Kämpferin mit Zahnpastalächeln "So sieht eine Feministin aus"

Mit langen Haaren und Minirock kämpft eine US-Studentin für einen neuen Feminismus. Während die einen Julie Zeilinger als eine der "furchtlosesten Frauen der Welt" feiern, belächeln die anderen sie als süß und unerfahren. In den USA ist sie das Gesicht einer neuen Frauenbewegung.

Eric Mull

Von Laura Gitschier


Ihre dunklen Haare glänzen, der Ausschnitt ist tief, die Sätze sind druckreif. Der Auftritt der jungen Frau, die den Feminismus wieder salonfähig machen will, ist von professioneller Präzision. Zu Interviewterminen erscheint Julie Zeilinger auf die Minute pünktlich und entschwindet dreißig Minuten später, ebenso pünktlich. An ihrer Seite: zwei PR-Managerinnen, die das Gespräch aufmerksam verfolgen.

Zeilinger ist im Hauptberuf Studentin am renommierten Barnard College in New York, im Nebenberuf: Weltverbesserin und Nachwuchsfeministin. Das amerikanische Magazin "Newsweek" wählte sie kürzlich neben Hillary Clinton, Angela Merkel und Angelina Jolie unter die "150 furchtlosesten Frauen der Welt". Die britische "Times" listet Zeilinger unter den "40 Bloggern von Bedeutung".

Regelmäßig schreibt Julie Zeilinger für die hippe amerikanische Online-Zeitung "Huffington Post". Die Studentin diskutiert vor laufenden Kameras mit Chelsea Clinton, Tochter der US-Außenministerin, ihre Vision des Feminismus. Eine Bloggerin schreibt hingerissen, die Revolution habe eine neue Führerin. Gerade hat Zeilinger ihr erstes Buch veröffentlicht, es heißt: "A Little F'd up. Why Feminism Is Not a Dirty Word", warum Feminismus kein Schimpfwort ist.

Im Mai hat Zeilinger ihr erstes Uni-Jahr abgeschlossen; in den Hauptfächern will sie sich später der Frauenforschung und den Menschenrechten widmen. Jetzt sind offiziell erst einmal Ferien. In Wahrheit nutzt sie die freie Zeit, um für ihr Buch zu werben. Die Studentin geht in TV-Talkshows, stellt sich Radio-Interviews und hält Lesungen in Buchläden. Daneben gibt es den besagten Blog von Bedeutung, er heißt "The FBomb". Da kann die Welt täglich nachlesen, warum der Feminismus noch längst nicht ausgedient hat.

Mangel an weiblichen Vorbildern

Hat er nicht? Wo doch Frauen wie Angela Merkel Staaten lenken, eine Christine Lagarde dem Internationalen Währungsfonds vorsteht? Wo an vielen Unis in den westlichen Ländern mehr als die Hälfte der Studenten weiblich ist? Wie kommt eine 19-jährige Amerikanerin dazu, einer Bewegung neues Leben einhauchen zu wollen, die schon in den neunziger Jahren passé zu sein schien? Wer zu diesen Zeiten in Zeilingers Alter war und sich allen Ernstes mit Simone de Beauvoirs Standardwerk "Das andere Geschlecht" befasste, galt schon damals als ewiggestrig.

"Uns wird immer gesagt, dass die Zeit des Feminismus vorbei sei", sagt Zeilinger. Sie trägt ein violettes Satintop und schwarze Lackballerinas und antwortet immer gemessen, höflich. "Aber wir müssen weiterkämpfen, es gibt noch so viel zu tun."

Dann erklärt sie, was noch alles im Argen liegt. Der Körperwahn in Werbung und Medien, der junge Frauen unter Druck setze. Politiker in den vorwiegend christlich dominierten Vereinigten Staaten, die Abtreibungen und sogar Empfängnisverhütung verbieten wollen. Kulturen in anderen Teilen der Welt, die Mädchen zwangsverheirateten. Und generell: eine Welt, in der es an weiblichen Vorbildern immer noch mangele - zu wenig Hillary Clinton, große Politikerin, zu viel Kim Kardashian, Soap-Sternchen, eine Männergefallerin, kurz: Strapsmieze.

Dass da viel im Argen liegt, hat Julie Zeilinger schon als Teenager erkannt. Seitdem führt sie den Kampf für die Sache der Frauen im Internet. Ihren Blog besuchen im Monat mehr als 30.000 Menschen aus der ganzen Welt. Sie können dort lesen: Traktate gegen sexuelle Belästigung und Analysen darüber, warum Barbie-Puppen ein falsches Frauenbild vermitteln. Sie können dort auch mit Zeilinger darüber diskutieren, ob es okay ist, sich von einem Mann zum Essen einladen zu lassen, oder ob und unter welchen Umständen Frauen im Militär dienen sollten.

Und dann erklärt Zeilinger, warum sie mit solchem Eifer für die Bewegung kämpft. Der Feminismus, sagt sie, habe ein massives "PR-Problem". Viele Altersgenossen hätten Angst allein schon vor dem Wort "Feminismus". Weil der Mythos der fiesen, männerhassenden Frauenrechtlerin weiterlebe.

