Ausgefallene Stipendien Geldregen für Waisen und Weinkenner

Förderungswerke vergeben Finanzspritzen zu Forschungszwecken. Wer in seinem Fach keine Stipendien abbekommt, sollte ausweichen - zum Beispiel auf Weinbau oder Möbeldesign. Andere Geldgeber verlangen eine tadellose sittliche Führung.

Von Julia Susat


Glückliche Reben: Bis zu 12.500 Euro für Weinbau-Forschung
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Glückliche Reben: Bis zu 12.500 Euro für Weinbau-Forschung

Bundesweite Begabtenförderungswerke und die Studienstiftung des deutschen Volkes fördern besonders begabte Studenten. Sie haben das meiste Geld zu vergeben, sind aber so bekannt, dass Bewerber sie überrennen.

Wer sich weniger populäre Geldgeber sucht, hat bessere Chancen: Viele Stipendien sind an bestimmte Fächer gebunden, andere an bestimmte Hochschulen. Manche werden aufgrund der Herkunft oder des Wohnortes vergeben. Viele Studenten ahnen gar nicht, dass sie für ein ganz spezielles Stipendium in Frage kommen.

Spitzenleistungen in Geisenheim

So vergibt die Forschungsanstalt für Garten- und Weinbau in Geisenheim ein Stipendium an junge Wissenschaftler, die sich mit Weinbau, Gartenbau und Getränkewirtschaft beschäftigen. Ihre Rudolf-Hermanns-Stiftung vergibt jährlich rund 25.000 Euro für herausragende wissenschaftliche Leistungen auf allen Gebieten der Wein- und Gartenbauwissenschaften. Dabei werden Geldpreise und Forschungsförderung ebenso gewährt wie Studienbeihilfen für bedürftige Geisenheimer Studenten. Der Jackpot beträgt stolze 12.500 Euro.

Stifter Rudolf Hermanns stammt nämlich selbst aus einer alteingesessenen Gärtnerfamilie. Bei der Stiftung heißt es, Hermanns habe stets das Ziel gehabt, hervorragende Leistungen zu erbringen. Deshalb sei es sein Wunsch gewesen, andere Menschen, "die gleichermaßen Hervorragendes geleistet haben, zu honorieren, ihnen Hilfestellung zu geben, damit sie weitere herausragende Leistungen erbringen können."

Schöner studieren mit Billy und Knut: Ikea unterstützt Möbeldesigner
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Schöner studieren mit Billy und Knut: Ikea unterstützt Möbeldesigner

Auch für Studierende der Architektur, Innenarchitektur oder in Design-Studiengängen werden Fördergelder vergeben, von denen kaum jemand etwas ahnt. Das schwedische Einrichtungshaus Ikea hat in Deutschland eine Stiftung ins Leben gerufen, die Projekte in Möbeldesign und Wohnkultur finanziell unterstützt. Die Ikea-Stiftung fördert insbesondere solche Vorhaben, die mit bescheidenen Mitteln, aber mit großer Eigeninitiative und Kreativität etwas erreichen wollen.

Geisteswissenschaftler werden dagegen benachteiligt, was Stipendien angeht. Die meisten Zuwendungen sind für Studenten der Natur- und Wirtschaftswissenschaften ausgeschrieben. Dennoch lässt sich die eine oder andere Förderungsmöglichkeit finden, wenn man genau sucht. So zum Beispiel das Stipendium der Herold-Stiftung für Geschichtsstudenten. Eine Förderung der Bremer Stiftung kann erhalten, wer sich wissenschaftlich mit der Kriegs- und Aufbaugeneration nach dem Zweiten Weltkrieg befasst oder über Nationalsozialismus und den Zweiten Weltkrieg forscht. Die 1997 gegründete, politisch unabhängige Stiftung verfügt über ein Kapital von rund 100.000 Euro pro Jahr.

"Würdig und befähigt"

Andere Stiftungen zahlen nur für Studenten aus einer bestimmten Stadt, die noch zusätzlich bestimmte Voraussetzungen erfüllen. Zum Beispiel die Rechtsanwalt-Richard-Schmitt-Stiftung: Sie unterstützt auschließlich studierende Halb- oder Vollwaisen aus Würzburg. Diese müssen "würdig und befähigt" sein und seit mindestens zehn Jahren in Würzburg wohnen.

Universität München: "Sorgenfreies Studentenleben"
DDP

Universität München: "Sorgenfreies Studentenleben"

Zur S-Klasse unter den Stipendien gehört die Stiftung Maximilianeum in München. Die 1852 von König Maximilian II. von Bayern gegründete Stiftung ist hochbegabten männlichen bayrischen Abiturienten vorbehalten, die ein "sorgenfreies Studentenleben an einer Münchner Universität" anstreben. Seit 1980 fördert als Pendant die Wittelsbacher Jubiläumsstiftung auschließlich Studentinnen.

"Tadellose sittliche Führung"

Entsprechend hart sind die Aufnahmekriterien des Maximilianeums: Zunächst müssen Bewerber nachweisen, dass sie aus Bayern oder der linksrheinischen Pfalz - dem ehemaligen Bayern - kommen. Ihr Abitur müssen sie mit einem Durchschnitt von 1,0 passiert haben und außerdem zwei Stipendiumsprüfungen bestehen. Von 400 Bewerbern werden pro Jahr etwa sechs bis acht aufgenommen.

Wer zusätzlich ein "christliches Glaubensbekenntnis" und eine "tadellose sittliche Führung" nachweisen kann, hat es angenehm: Die Studenten im Maximilianeum erhalten freie Kost und Logis für die gesamte Dauer ihres Studiums. Sie werden bekocht, ihre Zimmer werden regelmäßig geputzt. So sollen sich die Stipendiaten voll auf ihre Studienleistungen konzentrieren können.



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