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29. Juli 2016, 13:11 Uhr

Bafög

Mehr Geld für Studenten und angehende Meister

Zum ersten Mal seit sechs Jahren steigen die Bafög-Sätze: auf bis zu 735 Euro im Monat. Auch angehende Meister können sich ab August über mehr Geld freuen.

Während deutsche Unis mit rund 2,8 Millionen Studenten aus allen Nähten platzen, nimmt das Interesse an der beruflichen Bildung ab. Nur jede fünfte Firma in Deutschland bildet noch aus. Zugleich klagen Unternehmen, dass ihnen gute Bewerber fehlen.

Doch ab 1. August soll die berufliche Ausbildung attraktiver werden: Das "Meister-Bafög" wird reformiert. Es bekommt ein neues Etikett und heißt künftig "Aufstiegs-Bafög" - und es bringt angehenden Handwerksmeistern und Fachkräften mehr Geld.

Bundestag und Bundesrat hatten die Reform im Frühjahr beschlossen. Damit steigen jetzt unter anderem die Förderbeiträge für den Lebensunterhalt und die Lehrgangskosten, die Zuschläge für die Kinderbetreuung sowie der sogenannte Erfolgsbonus bei bestandener Abschlussprüfung.

Folgende Erhöhungen der maximalen Unterhaltsbeiträge sind vorgesehen: für Alleinstehende von 697 auf 768 Euro im Monat, für Alleinerziehende von 907 auf 1003 Euro, für Verheiratete mit einem Kind von 1122 auf 1238 Euro, für Verheiratete mit zwei Kindern von 1332 auf 1473 Euro.

"Wir wollen mit attraktiven Förderbedingungen die guten Argumente für eine Karriere in der Berufsbildung noch besser machen und mehr Menschen den Zugang zur Förderung eröffnen", sagte Bundesbildungsministerin Johanna Wanka.

Denn um die duale Ausbildung, für die Deutschland oft gelobt wird, steht es nicht gut. Laut Berufsbildungsbericht sank die Zahl der neuen Ausbildungsverträge 2015 erneut leicht auf etwa 520.000. Erstmals seit sieben Jahren ließen sich laut Statistischem Bundesamt außerdem nur noch 162.000 Berufstätige durch ein "Meister-Bafög" unterstützen. Das sind 5,7 Prozent weniger als 2014.

Im August steigen auch die Bafög-Sätze für Studenten, zum ersten Mal seit sechs Jahren. Studenten mit eigener Wohnung können dann bis zu 735 Euro monatlich erhalten (plus 9,7 Prozent). Die Kinderbetreuungszuschläge steigen auf einheitlich 130 Euro pro Kind.

Um sieben Prozent erhöhen sich die Einkommensfreibeträge der Eltern. So können etwa 110.000 Studierende und Schüler mehr Bafög erhalten. Bafög-Empfänger können zudem künftig dauerhaft einen Minijob mit bis zu 450 Euro monatlich ausüben, ohne dass dieses Einkommen auf ihre BaföG-Leistungen angerechnet wird.

Das Deutsche Studentenwerk forderte allerdings bereits, bald nachzulegen. Die Erhöhung berücksichtige lediglich die Preis- und Einkommensentwicklung bis Herbst 2014, sagte Generalsekretär Achim Meyer auf der Heyde.

"Damit aber die nächste Bafög-Erhöhung nicht erst nach der Regierungs- und Haushaltsbildung in den Jahren 2018 oder 2019 angegangen wird und möglicherweise dann frühestens 2020 wirkt, muss die Bundesregierung sie jetzt, noch vor der Bundestagswahl 2017, auf den Weg bringen", sagte er.

lov/dpa

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