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husker 05.09.2012
1. "Körperwahn"
Ist Körperwahn ansteckend? Einmal eine Zeitschrift in die Hand genommen, und zack, schon ist man selbst dem Körperwahn verfallen? Niemand außer Frauen selbst setzen Frauen unter Druck. Modemagazine werden von Frauen für Frauen gemacht, und jene sind es, die ein bestimmtes Körperbild verfolgen. Um das zu unterbinden müsste der Feminismus kannibalistische Züge annehmen. Verschiedene Männer haben verschiedene Geschmäcker was Frauen angeht. Und das ist perfekt sichtbar bei einem Medium, dessen Hauptzweck die Erregung des Mannes ist: Dem Porno. Es gibt alle Sorten von Frau in jenen Machwerken, Kleine, Große, Dicke, Dünne, große Brüste, kleine Brüste, großer Hintern, kleiner Hintern. Alles findet seinen Absatzmarkt. Denken sie sich ihren Teil dazu.
Chris_7 05.09.2012
2. Gendertheorie und Wissenschaft schließen sich aus...
Diese beiden Worte in einem Satz zu verwenden ist eine Beleidigung aller ehrlichen Wissenschaftler. Denn Sozialwissenschaften - und insbesondere die modernere wie gender-, Diversity und anderes "Gedöns" haben mit Wissenschaft nichts zu tun. Das sieht man gut in diesem Artikel. Die Protagonistin geht davon aus, dass es falsch ist dass, Frauen sich so verhalten, dass sie den anwesenden Männern gefallen. Warum? Weil sie das sagt? Vielleicht ist das nur natürlicher Instinkt? Ebenso wie Männer wenn Frauen anwesend sind auf den "Imponiermodus" schalten um den Frauen zu gefallen. Eine seit Jahrmillionen der Evolution eingeübte und bewährte Verhaltensweise. Diese dient dem Grundbeürfnis der Arterhaltung = Fortpflanzung. Und dann kommen "Wissenschaftler" daher und behaupten, dass das nicht richtig sein kann. Beweis? Keiner außer die eigenen Theorien. Damit wir uns nicht alsch verstehen. Ich bin für eine rechtliche Gleicberechtigung. Aber gegen eine Gleichmacherei. Männer und Frauen sind glücklicherweise von der Natur aus verschieden. Das macht ja gerade den Reiz aus. Und zwar auch und vor allem dann, wenn man das eben nicht rational betrachtet sondern sich ganz emotional einfach so verhält, wie die Natur es vorgesehen hat. Eine Frau kann gleichberechtigt sein und dennoch ab und an auf den "Weibchenmodus" schalten, ohne dass sie dies in ihrem Wert herabsetzt. Im Gegenteil. Solche Frauen sind für mich viel ehrlicher, als irgend welche Frauen die bessere Männer sein wollen (oder Männer zu besseren Frauen machen wollen).
Koda 05.09.2012
3. Stimmt so nicht
Zitat von huskerIst Körperwahn ansteckend? Einmal eine Zeitschrift in die Hand genommen, und zack, schon ist man selbst dem Körperwahn verfallen? Niemand außer Frauen selbst setzen Frauen unter Druck. Modemagazine werden von Frauen für Frauen gemacht, und jene sind es, die ein bestimmtes Körperbild verfolgen. Um das zu unterbinden müsste der Feminismus kannibalistische Züge annehmen. Verschiedene Männer haben verschiedene Geschmäcker was Frauen angeht. Und das ist perfekt sichtbar bei einem Medium, dessen Hauptzweck die Erregung des Mannes ist: Dem Porno. Es gibt alle Sorten von Frau in jenen Machwerken, Kleine, Große, Dicke, Dünne, große Brüste, kleine Brüste, großer Hintern, kleiner Hintern. Alles findet seinen Absatzmarkt. Denken sie sich ihren Teil dazu.
Mode wird vielleicht von wenigen Frauen gemacht. Diese wenigen Frauen, wenn überhaupt -ist Karl Lagerfeld eine Frau? Ist Jean-Paul Gaultier ein Frau- haben dann aber eine viel größere Wirkung, da sie ihre Ansicht über das Frauenbild in den MEdien verbreiten. Ja, und was soll diese Aussage? Es ist aber schon ein Unterschied, ob man mit ein Mann einen Porno anschaut oder bei einem Bewerbungsgespräch eine Frau als Führungskraft einstellen soll. Oder soll er sich von ihr voher einen ..... lassen? Wer als Mann so denken würde, hat aber in der Wirtschaft nichts zu suchen.
Koda 05.09.2012
4. Darum gehts ja wohl wneiger
