Verpasste Prüfungen Studenten sollen Ärzte von Schweigepflicht entbinden

Ist der Prüfling wirklich krank, oder will er sich nur drücken? Die FH Stralsund will von Studenten künftig mehr als ein ärztliches Attest sehen, wenn sie wegen Krankheit eine Prüfung verpassen. Datenschützer sind entsetzt.

Hörsaal
DPA

Hörsaal


Wenn Studenten nicht zu einer Prüfung antreten, weil sie angeblich krank sind, sorgt das bei Profs und deren Mitarbeitern oft für Skepsis. Wird da etwa simuliert? Irgendein Leiden vorgeschoben, obwohl in Wahrheit Unlust oder Disziplinlosigkeit dahintersteckt? Deswegen will es nun auch die Fachhochschule Stralsund etwas genauer wissen. Eine einfache Krankschreibung soll zukünftig nicht mehr ausreichen.

Stattdessen soll der Student seinen Mediziner von der Schweigepflicht entbinden und auf einem Formular genau aufschreiben lassen, unter welcher Krankheit er leidet, welche Symptome er hat und inwiefern sich das auf die Leistung in der Prüfung auswirken könnte.

Die Studenten sind entsetzt, der AStA befürchtet, die Weitergabe der Daten könne langfristig zu Nachteilen führen - etwa wenn sich ein Student an der FH irgendwann als wissenschaftlicher Mitarbeiter oder studentische Hilfskraft bewerben will.

Auch der Datenschutzbeauftragte von Mecklenburg-Vorpommern, Reinhard Dankert, sieht den Vorstoß der Hochschule kritisch: "Was die FH vorhat, geht so nicht. Studenten müssen nicht die komplette Diagnose offenlegen. Das ist viel zu intim."

Mit dem Formular wolle die FH vermutlich diejenigen Studenten herausfiltern, die sich vor Prüfungen drücken und sich unter einem Vorwand krankschreiben lassen möchten. Es sei falsch, alle unter Generalverdacht der Täuschung zu stellen, sagt Dankert. Unklar sei auch, wo solch sensible Daten aufbewahrt würden.

Wegen der Bedenken verhandeln Datenschützer und Uni nun über Alternativen, bis zu einer Einigung liegt der ursprüngliche Plan auf Eis. Ähnliche Vorstöße wie der in Stralsund sind unter anderem aus Jena, Freiburg und Kiel bekannt. Zum Teil kamen die Universitäten sogar damit durch.

Hol Dir den gedruckten UNI SPIEGEL!


insgesamt 150 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Wal-Ire 27.05.2016
1. ...und?
Hier auf der kleinen gruenen Insel am Rande der Zivilisation ist das ganz normal. Der Arbeitnehmer befreit den Betriebsarzt noch vor der ersten Untersuchung von der Schweigepflicht. Dann gibt es die Eingangsuntersuchung - vom Arbeitgeber bezahlt - und dann den Vertrag. Das war schon immer so.
martin_olsen 27.05.2016
2. Wo ist das Problem
Irgendwann muss der Student die Prüfung ja tatsächlich schreiben. Und so lange er das nicht tut, muss er sich weiter immatrikulieren und zahlt fleißig halbjährlich seine Gebühren. Die FH und somit indirekt auch den Prof. dürfte das doch freuen.
kivaio 27.05.2016
3.
Ist an der Universität in Magdeburg an der wirtschaftsfakultät seit Jahren so.
MissMorgan 27.05.2016
4. Unglaublich
Weil ein oder zwei "schummeln" wird die ärztliche Schweigepflicht ausgehebelt? Das wollen dann auch die Arbeitgeber. Und wem wird eigentlich nicht geglaubt? Dem Studenten, der dem Arzt was vorspielt? Entweder ist der Arzt von der Krankheit überzeugt oder nicht. Dann nützt aber auch eine offene Diagnose nicht. Oder entscheidet dann ein VWL-Professor darüber, ob die Krankschreibung gerechtfertigt ist? Gleich einen Gesundheitschip implantieren, dann können alle relevanten Daten der KV und dem AG online übermittelt werden. Dann weiß der AG noch vor der Krankmeldung dass der AG krank ist.
hh-eimsbüttler 27.05.2016
5. Kann man machen, wenn....
die Uni einen Vertrag mit dem Studenten abschließt und eine Konventionalstrafe von z. B. 1 Million Euro vereinbart wird. Natürlich nur wenn die Diagnose, oder Teile davon, öffendlich werden UND die Uni nicht nachweisen kann, dass sie das nicht zu verantworten hat.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.