Apo-Opa als Rechtsausleger Rabehl droht Verlust der Lehrerlaubnis

Mit einem Vortrag vor der NPD-Fraktion im sächsischen Landtag könnte Bernd Rabehl, Veteran der Studentenbewegung auf Abwegen, sein Konto endgültig überzogen haben: Wegen seines Dauerflirts mit Rechtsextremen will ihm die FU Berlin die Lehrerlaubnis entziehen.


Protest gegen NPD: Rabehl hingegen zeigt wenig Berührungsängste
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Protest gegen NPD: Rabehl hingegen zeigt wenig Berührungsängste

Der wegen rechtslastiger Äußerungen umstrittene Berliner Hochschuldozent Bernd Rabehl setzt seine Annährung an die Rechtsextremen fort: Am Mittwoch hielt er einen Vortrag bei der Landtagsfraktion der NPD in Dresden mit dem Titel "Die Faschismusjäger, der 'europäische Faschismus' und die NPD". In einer Pressekonferenz verteidigte Rabehl anschließend seinen Auftritt.

Nachdem Rabehl im März der NPD-Zeitung "Deutsche Stimme" ein Interview gegeben hatte, könnte er sich jetzt endgültig ins Abseits manövriert haben. Das renommierte Otto-Suhr-Institut der Freien Universität (FU), wo Rabehl bis zu seiner Pensionierung vor zwei Jahren lehrte, prüft die Möglichkeit, dem Soziologen die Lehrerlaubnis zu entziehen. Ab dem kommenden Semester soll Rabehl keine Lehrveranstaltungen mehr abhalten dürfen.

Institutsleiter Bodo Zeuner hatte Rabehl in einem offenen Brief vorgeworfen, in "unerträglicher Weise gegen Prinzipien demokratischer Gesinnung und Gesittung" verstoßen zu haben. "Mit Ihrem Bekenntnis zur NPD und deren völkisch-nationalistischen Gedankengebilden haben Sie Positionen bezogen, die außerhalb des Konsenses stehen, der die Lehrenden am Otto-Suhr-Institut verbindet", so Zeuner in seinem Schreiben.

Uni-Kollegen distanzieren sich

Die Humboldt-Universität Berlin hat unterdessen einen Vortrag des umstrittenen Soziologen abgesagt. Eigentlich sollte Rabehl am Mittwoch im Rahmen des unabhängigen Gesprächskreises "Geschichte Berliner Universitäten" reden. Geplantes Thema: Alexander Orlow - Führungsoffizier der Roten Kapelle". Die Universität bekam jedoch Hinweise darauf, dass die Veranstaltung wegen der Person des Referenten nicht ganz störungsfrei verlaufen werde und strich deshalb den Vortrag. "Dieser Gesprächskreis ist keine Veranstaltung oder Arbeitsgemeinschaft der Universität und wir distanzieren uns von den politischen Absichten von Bernd Rabehl", betonte HU-Vizepräsident Hans Jürgen Prömel.

Der einst enge Weggefährte von Apo-Führer Rudi Dutschke war erstmals 1998 aufgefallen, als er bei der Burschenschaft Danubia einen Vortrag hielt, die später vom Verfassungsschutz als verfassungsfeindlich eingestuft wurde, weil sie nach einem fremdenfeindlichen Überfall einem Skinhead Unterschlupf gewährte. Vor der Burschenschaft hatte bereits der ebenfalls ursprünglich der Apo entstammende Anwalt Horst Mahler gesprochen, der später der NPD beitrat.

Danach hatte Rabehl mehrfach Texte in der "Jungen Freiheit" veröffentlicht, die der Verfassungsschutz zu den Organen der "Neuen Rechten" zählt, wogegen sich die Wochenzeitung juristisch wehrt. In dem Interview mit dem NPD-Organ "Deutsche Stimme" spricht Rabehl unter anderem von "herrschenden Machtgruppen", die "letztlich gegen eine unkontrollierte Zuwanderung nichts unternehmen, um eine Paralyse der europäischen Völker zu erreichen". Rabehl sieht die NPD darin als eine Art Nachfolger der Apo, da auch er und Dutschke immer "nationalrevolutionär" gewesen seien und den SDS in diese Richtung hin hätten "umdisponieren" wollen.

Rabehl sich selbst als "ganz friedlichen Rentner". In "letzter Konsequenz", so Rabehl, sei er sich bis heute treu geblieben, was früher "als 'links' angesehen wurde, gilt heute als 'rechts'". Seinen Kritikern tritt Rabehl kampfbereit gegenüber: Rechtsradikale Äußerungen seien ihm nicht nachzuweisen. Er gehe davon aus, dass die "Freiheit der Wissenschaft" siegen werde.



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