Auslandsstudium Wachsendes Fernweh

Etwas Besseres als die Massen-Uni finden wir überall: Deutsche Studenten zieht es verstärkt hinaus in die Welt. Klassische Studienziele wie die USA bleiben beliebt, noch mehr locken aber die kleineren Nachbarländer - allen voran die Niederlande.


Immer mehr deutsche Studenten zieht es an ausländische Hochschulen. Allein im Jahr 2006 sammelten 83.000 Studenten Erfahrungen zwischen Hörsaal und Kneipe im Ausland, teilte das Statistische Bundesamt in Wiesbaden mit.

Das waren sieben Prozent oder 5.700 Studierende mehr als im Vorjahr. Dieser starke Anstieg liegt vor allem an der großen Beliebtheit Deutschlands kleinerer Nachbarländer wie Niederlande, Österreich und Schweiz.

Deutschland ist Erasmus-Europameister

Generell zeigen sich die jungen Deutschen reisefreudig. Die Zahl der Studienaufenthalte im Ausland ist in den letzten zehn Jahren kontinuierlich gestiegen. Während 1996 auf 1000 deutsche Studierende an inländischen Hochschulen noch 26 deutsche an Hochschulen im Ausland kamen, waren es 2006 bereits 48.

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Deutsche Studenten dürfen sich außerdem Erasmus-Europameister nennen: Sie sind die mobilsten Studenten von allen. Mit 23.848 Teilnehmern stellten sie im Hochschuljahr 2005/2006 die stärkste Fraktion im Erasmus-Programm der Europäischen Union.

Beliebtestes Zielland 2006 waren die Niederlande mit 16,8 Prozent aller deutschen Studierenden im Ausland. Seit drei Jahren zieht kein anderes Land so viele deutsche Studenten an: Rund jeder sechste deutsche Auslandsstudent war im Jahr 2005 in Holland eingeschrieben, 12.000 insgesamt.

Ebenfalls beliebt sind Großbritannien (14,6 Prozent) und Österreich (14,4 Prozent). Es folgten die Schweiz mit 10,7, die USA mit 10,4 und Frankreich mit 8,4 Prozent. Diese sechs Länder zogen zusammen drei Viertel der deutschen Auslandsstudenten an.

Medizinerflucht nach Budapest

Ganz unterschiedlich verteilt sind dabei die besuchten Fächergruppen in den Zielländern: Zum Beispiel waren in den Niederlanden und in Großbritannien fast die Hälfte aller deutschen Studenten in der Fächergruppe Rechts-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften eingeschrieben.

In Frankreich geht es kultureller zu: Dort belegen rund 45 Prozent der deutschen Auslandsstudenten Veranstaltungen in der Fächergruppe Sprach- und Kulturwissenschaften und Sport.

Einen Sonderfall bildet Ungarn, wo die weit überwiegende Mehrheit von 73 Prozent der deutschen Studenten im Fach Humanmedizin immatrikuliert ist - in Budapest lockt die Semmelweis-Universität, die kürzlich in Hamburg eine Filiale eröffnet hat.

Umgekehrt sind aber auch die deutschen Hochschulen für ausländische Studenten attraktiv. Waren im Wintersemester 1996/97 an deutschen Hochschulen noch 100.033 Studierende aus dem Ausland eingeschrieben, stieg die Zahl bis zum Wintersemester 2006/2007 bereits auf 188.436.

