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Universität in Frankfurt/Oder: Will nicht "für ein paar Leute das ganze Haus heizen"

Die Sparidee hat auch anderswo Anhänger: So schließt die Europa-Universität Viadrina in Frankfurt/Oder seit einigen Jahren in dieser Zeit komplett. "Da wurde sonst für ein paar Leute das ganze Haus geheizt", sagt Uni-Sprecherin Annette Bauer. Die Technische Universität Dresden macht seit sieben Jahren zwischen den Feiertagen dicht. "Das rechnet sich", erklärt TU-Sprecherin Kim-Astrid Magister. Einige 10.000 Euro spart die Dresdner Hochschule jedes Jahr, weil weniger Energie verbraucht wird und weil Putzfrauen und Hausmeister daheim bleiben können.

In Konstanz sind über 10.000 Studenten und Wissenschaftler betroffen, aber auch die Bürger der Region, denen sonst die Bibliothek kostenlos offen steht. Uni-Mitarbeiter müssen Urlaub nehmen oder ihre Überstunden abfeiern. Bei der Studentenvertretung findet Rektor Graevenitz Verständnis. "Man muss halt leider irgendwo sparen", sagt Inga Krüger vom Asta. Da sei es besser, in einer Zeit zu schließen, in der ohnehin wenige da seien, als noch mehr Zeitschriften abzubestellen.

Im vergangenen Jahr hatte sich die Universität zwischen Weihnachten und Neujahr erstmals selbst stillgelegt. Damals sparte sie rund 60.000 Euro. Der finanzielle Erfolg habe die Erwartungen übertroffen, sagt von Graevenitz, der einen 100-Millionen-Euro-Haushalt verwaltet. Zudem stellt er fest: "Gewogen am Medienecho war die Schließung die spektakulärste Maßnahme." Über die Betriebsruhe wurde mehr gesprochen als über das Streichen sämtlicher Mittel für Gastdozenten oder die Kürzung des Buchetats um 500.000 Euro.

Ausnahmen vom sparpolitischen Hausverbot gibt es kaum. Lediglich einige Forscher dürfen Versuchstiere, Zell-Kulturen oder laufende Messreihen betreuen. "Dabei soll es aber auch bleiben", sagt der Rektor. Die wenigen Forscher mit Zugangsberechtigung erleben ihre Universität einmal anders. Im Semester ist die für 3000 Studenten erbaute Universität mit 10.000 Hochschülern vollkommen überlastet - jetzt müssen sie sich teilweise  mit Taschenlampen durch die leeren Gänge bewegen. Am Eingang wird registriert, wer wann reingeht, damit niemand im Campus-Bau unbemerkt verschollen geht.

Verantwortlich für die Sparaktion ist in Konstanz Haustechnik-Chef Tilo Prautzsch. Für ihn bedeutet dies vor allem am 24. Dezember viel Arbeit, wenn alles abgeschlossen und abgestellt wird. Er sagte: "Im vergangenen Jahr haben sich viele Forscher vorab beschwert und fanden das nicht so toll." Doch am Ende seien nur wenige in die Universität gekommen. "Die Disziplin war erstaunlich groß."



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