AStA-Kampagne Mit starken Bildern gegen die Dauermisere

Ein fatal rot leuchtender Schwangerschaftstest: "Ups!". Eine auf Klopapier gekritzelte Magisterarbeit: "So nicht!" - mit ausgefallenen Plakaten sorgt derzeit Münsters AStA für Aufmerksamkeit. Weil Studentenvertreter überall mit Imageproblemen kämpfen, entdecken sie das Marketing.

Von Fiete Stegers


Unangenehm nah muss der Fotograf dem Hai gekommen sein, in dessen aufgerissenen Rachen Studierende in Münster derzeit an jeder Ecke blicken: Angehende Zahn- und Tiermediziner können ohne Schwierigkeiten an dem bunten Hochglanzplakat überprüfen, ob der hungrige Geselle die Mundhygiene vernachlässigt hat. Erst auf den zweiten Blick wird klar, wofür das Tierchen wirbt: Die Wohnberatung beim Uni-AStA soll Schutz vor Miethaien bieten.

Knallige Motive statt "Wähl-mich-jetzt!"

Die offensive Bildsprache ist neu. "Das typische AStA-Plakat ist schwarz-weiß, vielleicht mit roten Nuancen, hat eine klare Aufforderung wie 'Wählt jetzt!' und sehr viele Informationen", sagt Malte Sulkiewicz. "Langweilig" oder "Das liest doch eh keiner" sagt er zwar nicht, aber es schwingt unüberhörbar in seinen Worten mit. Deshalb winkte der Student der Kommunikationswissenschaft auch erst ab, als Kommilitone Otfried Morin von einer Ausschreibung des AStA berichtete: Die Studentenvertreter suchten Motive für eine Plakatkampagne - und boten dafür 1500 Mark.

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"Wir wollen mit der Kampagne nicht nur die paar Studies erreichen, die ohnehin zu unseren Veranstaltungen kommen", erklärt Marius Meyer, AStA-Referent für Öffentlichkeitsarbeit. Eine Befragung von fast 4000 Münsteraner Studenten ergab: 65 Prozent haben noch nie ein Beratungsangebot des AStA in Anspruch genommen. Schlimmer noch: Elf Prozent haben nicht einmal davon gehört - trotz aller Bemühungen der Studentenvertreter.

"Das ist ein Mittelding zwischen Desinteresse und Ignoranz. Die Leute wollen nur möglichst schnell durchs Studium kommen und gucken nicht nach links und rechts", sagt die AStA-Vorsitzende Anika Susek. Das Problem ist Studentenvertretern nur zu bekannt. Fast an jeder deutschen Hochschule kämpft der AStA mit Imageproblemen, gilt als planlos bis linksradikal - wenn die Studenten ihn überhaupt kennen.

Beim Preis mussten die Studentenvertreter schlucken

In Münster brachte die Plakat-Ausschreibung den gewünschten Erfolg: 20 Entwürfe wurden eingereicht, darunter mehrere von Design-Studenten und der siegreiche von Malte Sulkiewicz und Otfried Morin. Sie lieferten gleich Motive für eine ganze Serie. Statt textlastig zu argumentieren, setzen sie auf große Bilder als "Eyecatcher", flankiert von wenigen "Keywords": Handschellen in Großaufnahme symbolisieren die AStA-Rechtsberatung, der Hai die Mietberatung. Schwangerschaftstest und beschriftete Klopapierrolle weisen auf Darlehen für werdende Mütter und Examenskandidaten hin.

"Dass der AStA Hochschulpolitik macht, weiß jeder", sagt Malte Sulkiewicz, "wir wollten ihn aus seiner Ecke holen und ihm ein professionelleres Image verpassen." Dass sich die Kampagne auf Service-Angebote beschränkt, will die Vorsitzende Anika Suske nicht als Abkehr von politischen Inhalten verstanden wissen: "Die Plakate sollen die Leute aufmerksam machen. Überall steht unsere Internet-Adresse drauf. Da können sie sich weitere Informationen holen."

Marius Meyer ist mit dem bisherigen Erfolg der Kampagne zufrieden: "So eine Ausschreibung machen wir auf jeden Fall noch mal." Gänzlich in fremde Hände legen will der Asta die Gestaltung seines Außenauftritts aber nicht - auch aus Kostengründen. Neben Honorar und Anschaffung der Plakatständer schlug der Farbdruck im vierstelligen Bereich zu Buche. "Da hat der AStA erst mal geschluckt. Denen fehlten einfach die Erfahrungswerte", sagt Otfried Morin.



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