Aktion Wetterpate Ein Hoch auf das Tief

Mit dem Verkauf von Wetterpatenschaften hat die FU Berlin sich eine hübsche Einnahmequelle gesichert. Das klappt bisher gut, ab sofort kann man den Namen von Hochs und Tiefs im Jahr 2005 kaufen. Eine Schlechtwetterfront gibt es im Sonderangebot - und das ist so gemein.


"Ole" heißt das Hoch, das diese Woche über Hamburg lachte. Und die Namensgleichheit mit Oberbürgermeister Ole von Beust ist kein Zufall: Die Mittelstands- und Wirtschaftsvereinigung der CDU hatte ihm das Hoch geschenkt.

Klare Ansage: "Schatz, Du bist wie Graupelschauer"
DDP

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Die Namen von Hoch- und Tiefdruckgebieten kann man nämlich kaufen - bei der FU Berlin. "Wetterpatenschaften" nennen die Berliner Meteorologen das. Auf die Idee kamen Studenten, als nach Etatkürzungen Anfang 2002 die Wetter- und Klimabeobachtungen an der Station Berlin-Dahlem nicht mehr 24 Stunden am Tag aufrechterhalten werden konnten. Namen für Hoch- und Tiefdruckgebiete vergibt das Berliner Institut für Meteorologie ohnehin schon seit 1954. Daraus entstand der Plan, Geld von Wetterpaten zu sammeln.

Das gelingt seitdem vorzüglich. Über 40.000 Euro für die Wetterbeobachtung kamen allein im letzten Jahr zusammen, jeder Wetterpate erhält eine Patenschaftsurkunde plus Berliner Wetterkarte. Jetzt wird die Aktion für das kommende Jahr fortgesetzt: Ab Montag sichten die FU-Mitarbeiter die Briefe und E-Mails, mit denen Interessenten sich für eine Wetterpatenschaft bewerben. 299 Euro kostet jedes Hoch, nur 199 Euro ein Tief. Im Jahr 2005 sind alle Hochdruckgebiete für weibliche Vornamen reserviert, Männer kommen nur bei den Tiefs zum Zug. Vor sechs Jahren gab es nämlich Beschwerden über die "Diskrimierung von Frauen": Bis dahin trugen Hochs stets männliche Namen und brachten Frauen stets Regen, inzwischen wird jedes Jahr gewechselt.

"Tiefs müssen viel mehr leisten"

Männer können sich 2005 damit trösten, dass Tiefs nicht nur billiger sind, sondern auch häufiger vorkommen - 150 bis 170 Mal im Jahr, ein Hoch dagegen nur 50 bis 70 Mal. Den Preisunterschied findet der Satiriker Hans Zippert aber ungerecht: "Tiefdruckgebiete müssen schließlich viel mehr leisten", schrieb Zippert in der "Welt", "mit zwei entwurzelten Bäumen im Raum Herford ist es da nicht getan. Wer ins Fernsehen will, muss schon Dächer abdecken und Autos umwerfen."

Und nun zum Wetter: Tosender Thomas, heitere Heidi
DPA

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Zippert machte auch auf die besonderen Verpflichtungen aufmerksam, die aus so einer Wetterpatenschaft erwachsen: "Sie müssen Ihrem Patenwetter zum Geburtstag etwas schenken, können es aber auch mal zu sich nach Hause einladen. Doch Vorsicht: Wenn Sie ein Hochdruckgebiet illegal im Haushalt zum Wäschetrocknen oder als Picknickbeleuchtung beschäftigen, müssen Sie demnächst mit einem Bußgeld rechnen."

Das also sollte bedenken, wer seine Gattin oder Freundin mit einem Hoch verwöhnen möchte. Außerdem: Nur echte und einigermaßen gebräuchliche Vornamen zählen. Kosenamen wie Schnuckelchen, Mausi oder Püppi sind ebenso aus dem Rennen wie Firmennamen - Karstadt-Quelle, Bauknecht oder Telekom kann eine Wetterlage also auch nicht heißen. Bei der Reihenfolge geht es immer streng nach dem Alphabet. Und wer Xaver oder Quentin heißt, hat allerbeste Chancen, preisgünstig zum Zuge zu kommen: Bei seltenen Anfangsbuchstaben werden Namenlose Hochs oder Tiefs mitunter auch bei eBay versteigert, Startpreis ein Euro.

Jochen Leffers



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