Unvereinbar SPD will keine Mitglieder der Deutschen Burschenschaft

Eine SPD-Mitgliedschaft und eine Zugehörigkeit zur Deutschen Burschenschaft soll künftig nicht mehr möglich sein. Das fordern Sozialdemokraten beim Parteitag. Berliner Burschenschafter empören sich bereits - und fühlen sich an die NSDAP erinnert.

DPA

Die SPD will künftig keine Mitglieder mehr aus ultrakonservativen Studentenverbindungen in der Partei haben. Eine Mitgliedschaft in einem der Bünde, die noch im Dachverband Deutsche Burschenschaft (DB) organisiert sind, und ein Parteibuch der SPD sollen demnach unvereinbar werden.

Diesen Antrag stellte der Bezirksverband Hessen-Süd, er steht auf Seite 184 des Antragsbuches beim Delegiertentreffen der Sozialdemokraten in Leipzig. Von der Antragskommission wurde das Gesuch bereits zur Annahme empfohlen. Eine Zustimmung gilt als so gut wie sicher.

In der Deutschen Burschenschaft war es zwischen liberaleren und extrem konservativen Mitgliedern zu einem Zerwürfnis gekommen, unter anderem wegen eines sogenannten "Ariernachweises". Inzwischen haben viele liberalere Burschenschaften den Dachverband verlassen, der dadurch noch weiter nach rechts gerückt ist.

Seltsamer Vergleich auf Facebook-Seite

In der SPD selbst gab es schon früher Streit über die Frage, ob Burschenschafter der Partei angehören dürfen. Im Jahr 2006 lehnte der Parteivorstand einen Antrag der Jusos in NRW auf Unvereinbarkeit noch ab.

Besonders der ehemalige Bundesvorsitzende Kurt Beck sperrte sich damals gegen einen formellen Unvereinbarkeitsbeschluss, wurde damals ein Mitglied des Parteivorstands zitiert. Auch der heutige SPD-Parteivorsitzende Sigmar Gabriel sprach sich vor sieben Jahren dagegen aus, Burschenschafter "pauschal" auszuschließen.

Ein Unvereinbarkeitsbeschluss wurde damals nur zu einer allgemeinen Abgrenzung umgewandelt. Der Antrag vom Bezirksverband Hessen-Süd ist diesmal deutlich konkreter.

Das ist auch den ultrakonservativen Studentenverbindungen nicht entgangen. Auf ihrer Facebook-Seite kommentiert die Berliner Burschenschaft Gothia den Vorgang mit den Worten: "Für uns in der Geschichte nichts Neues, denn den gleichen Beschluss fasste schließlich auch Hitlers NSDAP und die Staatspartei der DDR (SED)."

Ein seltsamer Vergleich: Im Mai 1936 hatte Rudolf Heß, als Stellvertreter Adolf Hitlers, zwar tatsächlich allen Mitgliedern der NSDAP verboten, Mitglied in einer studentischen Verbindung zu sein. Allerdings hatte das - anders als jetzt bei der SPD - nichts mit einer strammrechten Ausrichtung zu tun, sondern eher mit Gleichschaltung und Kontrolle. So sollten die studentischen Mitglieder sich auf eins konzentrieren: die NSDAP und ihre Ziele.

jon/fln

insgesamt 35 Beiträge
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kurswechsler 14.11.2013
1. Zukünftige Eliten bitte rechts raustreten
Zitat von sysopDPAEine SPD-Mitgliedschaft und eine Zugehörigkeit zur Deutschen Burschenschaft soll künftig nicht mehr möglich sein. Das fordern Sozialdemokraten beim Parteitag. Berliner Burschenschafter empören sich bereits - und fühlen sich an die NSDAP erinnert. http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/antrag-auf-unvereinbarkeit-spd-ohne-deutsche-burschenschaft-a-933652.html
Klare Abgrenzung, klare Feindbilder, klare Polarisierung. Danke SPD. Zukünftige Eliten bitte rechts raustreten.
edgarzander 14.11.2013
2. Demokratische Strukturen
Naja, der letzte Absatz ist ja auch leicht fragwürdig. Hitler hatte wohl eher kein Interesse, dass parallel (Basis-)Demokratische Strukturen existieren. Die studentischen Verbindungen waren schon immer Basisdemokratisch organisiert.
IM-Heinz 14.11.2013
3. Unpassend
-- wäre es allemal . Ich glaube nicht das die Deutsche Burschenschaft begeistert war als die SPD - Spitze zu ihrem Genossen Hollande nach Frankreich gereist ist und Pläne gegen Mutti geschmiedet hat ! Die haben denke ich ein anderes Verhältnis zu ihren Vaterland.
volker_morales 14.11.2013
4. Welche Buxe
ist denn in der SPD? Und mal ganz im Ernst, jemand der burschaftliche Prinzipien vertritt, passt auch nicht in die heutige SPD. Lustig ist eigentlich nur, dass viele ehemalige führende Sozialdemokraten Burschenschafter waren. Allen voran Arbeiterführer und SPD-Gründer Ferdinand Lasalle, der Mitglied bei den Breslauer Raczeks war, derjenigen Burschenschaft im DB, die den berühmt-berüchtigten "Arier-Nachweis" fordert. Vielleicht sollten die Sozis mal bei Ihren Altvorderen anfangen, bevor Sie Einzelne in Sippenhaft nehmen.
westpfälzer 14.11.2013
5. Ich
gehe davon aus, dass die SPD all jene welche die Mitgliedschaft beantragen, durch die NSA oder auch den Verfassungsschutz überprüfen lässt. Ob z.B. Herbert Wehner heute noch Chancen hätte SPD-Mitglied zu werden?
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