Bafög Mehr Geld für Studenten und angehende Meister

Zum ersten Mal seit sechs Jahren steigen die Bafög-Sätze: auf bis zu 735 Euro im Monat. Auch angehende Meister können sich ab August über mehr Geld freuen.

Auszubildende in Chemnitzer Metallwerkstatt: Berufliche Bildung stärken
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Auszubildende in Chemnitzer Metallwerkstatt: Berufliche Bildung stärken


Während deutsche Unis mit rund 2,8 Millionen Studenten aus allen Nähten platzen, nimmt das Interesse an der beruflichen Bildung ab. Nur jede fünfte Firma in Deutschland bildet noch aus. Zugleich klagen Unternehmen, dass ihnen gute Bewerber fehlen.

Doch ab 1. August soll die berufliche Ausbildung attraktiver werden: Das "Meister-Bafög" wird reformiert. Es bekommt ein neues Etikett und heißt künftig "Aufstiegs-Bafög" - und es bringt angehenden Handwerksmeistern und Fachkräften mehr Geld.

Bundestag und Bundesrat hatten die Reform im Frühjahr beschlossen. Damit steigen jetzt unter anderem die Förderbeiträge für den Lebensunterhalt und die Lehrgangskosten, die Zuschläge für die Kinderbetreuung sowie der sogenannte Erfolgsbonus bei bestandener Abschlussprüfung.

Folgende Erhöhungen der maximalen Unterhaltsbeiträge sind vorgesehen: für Alleinstehende von 697 auf 768 Euro im Monat, für Alleinerziehende von 907 auf 1003 Euro, für Verheiratete mit einem Kind von 1122 auf 1238 Euro, für Verheiratete mit zwei Kindern von 1332 auf 1473 Euro.

"Wir wollen mit attraktiven Förderbedingungen die guten Argumente für eine Karriere in der Berufsbildung noch besser machen und mehr Menschen den Zugang zur Förderung eröffnen", sagte Bundesbildungsministerin Johanna Wanka.

Denn um die duale Ausbildung, für die Deutschland oft gelobt wird, steht es nicht gut. Laut Berufsbildungsbericht sank die Zahl der neuen Ausbildungsverträge 2015 erneut leicht auf etwa 520.000. Erstmals seit sieben Jahren ließen sich laut Statistischem Bundesamt außerdem nur noch 162.000 Berufstätige durch ein "Meister-Bafög" unterstützen. Das sind 5,7 Prozent weniger als 2014.

Im August steigen auch die Bafög-Sätze für Studenten, zum ersten Mal seit sechs Jahren. Studenten mit eigener Wohnung können dann bis zu 735 Euro monatlich erhalten (plus 9,7 Prozent). Die Kinderbetreuungszuschläge steigen auf einheitlich 130 Euro pro Kind.

Um sieben Prozent erhöhen sich die Einkommensfreibeträge der Eltern. So können etwa 110.000 Studierende und Schüler mehr Bafög erhalten. Bafög-Empfänger können zudem künftig dauerhaft einen Minijob mit bis zu 450 Euro monatlich ausüben, ohne dass dieses Einkommen auf ihre BaföG-Leistungen angerechnet wird.

Das Deutsche Studentenwerk forderte allerdings bereits, bald nachzulegen. Die Erhöhung berücksichtige lediglich die Preis- und Einkommensentwicklung bis Herbst 2014, sagte Generalsekretär Achim Meyer auf der Heyde.

"Damit aber die nächste Bafög-Erhöhung nicht erst nach der Regierungs- und Haushaltsbildung in den Jahren 2018 oder 2019 angegangen wird und möglicherweise dann frühestens 2020 wirkt, muss die Bundesregierung sie jetzt, noch vor der Bundestagswahl 2017, auf den Weg bringen", sagte er.

lov/dpa



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Seite 1
Entchen123 29.07.2016
1. Bescheid
Das ist ja interessant zu lesen. Ich habe erst gestern meinen Bescheid bekommen und werde mit ganzen 350 Euro bedacht. Fuer ein Auslandsstudium in Schottland, mit Studiengebuehren und Mieten die sich im Bereich deutscher Grossstadte bewegen. Meine Eltern koennen und wollen auch nichts mehr dazu tun was irgendwann auch verstaendlich ist. Mit dem Geld komme ich hinten und vorne allerdings dann nicht mehr aus. Wie man die Studiengebuehren stemmen soll... eine ganz andere Frage. Ja, mir ist bewusst das ich auch wieder nach Deutschland ziehen koennte, zu meinen Eltern und dann an einer Provizuni studiere. Das macht allerdings fuer mich keinen Sinn. Der Arbeitsmarkt verlangt nach herausragenden Absolventen mit uebertriebenen Lebenslaeufen. Ein Master Studium ist fuer viele Berufe mitlerweile zur Pflicht geworden und ist nicht mehr nur Kuer (das hat bei der Bologna Reform wohl auch kaum einer bedacht). Dazu kommen Auslandserfahrung, soziales Engagement, Praktika etc. Und irgendwo ist der Name der Uni in bestimmten Berufsgruppen auch nicht ganz unwichtig. Ich habe als Beste meines Jahrgangs das Abitur abgeschlossen, habe ein sehr gutes Bachelorstudium hinter gelegt (dual) und will jetzt vollzeit meinen Master machen. Warum aber sollen meine Eltern dafuer in die Verwantwortung gezogen werden? Und warum soll es mir nicht moeglich sein den Master dort zu machen wo ich es fuer richtig halte? Warum soll ich an einer Provinzuni studieren die mir am Ende des Tages die Chancen nimmt, weil sie "no name" ist und ich somit aus dem Blickfeld der Recruiter rutsche? Dafuer habe ich mir dann den Ar*** aufgerissen, ein Jahr Berufserfahrung gesammelt und bei einem Praktikum in London 80h Wochen geschoben. Einen Kredit aufnehmen, ja das werde ich wohl oder uebel trotz BAföG noch muessen.
Arrows 29.07.2016
2. Reiche studieren - Arme machen eine Ausbildung
Warum gilt nicht das Gleiche für Studenten was für ALG II Empfänger gilt? Es muss doch für jeden möglich sein auch in einem Ort wie München zu studieren, ohne sich über beide Ohren zu verschulden? Warum die Leute die nur auf der Couch liegen bessergestellt sind als Studenten die sich den Hintern aufreißen das begreif ich nicht.
idee342 29.07.2016
3. Mehr als außreichend
Hatte ca 650 Euro im Monat zur Verfügung. Bei entsprechender Lebensweise und Wohnung durchaus außreichend! Studiert in deutscher Großstadt aber dann in einem eher günstigen Wohnviertel vor ca. 1 Jahr fertig geworden.
carsten2007 29.07.2016
4. @Entchen123
Erklären Sie mir bitte, warum der Steuerzahler dafür aufkommen soll, wenn Ihre Eltern ja anscheinend auch Ihren Teil beitragen können?
Entchen123 29.07.2016
5. @carsten2007
Vielleicht koennen meine Eltern mich finanziell nicht unterstutzen. Das Amt schaut ja lediglich auf die Einkuenfte, aber laufende Kosten werden nicht beachtet.
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