Aus für Hauptschule CSU kritisiert CDU-Abschaffungsplan

Es ist eine kleine Revolution: Die CDU will die Hauptschule abschaffen. Der Bundesvorstand will diese Woche einen Beschluss für den kommenden Bundesparteitag fassen. Sehr zum Ärger der CSU, die von einem grundsätzlichen Fehler spricht und weiterhin am dreigliedrigen System festhält.
Schülerin an einer Hauptschule: Breite Einigkeit für die Abschaffung

Schülerin an einer Hauptschule: Breite Einigkeit für die Abschaffung

Foto: Peter Steffen/ dpa

Berlin - Die Pläne der CDU zur Zusammenlegung von Haupt- und Realschulen stoßen bei der Schwesterpartei CSU auf heftige Ablehnung. Bayerns Kultusminister Ludwig Spaenle distanzierte sich öffentlich und in scharfer Form. "Die faktische Auflösung einer Kernschulart ist ein pädagogischer Fehler zulasten der Schülerinnen und Schüler", sagte Spaenle nach Angaben eines Sprechers vom Sonntag.

"Die von der CDU geplante Auflösung der Hauptschule ist ein Schritt auf dem Weg zur Einheitsschule." Die CDU will aus dem drei- ein zweigliedriges Schulsystem machen. Bislang hatte Spaenle keine direkte Kritik an der CDU geübt, sondern Verständnis gezeigt, dass einzelne Länder wegen des starken Rückgangs der Schülerzahlen das Schulsystem neu organisieren wollen.

Die CDU will die Haupt- und Realschulen unter dem neuen Namen "Oberschule" zusammenführen. Der CDU-Bundfesvorstand will an diesem Montag einen Entwurf des bildungspolitischen Leitantrages beraten. Er trägt den Titel "Bildungsrepublik Deutschland". Die größte Veränderung ist die Abkehr von der Hauptschule.

Nun wurde Spaenle deutlicher: Die Auflösung der Hauptschule sei ein grundsätzlicher Fehler zum Nachteil der Schüler. Auch in der CDU selbst sei der Vorstoß umstritten. "Nur ein differenziertes Schulwesen sichert eine sehr gute individuelle Förderung der jungen Menschen mit ihren unterschiedlichen Begabungen und Interessen", begründete Spaenle die Entscheidung des Freistaats, am dreigliedrigen Schulsystem festzuhalten. Daher seien die Schularten Haupt-/Mittelschule, Realschule, Wirtschaftsschule und Gymnasium ebenso wichtig wie die Fach- und Berufsoberschule. Spaenle hatte einen großen Teil der bayerischen Hauptschulen in den vergangenen zwei Jahren unter dem Begriff "Mittelschule" reformiert. Hauptzweck der Reform war eine bessere Vorbereitung auf das Berufsleben.

FDP hat Verständnis für CDU-Reform

Ähnlich hatte sich zuvor CSU-Generalsekretär Alexander Dobrindt in der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" geäußert. Die Union müsse sich "verabschieden von den ewigen Schulexperimenten und Systemdebatten". Der Schlüssel zum Bildungserfolg liege in der individuellen Förderung. "Deshalb ist Vielfalt besser als Uniformität", sagte Dobrindt weiter.

Auch die Vorsitzende der CSU-Landesgruppe im Bundestag, Gerda Hasselfeldt, lehnte gegenüber der Zeitung eine Zusammenlegung von Haupt- und Realschulen ab. "In Bayern wird es beide Schulformen weiterhin geben", betonte Hasselfeldt.

Dagegen begrüsste FDP-Generalsekretär Christian Lindner in der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" die Pläne der CDU. Die Liberalen seien Vorreiter der Zweigliedrigkeit gewesen. "Wir brauchen jetzt aber keine Reißbrettplanungen, sondern mehr Autonomie für die einzelne Kommune und die einzelne Schule", fügte Lindner hinzu. So könne das Schulsystem der Zukunft "pragmatisch von unten her wachsen".

Die CDU ist nach Ansicht der SPD mit ihrer geplanten schulpolitischen Kehrtwende "endlich in der Realität angekommen". Der jahrelange erbitterte Kampf der Union gegen Veränderungen in der deutschen Schulstruktur habe notwendige Reformen "immer wieder erschwert und verzögert", sagte die bildungspolitische Sprecherin der SPD-geführten Bundesländer, Doris Ahnen, die Bildungsministerin in Rheinland-Pfalz ist. Es sei zu begrüßen, dass die CDU jetzt endlich ihren Widerstand gegen die Abschaffung der Hauptschule aufgeben will. "Aber die Nagelprobe kommt noch. Denn Ziel einer solchen Schulreform muss mehr Chancengleichheit in der Bildung sein." Die zweite Schulform neben dem Gymnasium müsse deshalb gleichberechtigt ihren Schülern alle Bildungsabschlüsse ermöglichen können, sagte Ahnen.

sev/dpa