Anti-Filz-Kampagne China will Schüler gegen Korruption impfen

Chinesische Bildungspolitiker planen an den Schulen Unterricht gegen Korruption. Wer solche schädlichen Einflüsse importiert, wissen sie genau: der Westen, denn von dort kommt alles Übel.


Geld stinkt nicht: 900 Millionen Euro verschwanden 2004 in Chinas Regierungsverwaltung
REUTERS

Geld stinkt nicht: 900 Millionen Euro verschwanden 2004 in Chinas Regierungsverwaltung

In einem Memo aus dem chinesischen Bildungsministerium heißt es: "Für Kinder jeden Alters ist es unerlässlich, Korruption schon im Geiste zu widerstehen und aktiv dagegen zu kämpfen." Deshalb sollen Schüler von nun an in Standhaftigkeit und Ehrlichkeit unterwiesen und gegen Filz "geimpft" werden, berichtete die staatliche Nachrichtenagentur Xinhua.

Das Ministerium habe eine entsprechende Kampagne in großen Städten und Provinzen wie Peking, Schanghai und Tianjin gestartet. Warum in China der Verfall der Sitten um sich greift, steht für die Politiker auch schon fest: Die Entwicklung sei zurückzuführen auf "den schlechten Einfluss verschiedener Bestechungskonzepte und Phänomene des Westens", heißt es in dem Bericht.

Korruption ist in China ein riesiges Problem: Jährlich werden Milliarden umgeleitet, wie staatliche Prüfer erst kürzlich bestätigten. Im vergangenen Jahr "verschwanden" allein in der Regierungsverwaltung umgerechnet rund 900 Millionen Euro, bei Staatsbetrieben waren es sogar mehr als 1,3 Milliarden Euro.

Im internationalen Korruptionsindex der Organisation Transparency International liegt China auf Platz 71 von 145 Staaten, zwischen Polen und Sri Lanka, Saudi-Arabien und Syrien. China verzeichnet dort einen Punktwert von 3,4 auf der Skala, die von 10 ("frei von Korruption) bis 0 Punkte ("extrem von Korruption befallen") reicht. Deutschland befindet sich mit 8,2 Punkten auf dem 15. Platz, davor rangieren fast durchweg westliche Länder. Spitzenreiter ist Finnland. Die skandinavischen Staaten schneiden gut ab, die Schweiz, die Niederlande Großbritannien und Österreich ebenfalls.



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