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Studium an der BA-Hochschule: Mein Traumjob? Arbeitsagentur!

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Hochschule der Arbeitsagentur Wir studieren Hartz IV

Wer hier studiert, bekommt danach garantiert einen Job: Die Bundesagentur für Arbeit bildet an ihrer eigenen Hochschule Jobvermittler aus. Sie sollen die Behörde in die Online-Zukunft führen.

Maria Körner, 27, will helfen. Sie will mit Menschen arbeiten, in einem Job, der wirklich zu ihr passt. Nach einem medienwissenschaftlichen Studium und Berufserfahrung in einer Hamburger IT-Firma weiß sie jetzt, wo es für sie beruflich weitergehen soll: In die Bundesagentur für Arbeit (BA) - nicht als Jobsuchende, sondern als Jobvermittlerin.

"Ich finde spannend, dass man auch ein bisschen Profiler ist, weil man die Leute einschätzen muss", sagt Körner. Sie ist eine der 420 Erstsemester, die in diesen Tagen ihr Studium an der Hochschule der BA beginnen. Der Job der Arbeitsvermittlerin reizt sie sehr: "Das ist wirklich was, das zu mir passt, da kann ich hinterstehen", sagt Körner. Bei ihrem früheren Arbeitgeber war sie erst Beraterin, dann in der Personalabteilung. "Ich habe gemerkt, dass es mir einfach unglaublich viel Spaß macht, Menschen zu helfen."

Vor dem Studium erhofft sie sich nun eine rechtlich fundierte Grundlage. An einer eigenen BA-Hochschule mit Sitz in Mannheim und einem weiteren Campus in Schwerin bildet die Arbeitsagentur Studenten zu Arbeitsvermittlern und Berufsberatern aus. Ein Stellenangebot ist jedem von ihnen sicher. Und BA-Hochschulrektor Andreas Frey hat derzeit vor allem ein Ziel: Er will das Image einer angestaubten Behörde abstreifen.

Im Chat mit den Arbeitssuchenden

Was Frey sich darunter vorstellt, klingt mehr nach Neubau denn nach Renovierung: Weg von der Verwaltungsanstalt, hin zu einer Behörde der kreativen, wagemutigen Köpfe, die mit Neuen Medien spielen, denken können wie Unternehmer und deren Anforderungen genau kennen - so erzählt Frey von seiner Vision. Dann würde eine Beraterin mit einem Ingenieur aus Nigeria chatten, und ein Arbeitsvermittler würde auf einer Internetplattform die dringende Frage einer IT-Fachfrau beantworten. Ein, zwei Generationen werde es wohl noch dauern, bis der neue Wind alle Berater erreicht habe, sagt Frey. Der Wandel sei aber schon in vollem Gange.

So beginnt Maria Körner ihr Arbeitsmarktmanagementstudium inmitten einer großen Umbruchphase der BA: "Wir kommen immer mehr weg von der klassischen Arbeitslosenvermittlung", sagt Frey. Ein Land wie Baden-Württemberg stehe zum Beispiel knapp vor der Vollbeschäftigung. In Zukunft müssten Arbeitsvermittler daher noch viel mehr über Möglichkeiten zur Weiterbildung Bescheid wissen. Der Trend gehe zudem weg von der klassischen Beratung in der Agentur. "Es gibt auch Momente, da braucht jemand genau jetzt eine Beratung und nicht erst morgen oder übermorgen", sagt Frey. Eine Lösung seien Chats und Videokonferenzen.

Bei der BA habe sich in den vergangenen gut zehn Jahren schon einiges gewandelt, der Servicegedanke werde immer wichtiger, sagt auch Arbeitsmarktforscher Werner Eichhorst vom Institut zur Zukunft der Arbeit. Trotzdem sei die Interaktion mit den Kunden zum Teil aber noch sehr schematisch. Die Vermittler der Zukunft müssten sich deshalb mehr Zeit für die harten Fälle wie Langzeitarbeitslose nehmen und sie individueller betreuen. "Die gehen dann eher nicht in einen Videochat", sagt Eichhorst. "Berater brauchen eine große Offenheit, um den Einzelfall mit all seinen Problemen und Schicksalsschlägen zu verstehen."

Das Verhalten hängt vom Bildungsstand ab, nicht von der Herkunft

Besonders wichtig werde auch der Umgang mit Migranten, da Berater in Zukunft häufiger mit Menschen ausländischer Herkunft zu tun haben werden. Psychologieprofessorin Türkan Ayan von der BA-Hochschule sieht hier Schulungsbedarf: "Arbeitsvermittler schreiben tendenziell bestimmtes Verhalten der Kultur zu, obwohl es damit gar nichts zu tun hat." Welchen Bildungsstand jemand habe, sei für sein Auftreten meist entscheidender als der kulturelle Hintergrund.

Für die Arbeit mit Migranten hat auch Rektor Frey eine Zukunftsvision: Über Sprachfilter könnten ausländische Kunden direkt an einen Berater weitergeleitet werden, der ihre Sprache spreche.

Beliebte Berufe: Studenten sehnen sich nach sicherem Staatsdienst
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Sich in der freien Wirtschaft durchbeißen - diese Vorstellung jagt vielen Studenten offenbar Angst ein. Eine nicht repräsentative Studie zeigt: Sie wollen Sicherheit, jeder Dritte wünscht sich den Staat als Arbeitgeber. 

Christine Cornelius/dpa/lgr
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