[QUOTE=Chris_7;10896055Die Protagonistin geht davon aus, dass es falsch ist dass, Frauen sich so verhalten, dass sie den anwesenden Männern gefallen. Warum? Weil sie das sagt? Vielleicht ist das nur natürlicher Instinkt? Ebenso wie Männer wenn Frauen anwesend sind auf den "Imponiermodus" schalten um den Frauen zu gefallen. Eine seit Jahrmillionen der Evolution eingeübte und bewährte Verhaltensweise. Diese dient dem Grundbeürfnis der Arterhaltung = Fortpflanzung. Und dann kommen "Wissenschaftler" daher und behaupten, dass das nicht richtig sein kann. Beweis? Keiner außer die eigenen Theorien. [/QUOTE] sondern um das wohl immer noch vorherrschende Bild in der (US-)Gesellschaft, das Frauen einzunehmen haben. So nach dem Motto: "verdient mehr als ein Mann, ist aber unverheiratet, die Unglückliche", oder eben dass Männer Frauen eben mehr als Spielzeug betrachten und das wohl gerade in jungen Jahren noch häufiger.
erlachma 05.09.2012
5.
Zitat von Chris_7Diese beiden Worte in einem Satz zu verwenden ist eine Beleidigung aller ehrlichen Wissenschaftler. Denn Sozialwissenschaften - und insbesondere die modernere wie gender-, Diversity und anderes "Gedöns" haben mit Wissenschaft nichts zu tun. Das sieht man gut in diesem Artikel. Die Protagonistin geht davon aus, dass es falsch ist dass, Frauen sich so verhalten, dass sie den anwesenden Männern gefallen. Warum? Weil sie das sagt? Vielleicht ist das nur natürlicher Instinkt? Ebenso wie Männer wenn Frauen anwesend sind auf den "Imponiermodus" schalten um den Frauen zu gefallen. Eine seit Jahrmillionen der Evolution eingeübte und bewährte Verhaltensweise. Diese dient dem Grundbeürfnis der Arterhaltung = Fortpflanzung. Und dann kommen "Wissenschaftler" daher und behaupten, dass das nicht richtig sein kann. Beweis? Keiner außer die eigenen Theorien. Damit wir uns nicht alsch verstehen. Ich bin für eine rechtliche Gleicberechtigung. Aber gegen eine Gleichmacherei. Männer und Frauen sind glücklicherweise von der Natur aus verschieden. Das macht ja gerade den Reiz aus. Und zwar auch und vor allem dann, wenn man das eben nicht rational betrachtet sondern sich ganz emotional einfach so verhält, wie die Natur es vorgesehen hat. Eine Frau kann gleichberechtigt sein und dennoch ab und an auf den "Weibchenmodus" schalten, ohne dass sie dies in ihrem Wert herabsetzt. Im Gegenteil. Solche Frauen sind für mich viel ehrlicher, als irgend welche Frauen die bessere Männer sein wollen (oder Männer zu besseren Frauen machen wollen).
So sehe ich das auch. Gleichberechtigung darf nicht Bevorzugung anderer bedeuten. Gerne angeführt wird ja auch immer das unterschiedliche Gehalt von Männern und Frauen. Dabei werden immer Fehler gemacht: 1. Es wird das Durchschnittsgehalt genommen. Relevant ist jedoch nur das Gehalt für die exakt gleiche Arbeit/Stelle. Es gibt keine Tarifverträge, die nach Geschlecht unterscheiden. 2. Es werden gerne auch die Gehälter von Führungskräften herangezogen. Die sind aber immer Verhandlungssache, da gibt es keine Bevorteilung von dem einen oder anderen. Ein Mann ist auch nicht gleich anderen Männern, der eine verhandelt besser, der andere gibt sich mit weniger zufrieden. Die Gehaltsunterschiede gibt es dort zwischen Männern genauso wie zwischen Männern und Frauen. Prinzipiell wird auch gerne auf die "Sahnestückchen" geschaut. DAX-Konzerne sollen eine Quote in den Führungspositionen bekommen (wieso eigentlich nur in den Führungspositionen? Ich wünsche mir auch eine Quote in den Softwareentwicklungsabteilungen beispielsweise), aber niemand spricht davon, eine Quote bei der Müllabfuhr oder im Bergbau einzuführen, was aber nur konsequent wäre. Die Frage ist auch, ob in den Verhandlungen Männer und Frauen nicht vielleicht unterschiedliche Zielsetzungen haben. Ob beide Geschlechter gleichermaßen bereit sind, Familienleben und Freizeit für Geld zu opfern. Je mehr Opfer, desto mehr Geld. Es gibt Beispiele, die das zeigen, und ich wage zu bezweifeln, ob Frau Meyer von Yahoo weniger Einkommen bezieht als ihr Vorgänger. Entscheidend ist nur: für gleiche Arbeit, gleiche Leistung darf es keinen Unterschied für die Bezahlung machen, ob man Frau oder Mann ist. Gleichberechtigung muss vor allem eben anerkennen, dass es nicht bedeutet, Frauen zu bevorzugen - sondern das Geschlecht unwichtig werden zu lassen. Das verstehen viele der Feministen nicht. Denn gerade, wenn man sich die Hauptschulen ansieht (hauptsächlich Männer), die Universitäten (überwiegend Frauen), müssen die Alarmglocken schrillen und man muss sich überlegen, ob das Pendel nicht bereits in die andere Richtung ausschlägt. Oder wenn man Sorgerechtsstreits ansieht.
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