Aktionen gegen Studiengebühren Polizei warnt vor WM-Randale

Vor allem in Hessen weiten sich die Proteste gegen Studiengebühren aus. Die Polizei befürchtet Störungen der WM und kündigte eine harte Gangart an. In Frankfurt indes kam es zur Spontan-Fraternisierung - Polizisten und Studenten spielten gegeneinander Fußball.

Hamburg - Seit Monaten schon gärt und rumort es unter Deutschlands Studenten, weil die Bundesländer nach und nach Studiengebühren einführen. Auch heute wird wieder demonstriert. So zog in Fulda ein Protestmarsch gegen Studiengebühren durch die Innenstadt; in Gießen werden am Abend rund 1000 Studenten zur Demo auf dem Marktplatz erwartet. Und in Frankfurt halten etwa 100 Demonstranten den Uni-Turm am Campus Bockenheim besetzt. Bereits gestern hatten in Marburg mehrere tausend Gebührengegner protestiert und nach der Abschlusskundgebung die Stadtautobahn für 15 Minuten blockiert.

Besetzungen und Blockaden - das will die hessische Polizei zur Fußball-Weltmeisterschaft auf jeden Fall verhindern. Sie fürchtet, deutsche Studenten könnten die WM gemeinsam mit französischen Kollegen für spektakulären Protest nutzen. Etwa 1000 Studenten aus Frankreich werden nach Angaben der Polizei erwartet. Daher solle bei Demonstrationen während der WM härter durchgegriffen werden, sagten die Polizeipräsidenten von Frankfurt, Gießen und Darmstadt. So kündigte der Darmstädter Polizeipräsident Gosbert Dölger gestern an, "wenn vor den WM-Spielen der Weg zum Stadion blockiert wird, dann bleibt keine Zeit für lange Gespräche". Sonst seien Chaos und Randale programmiert.

Kick mit unklarem Ausgang

Studentenvertreter werten das als "Einschüchterungsversuch". Die Asten der Universitäten wollen den Protest auch während der WM fortsetzen. Die Marburger Asta-Vorsitzende Lena Behrendes sagte der "Oberhessischen Presse", sie setze auf eine Radikalisierung der Proteste - aber nur mit friedlichen Mitteln. Radikal sein bedeute für sie, grundsätzlich an ein Problem heranzugehen, so Behrendes. Der Asta der TU Darmstadt ruft für den kommenden Dienstag zur nächsten Demonstration auf. Auf den Plakaten wird allerdings darum gebeten, auf Glasflaschen zu verzichten.

In Hamburg sind zur WM für die zweiten Junihälfte zwei große Aktionstage gegen Studiengebühren geplant. Für den 21. Juni bemüht sich der Asta der Uni Hamburg laut Website um eine Genehmigung für den Gänsemarkt oder die Mönckebergstraße. Am 28. soll es dann in ganz Norddeutschland Aktionen geben. In Hamburg planen Studenten für diesen Tag eine Großdemonstration durch die Innenstadt. Philosophie-Student Frederik Dehnerdt sagte der "Hamburger Morgenpost": "Wir wollen die Stadt lahm legen." Bereits letzte Woche blockierten über 100 Protestler in Hamburg den Hauptbahnhof. Anderthalb Stunden lang ging nichts mehr, Züge waren verspätet, es bildeten sich Staus.

Dass es bei den Protesten auch ohne Eskalation geht, haben Polizei und Studenten heute in Frankfurt gezeigt. Dort kam es während einer Demonstration der FH Frankfurt zu einem spontanen Fußballspiel zwischen beiden Seiten. Die Studentenmannschaft siegte, so viel ist klar - uneinig war man sich hinterher allerdings über das Ergebnis. Laut Asta gewannen die Hochschüler mit 3:1, ein Polizeisprecher berichtete von einem 2:1.

Die Studentenproteste richten sich gegen den Beschluss einiger Landesregierungen, Studiengebühren von mindestens 500 Euro pro Kopf und Semester einzuziehen.

abi/AP/dpa

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