Ausländische Studenten Bleibt doch noch!

Von Benjamin Hammer

4. Teil: Welcome to Deutschländ: Tutor für fast jeden Gast


Wenn Behörden ausländische Studenten unter Generalverdacht stellen, fördert das nicht gerade die Integration. Doch welchen Anteil haben die ausländischen Studenten selbst an ihrer Isolation?

Willkommen an der Uni: Erster Tag, erste Erkenntnisse
Ahoi Polloi

Willkommen an der Uni: Erster Tag, erste Erkenntnisse

Angebote wie das "International Students Network" an der TU Braunschweig werden nur spärlich angenommen, berichten die Initiatoren. Deutsche Studenten organisieren hier Kneipenbummel, Theaterbesuche und Ausflüge beispielsweise nach Hamburg für die Gäste aus dem Ausland. Aber Studenten aus Asien und Afrika kämen selten zu den Treffen, erzählt Netzwerk-Vorstand Jan Suwart, 26, ganz im Gegensatz zu den abenteuerlustigen Erasmus-Leuten.

Suwart studiert Informatik an der TU und sieht die Cliquenbildung mit Bedauern. "In unseren Seminaren gibt es meist eine deutsche und eine ausländische Gruppe. Wir haben nicht viel miteinander zu tun."

"Natürlich stehen auch die Ausländer in der Pflicht, sich zu integrieren", meint Asel Ulukbek, Sprecherin des Bundesverbands ausländischer Studierender (BAS). Doch seien die Rahmenbedingungen dafür ungünstig: Studenten aus Nicht-EU-Staaten oder aus EU-Beitrittsländern wie Polen dürfen nur 90 Tage pro Jahr arbeiten, Bafög bekommen sie meist auch keines – viele sind deshalb knapp bei Kasse. Und allein deswegen schon isoliert. So klagten die ausländischen Studenten in der HIS-Umfrage auch über Probleme bei der Finanzierung und mangelnden Kontakt zu Mitstudenten und Professoren (siehe Grafik).

Das Gefühl, willkommen zu sein

Der BAS fordert deshalb, dass ausländische Studierende unbegrenzt arbeiten dürfen. Die Uni sollte bessere Sprachkurse anbieten und die Ausländer enger in die Gremien- und Gruppenarbeit einbinden. "Am wichtigsten aber ist", sagt Ulukbek, "dass die deutsche Gesellschaft uns Studenten das Gefühl gibt, willkommen zu sein."

Wie das funktioniert, macht die Europa Universität Viadrina in Frankfurt (Oder) vor. Schon ihre Lage an der deutsch-polnischen Grenze verpflichtet sie zur Internationalität, der Ausländeranteil liegt bei rund 40 Prozent, die meisten kommen aus Polen. Hier setzt man seit der Gründung im Jahr 1991 auf ausländische Studenten. Fast jeder Gast bekommt einen deutschen Tutor zur Seite gestellt – auf Wunsch werden die Studenten vom Bahnhof abgeholt.

Auf Nachfrage vermittelt die Viadrina eine deutsche Patenfamilie, die alle paar Wochen zu einem Abendessen oder einem Ausflug einlädt – das hilft gegen Heimweh und Einsamkeit. "An unserer Uni klappt das Zusammenleben schon ganz gut, jetzt wollen wir noch Signale in die ganze Stadt senden", sagt Bernd Schünow von der Abteilung für internationale Angelegenheiten.

"Die Gesellschaft öffnet sich gerade"

Anstöße zum Miteinander gibt es auch ohne Hilfsprogramme und Sozialprojekte: etwa im "Verbündungshaus", einem Plattenbau aus den achtziger Jahren, zehn Fußminuten von der polnischen Grenze entfernt. Das Haus sollte abgerissen werden, jetzt ist im Erdgeschoss eine hippe Bar eingerichtet. Hier wohnen 20 Studenten, sie heißen Kasia, Victor, Carolina, Franko, Hodg oder Wojtek.

"Wir wollten billigen Wohnraum für alle schaffen", erzählt Lea Sauer, 25, die Kulturwissenschaften studiert. Die Bewohner kommen aus fünf verschiedenen Nationen. Im Februar heirateten zwei Mitglieder der Multikulti-WG, er aus Deutschland, sie aus Weißrussland.

In Oldenburg hat nach Jahren des Kampfs auch der Kameruner Kilian Asangana, 27, sein persönliches Glück gefunden. Er ist mit einer Deutschen verheiratet, seit März hat er einen deutschen Pass. Seit Juni hat er seinen Informatik-Abschluss in der Tasche und arbeitet bei einer renommierten Software-Firma. Er habe "viel Mist erlebt", erzählt Asangana. Doch blicke er optimistisch in die Zukunft. "Wir stehen an einer Wende, die Gesellschaft öffnet sich gerade."

Dass seine Entscheidung, in Deutschland zu bleiben, richtig war, merke er jedes Mal, wenn er nach ein paar Tagen Reise wieder nach Oldenburg hineinfährt. "Dann denke ich: Das ist meine Heimat."



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