cpa/AP/AFP



insgesamt 53 Beiträge
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Seite 1
namlob, 20.08.2008
1.
Zitat von sysopDas Studium im Ausland wird immer wichtiger und begehrter. Aber studiert es sich in anderen Ländern wirklich besser als in Deutschland?
Das kommt zunächst einmal auf den Zweck an, den man mit dem Studium im Ausland verbindet. Zu meiner Zeit - ich studierte nur in Deutschland - ging es bei dem Studium an einer anderen deutschen Universität darum, die dortige Mentalität und die dortigen Professoren kennenzulernen. Um ähnliches geht es auch heute, wenn im Ausland studiert wird. Man lernt die Kommilitonen des Gastlandes und deren Mentalität kennen; manchmal auch Kommilitonen aus anderen Ländern, die im selben Studentenheim wohnen. Wenn man in einer gastfreundlichen Gastfamilie wohnt, kann man das Gastland noch besser kennenlernen. Natürlich muss man sich vorher die nötigen Sprachkenntnisse angeeignet haben, um den Vorlesungen hinreichend folgen zu können. Insgesamt wird der Horizont durch das Auslandsstudium deutlich erweitert.
jinky, 21.08.2008
2.
Zitat von sysopDas Studium im Ausland wird immer wichtiger und begehrter. Aber studiert es sich in anderen Ländern wirklich besser als in Deutschland?
Um es mit Frau Hoppenstedt auf dem Weg zum Jodeldiplom zu sagen: "Da regt mich ja schon die Frage auf!" Erstens: das kann man so pauschal nun wirklich nicht beantworten. Es kommt auf das Fach an - und auf den einzelnen Studenten. Der eine hat's gern etwas freier, der andere etwas verschulter. Und natürlich stellt sich auch die Frage, von welchem Ausland wir reden: USA? Frankreich? Russland? Bangladesh? Und nun? Zweitens: sogar dann, wenn man tatsächlich sagen könnte dass man, sagen wir mal, Biologie an der Università degli studi di Pisa, schlechter studiert als an der Universität Göttingen, wäre ein Auslandsaufenthalt trotzdem in vielfältiger Hinsicht gut und wünschenswert. Es erweitert den Horizont, was ich trotz anderslautender Propaganda immer noch geneigt bin, als positiv zu werten.
chirin 21.08.2008
3. Auslandsstudium - nix wie weg?
Zitat von jinkyUm es mit Frau Hoppenstedt auf dem Weg zum Jodeldiplom zu sagen: "Da regt mich ja schon die Frage auf!" Erstens: das kann man so pauschal nun wirklich nicht beantworten. Es kommt auf das Fach an - und auf den einzelnen Studenten. Der eine hat's gern etwas freier, der andere etwas verschulter. Und natürlich stellt sich auch die Frage, von welchem Ausland wir reden: USA? Frankreich? Russland? Bangladesh? Und nun? Zweitens: sogar dann, wenn man tatsächlich sagen könnte dass man, sagen wir mal, Biologie an der Università degli studi di Pisa, schlechter studiert als an der Universität Göttingen, wäre ein Auslandsaufenthalt trotzdem in vielfältiger Hinsicht gut und wünschenswert. Es erweitert den Horizont, was ich trotz anderslautender Propaganda immer noch geneigt bin, als positiv zu werten.
Antwort: Ich gehe sogar weiter, jeder Auslandsaufenthalt, der nicht nur aus den "all inclusive" Hotels besteht, bildet. Anläßlich einer Spreewaldfahrt erklärte mir gestern eine Brandenburgerin, sie werde niemals nach Italien fahren, denn ihre "Gruppe" hätte ihr erzählt, in Venedig wären diese bestohlen worden. Ich antwortete:" Dann können Sie auch nicht zum Berliner Bhf. Zoo fahren, dort lauern auch die Spitzbuben und klauen, wenn man nicht aufpaßt." Diese "Dummhheit" und wirklich üble Nachrede über unsere liebenswerten Nachbarn, die Italiener, hat mich sehr befremdet. Zu Zeiten der Fürstentümer sind unsere Handwerker auch gewandert und erheblich klüger als ein Teil unserer heutigen Abiturienten nach Hause zurück gekommen. Deshalb doch das Lied:" Auf, Du junger Wandersmann, itzo kommt die Zeit heran...." Die Arbeit lag im Mittelalter auch nicht vor der Haustür, - Also, ein Bravo für die Studenten, die sich ein bißchen "andere Luft um die Nase wehen lassen."
nobbi_83 21.08.2008
4. thema
Ich habe von 2004-2007 meinen Bachelor an der Uni Maastricht gemacht und fange nächsten Monat mit meinem Master in Rotterdam an. Und ja, die Unis sind besser: Unterricht in Kleingruppen und keine Vorlesungen mit 1000 Studenten im Saal; Blöcke von je 2 Fächern à 2 Monaten und dann Klausuren und ein Beamer in jedem Raum. Neben dem rein theoretischen Wissen kriegt man durch Gruppenarbeiten noch Projekt Management, Teamwork und präsentieren vermittelt. Das Preis/Leistungsverhältnis ist um einiges besser als an deutschen Unis, während die Qualität den Vergleich mit Unis wie WHU und EBS nicht zu scheuen braucht.
SunSailor 21.08.2008
5.
Deutschland hat das ernste Problem, dass viele sogenannte Lehrstühle die Lehre eher als Belastung denn als Existenzsinn verstehen, man versteht sich in erster Linie als Forschungsbetrieb. Unabhängig vom Studienfach spürt man diese Einstellung durch viele Türen strömen. Aus den Schilderungen aus anderen Ländern, sowohl aus Artikeln, als auch Berichten von Komilitonen, schließe ich, dass dies im Ausland häufig anders ist, insbesondere in Spanien und den Niederlanden. Zu sehr wird in Deutschland zwischen Forschungs- und Lehrwissen unterschieden, dabei sollte beides doch weite Überschneidungen besitzen - zum Vorteil beider Seiten.
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