Ausländische Studenten Bleibt doch noch!

Von Benjamin Hammer

3. Teil: Unter Generalverdacht: "Kennen Sie sich mit Sptengstoffen aus?"


Hinzu kommt, dass die Bildungsanstalten chronisch klamm sind. Sie beklagen sich über zu viele Studenten. Auch für deutsche Bewerber wird durch den Numerus clausus die Hürde immer höher gesetzt, Gaststudenten nehmen aus Sicht der Unis nur zusätzliche Plätze in den überfüllten Hörsälen weg.

"In Deutschland fragen wir uns nicht, wie wir die Leute an die Uni kriegen, sondern wie wir sie fernhalten", sagt Christian Berthold, Geschäftsführer des Hochschulberaters CHE Consult, mit Blick auf die oft strengen Zulassungskriterien. "Diese Denkweise spiegelt sich auch im Umgang mit ausländischen Studenten wider." Kurz: Die Unis haben kein Interesse an großer Ausländerfreundlichkeit, es bringt ihnen kein Geld, dafür mehr Arbeit.

Die Universität Bonn erhebt seit 2006 einen Zuschlag, den sie "Betreuungsbeitrag" nennt. Zusätzlich zu den allgemeinen Studiengebühren von 500 Euro pro Semester zahlen Nicht-EU-Ausländer 150 Euro. Der Obolus war eigentlich gut gemeint, man wollte die Isolierten tatsächlich besser betreuen. Doch die Maßnahme ging nach hinten los: Die Zahl der Nicht-EU-Ausländer in Bonn sank prompt um 60 Prozent. "Unsere Uni ist auf dem besten Weg, die Studenten aus Entwicklungsländern zu verlieren", meint Magdalena Gruszka vom Bonner Asta-Vorstand.

Mehr noch als Geld und Bürokratie schrecken schlimme Erlebnisse die schlauen Studierenden aus dem Ausland ab. Sie reichen von einer gewissen Reserviertheit bis hin zu Rassismus, wie ihn Lu Zhang erfahren hat. In der HIS-Umfrage gab fast jeder zweite ausländische Student an, er sei schon "unfreundlich" behandelt worden, bei Studenten aus Afrika und dem Nahen Osten liegt dieser Wert noch höher.

In der Disco: "Keine Ausländer"

"Es ist schwierig, an der Uni deutsche Freunde zu finden", sagt die Chinesin Danni Xin, die in Köln BWL studiert. "Entdecke ich im Hörsaal Leute aus meinem Land, dann setze ich mich zu ihnen." Chinesen stellen den größten Anteil der Gaststudenten, viele berichten von Ablehnung.

"Die Hochschule ist ein Spiegelbild unserer Gesellschaft", sagt Claus Melter, der an der Universität Oldenburg eine Ombudsstelle gegen Rassismus betreut. "Es wäre falsch zu glauben, dass wir hier weniger Probleme haben." Zusammen mit seinen Kollegen spricht Melter mit Erstsemestern und Lehrkräften und versucht, sie auf die Empfindsamkeiten der ausländischen Gäste hinzuweisen. "Im Vergleich zu den USA oder Großbritannien haben wir noch viel aufzuholen", sagt Melter.

Der Ausländeranteil an der Uni Oldenburg liegt bei 6,6 Prozent, das ist selbst für deutsche Verhältnisse wenig. Wer mit dem kamerunischen Studenten Achu Yango, 25, durch Oldenburg läuft, bekommt einen anderen Blick auf das schmucke niedersächsische Uni-Städtchen: Yango zeigt auf die Discotheken, in die man ihn nicht hineinließ. "Keine Ausländer" hieß es bei einer sogar, ganz offen.

Yango, der Ingenieurphysik studiert, klagte wegen Diskriminierung und bekam vor Gericht recht. Der Club musste ihm 500 Euro bezahlen.

"Stell dir vor, du hast drei Bananen..."

Und in der Uni? Yango erzählt ein paar wenig erfreuliche Geschichten. So habe er einmal einem Dozenten eine Frage zu einer komplizierten Mathe-Aufgabe gestellt. "Stell dir vor, du hast drei Bananen", habe der Dozent seine Erklärung eingeleitet – für Yango eine abwertende Anspielung auf seine afrikanische Herkunft. Ein anderes Mal, als er eine besonders perfekte Hausarbeit abgab, fragte ihn ein Tutor, welcher Deutsche ihm dabei geholfen habe.

Auf besonders viele Vorbehalte stoßen seit den Terroranschlägen vom 11. September 2001 Studierende aus muslimischen Ländern, vor allem bei den notorischen Behördengängen.

In Nordrhein-Westfalen hat beispielsweise ein Fragebogen Ärger gemacht, den Männer aus 26 Ländern seit Ende 2007 auf der Ausländerbehörde ausfüllen müssen, wenn sie die Aufenthaltserlaubnis verlängern wollen: Ob man eine Flugausbildung habe, wird dort gefragt, ob man sich im Gebrauch von Chemikalien und Sprengstoffen auskenne oder zu einer terroristischen Vereinigung Kontakt habe.

"Unglaublich", findet der Marokkaner Mourad Qortas, 31, diese Fragen. Qortas studiert Islamwissenschaften in Münster, bisher hat er sich wohl gefühlt, Probleme mit der Aufenthaltserlaubnis habe es auch nie gegeben. Mit dem Fragebogen werde aber eine ganze Gruppe unter Generalverdacht gestellt.

"Das verändert meine Sicht auf Deutschland", sagt Qortas. "Ich habe das Gefühl, die wollen uns hier nicht." Qortas hat Klage vor dem Verwaltungsgericht Münster eingereicht, auch seine Hochschulleitung protestierte gegen den Fragebogen. Die Landesregierung hält bislang jedoch an der Praxis fest.



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