SPIEGEL ONLINE

SPIEGEL ONLINE

19. Januar 2015, 10:07 Uhr

Prekäre Arbeitsbedingungen

Wanka will Ausbeutung von Wissenschaftlern stoppen

Der Bund will gegen die miserablen Arbeitsbedingungen von jungen Forschern vorgehen. Daueraufgaben sollen nicht mehr über Zeitverträge geregelt werden. Die Finanzierung wird allerdings weiter von den Ländern abhängen.

Hamburg - Sie hangeln sich von einem Projekt zum nächsten oder planen ihre Doktorarbeit alle paar Monate neu: 90 Prozent des Wissenschaftlernachwuchses arbeitet unter prekären Bedingungen. Wer für ein Jahr Sicherheit hat, muss sich schon glücklich schätzen.

Bundesbildungsministerin Johanna Wanka (CDU) will dies ändern. Die Möglichkeit, Forschern befristete Verträge zu geben, werde "teilweise ausgenutzt", sagte Wanka in einem Interview mit der "Süddeutschen Zeitung". Sie wolle durch eine Änderung des Wissenschaftszeitvertragsgesetzes gegen die miserablen Arbeitsbedingungen vorgehen.

Bei Doktorarbeiten solle sich die Vertragsdauer daran orientieren, wie viel Zeit für eine Promotion nötig sei. "Das wird selten unter drei Jahren gehen", sagte die Ministerin. Hochschulmitarbeiter sollten mehr Planungssicherheit haben, Daueraufgaben dürften nicht über Zeitverträge erledigt werden.

Die Bildungsgewerkschaft GEW hatte in der vergangenen Woche Alarm geschlagen. Der Großteil der 160.000 Nachwuchswissenschaftler muss sich mit Zeitverträgen begnügen, mehr als die Hälfte davon mit einer Laufzeit von unter einem Jahr. Zeitverträge reihten sich oft aneinander, sie erwiesen sich oft erst spät als Sackgasse, bemängelt auch der Wissenschaftsrat. Auch ein guter Teil der 30.000 Mitarbeiter an Forschungseinrichtungen außerhalb der Hochschulen arbeitet befristet.

"Mein Etat steigt um 25 Prozent. Wir werden Möglichkeiten haben und können langfristig denken", kündigte Ministerin Wanka an. "Der Anteil der unbefristeten Stellen muss wachsen."

Allerdings lehnt es Wanka ab, Hochschulen in Finanznot direkt zu helfen und verweist auf die Verantwortung der Länder für die Hochschulen. Durch die Aufhebung des Kooperationsgesetzes hätte der Bund zwar die Möglichkeit, einzelne Hochschulen langfristig zu unterstützen. Durch die jüngste Bafög-Reform hätten die Länder aber nun selbst neuen finanziellen Spielraum von insgesamt 1,17 Milliarden Euro pro Jahr, denn die Bundesregierung übernimmt seit diesem Jahr den bisherigen Länderanteil von 25 Prozent des Bafög. "Die Länder hätten durch die Bafög-Entlastung die Möglichkeit, mehr als 10.000 neue Stellen zu schaffen", so Wanka.

cpa

URL:

Verwandte Artikel:

Mehr im Internet


© SPIEGEL ONLINE 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung