Faktencheck zum Uni-Abschluss Der Bachelor ist nichts wert - oder?

Den meisten Studenten reicht ein Bachelor nicht, sie rechnen sich mit einem Master bessere Chancen auf dem Arbeitsmarkt aus. Aber stimmt das auch? Der Faktencheck.
Plakat beim Bildungsstreik in Erfurt 2009: Was ist der Bachelor wert?

Plakat beim Bildungsstreik in Erfurt 2009: Was ist der Bachelor wert?

Foto: Imago

Mobiler, schneller, vergleichbarer sollten die neuen Abschlüsse sein - und Studenten für den Arbeitsmarkt fit machen. Mit diesem Versprechen begannen deutsche Hochschulen am Anfang des Jahrtausends damit, ihre Studiengänge auf Bachelor und Master umzustellen.

Doch mehr als zehn Jahre später hat der Bachelor immer noch einen schweren Stand. Die meisten Studenten wollen einen Master draufsatteln, weil sie sich damit bessere Chancen auf dem Arbeitsmarkt ausrechnen. Dabei war der Bachelor als vollwertiger Abschluss gedacht, der Absolventen zügig in den Beruf führen sollte.

Stimmt es, dass der Bachelor wenig wert ist? Welche Chancen haben junge Menschen mit Bachelor, wenn sie sich auf Jobsuche begeben?

Eine Umfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) zeichnete im April zunächst ein eher düsteres Bild. Demnach war nicht einmal die Hälfte der rund 2000 befragten Unternehmen zufrieden mit Berufseinsteigern, die "nur" einen Bachelorabschluss hatten.

Doch ein genauerer Blick auf die Umfrage zeigt: Der Bachelor kommt dabei zu schlecht weg. Das liegt auch dran, dass sich nicht selten schwächere Absolventen bei den Firmen bewerben, die mit ihrem Studium überfordert waren und deshalb keinen Master anstreben.

Kein breiter Zugang zum höheren Dienst

Eine Befragung im Auftrag des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD)  kam 2011 außerdem zu dem Schluss: Je mehr Erfahrung Unternehmen mit Bachelorabsolventen hatten, desto wohlwollender fiel ihr Urteil aus. So hielten vier Fünftel dieser Firmen die Berufseinsteiger mit Bachelor für ausreichend, bzw. eher ausreichend qualifiziert.

Auch suchten Bewerber mit Bachelor nach dem Studium nicht länger nach Jobs und waren kaum häufiger arbeitslos als Absolventen mit traditionellen Abschlüssen. Das ergab unlängst eine Auswertung  des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW) und der arbeitgebernahen Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM).

Demnach verdienten Berufseinsteiger mit Bachelor auch nur etwas weniger als Absolventen mit Masterabschluss. Die Differenz betrug meist weniger als zehn Prozent.

Bitter ist jedoch, dass ausgerechnet der Staat jungen Menschen mit Bachelor nicht dieselben Chancen einräumt. Ihnen steht lediglich der gehobene Dienst offen, nicht aber der höhere Dienst - und das wird wohl auch so bleiben.

Denn das Bundesinnenministerium lehnt es ab, die höchste Beamtenlaufbahn für Kandidaten mit Bachelor zu öffnen, wie die "Süddeutsche Zeitung" zuerst berichtete . Eine breiter Zugang von Bachelorabsolventen zum höheren Dienst sei nicht gewollt, heißt es demnach in einem Schreiben des Hauses von Thomas de Maizière an die Fraktionen von CDU und SPD. Höchstens bei "zwingenden Gründen wie Bewerbermangel" könnten eventuell Ausnahmen gemacht werden.

Das war im Koalitionsvertrag jedoch anders vereinbart. Dort hielten die Regierungsparteien 2013 fest: "Wir wollen die Leistungsfähigkeit des öffentlichen Dienstes weiterhin sicherstellen." Dafür solle der Zugang zum höheren Dienst des Bundes künftig immerhin auch für Bachelorabsolventen mit Promotion oder mehrjähriger beruflicher Erfahrung möglich sein.

Bildungsmythen im Faktencheck
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Ob über Schüler, Lehrer, Studenten, Professoren, Auszubildende - es gibt viele Vorurteile, wenn es um die Bildung in Deutschland geht. SPIEGEL ONLINE untersucht, was Wahrheit und was Mythos ist.

Fazit: Trotz seines schlechten Rufs hat sich der Bachelor in der Wirtschaft vielerorts als aussichtsreicher Abschluss etabliert. Auch im Hinblick auf die kurze Studienzeit haben Absolventen gute Chancen, eine angemessene Anstellung zu finden. Die Politik, die die Hochschulreform anstieß, tut sich jedoch selbst noch schwer damit, den Wert eines Bachelorabschlusses anzuerkennen.