Reformstau Immer weniger Studenten mit Bafög

Die Zahl der Bafög-Empfänger ist 2015 erneut zurückgegangen - weil die Freibeträge nicht angepasst wurden. Nun ist Besserung in Sicht, doch die geht dem Deutschen Studentenwerk nicht weit genug.

Bafög-Antrag (Archivfoto)
DPA

Bafög-Antrag (Archivfoto)


Zum vierten Mal in Folge gibt es weniger Bafög-Empfänger als im Vorjahr. 870.000 Schüler und Studierende haben im vergangenen Jahr Leistungen nach dem Bundesausbildungsförderungsgesetz (Bafög) erhalten. Das sind 5,9 Prozent weniger als 2014. Bereits von 2013 auf 2014 war die Zahl der Empfänger um 3,5 Prozent gesunken.

Georg Schlanzke vom Deutschen Studentenwerk (DSW) überrascht das nicht: "Preise und Einkommen sind in den vergangenen Jahren gestiegen. Die Fördersätze und Freibeträge wurden aber nicht angepasst. Man muss sich also nicht wundern, dass die Zahl der Bafög-Empfänger zurückgegangen ist." Denn durch den Lohnanstieg haben mehr mögliche Empfänger die Grenzbeträge überschritten, ab denen sie weniger oder gar keine Förderung erhalten.

Die Zahl der Bafög-Empfänger verteilt sich auf 259.000 Schüler und 611.000 Studenten. Schüler erhielten durchschnittlich 421 Euro, Studenten 448 Euro monatlich. Unter den Empfängern erhielten 46 Prozent eine Vollförderung, also den maximalen Förderbetrag, die restlichen 54 Prozent konnten eine Teilförderung in Anspruch nehmen.

Zum 1. August 2016 trat ein Reformpaket zum Bafög in Kraft, das höhere Bedarfssätze und Elternfreibeträge beinhaltet. Damit erhalten Studenten und angehende Meister mehr Geld, der Bafög-Höchstsatz steigt von 670 auf 735 Euro. Die letzte Erhöhung vor dem Reformpaket hatte es im Jahr 2010 gegeben.

"Wir gehen davon aus, dass die Anzahl der Empfänger durch die verbesserten Leistungen wieder ansteigt", sagt Christiane Krüger-Hemmer vom Statistischen Bundesamt. Das DSW ist zwar mit der Erhöhung fürs Erste zufrieden. "Aber die Angleichungen sollten jährlich oder zumindest alle zwei Jahre erfolgen", kritisiert Schlanzke.

Er wünscht sich eine Art Automatismus, durch den das Bafög ohne aufwendige Gesetzesverfahren angepasst wird. Das allerdings wäre eine sehr weitreichende Änderung: Ende August wird das Bafög 45 Jahre alt, und bisher haben sich solche Vorschläge nicht durchgesetzt.

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lku/dpa



insgesamt 23 Beiträge
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mali123 11.08.2016
1. Man findet als Absolvent keine Arbeit
wozu dann die vielen Studenten? Etwa damit man noch weniger Arbeit findet und verdient?
pommbaer84 11.08.2016
2. @mali123
Man könnte ja etwas studieren was der Markt auch gebrauchen kann. Arbeitslos werden nur die, die das leichteste Studium auswählen nur um irgendwas zu studieren.
erzengel1987 11.08.2016
3. BAfög
Dazu sage ich nur. Entlasst alle Beamten die dafür zuständig sind kauft ein System macht einen Festbetrag für alle Studenten. Automatisieren würde das ganze wesentlich kostengünstiger machen. Zudem bräuchte man als einzige Infos die Kontonummer des Studenten und einen Immatrikulationsbescheid. Über Automatisierte Emails könnte gegebenenfalls eine Bestätigung an die jeweilige Uni Hochschule geschickt werden. Mit dem System könnte wahrscheinlich jedem Studenten ein Festbetrag von 600 € ausgezahlt werden. Direkt ohne warten verzögerungen oder ähnlichem Schwachsinn. Nach zwei Semestern ohne erneuten Immatrikulationsbescheid und Abmeldung könnte eine Rückforderung der letzten zwei Semester erfolgen sowie der Anfang der Rückzahlung. Man braucht vielleicht eine Person die die Software wartet. Bearbeitungszeit wäre wesentlich einfacher und man müsste nicht mehr das Amt bescheißen was eigentlich jeder tut^^
mrotz 11.08.2016
4.
Zitat von pommbaer84Man könnte ja etwas studieren was der Markt auch gebrauchen kann. Arbeitslos werden nur die, die das leichteste Studium auswählen nur um irgendwas zu studieren.
Oder die, die den schwersten Gang (Habilitation) bis zum Ende durchziehen. Und das eben nicht nur in den Geisteswissenschaften. mfg
lachina 11.08.2016
5.
Zitat von pommbaer84Man könnte ja etwas studieren was der Markt auch gebrauchen kann. Arbeitslos werden nur die, die das leichteste Studium auswählen nur um irgendwas zu studieren.
....oder die etwas studieren, was nur eine kleine Gruppe interessiert, ein sogenanntes Orchideenfach. oder etwas, was sich nicht kurzfristig wirtschaftlich verwerten lässt...wobei über die Wichtigkeit für die Menschheit nichts gesagt wird. Zum Bafög: Ich wundere mich über geringe Zahl der Teilförderungen. Das müsste ausgeweitet werden. Es gibt viele Familien, die ihrem studierenden Kind evtl. 200 Euro monatlich geben können, plus 190 Euro Kindergeld und dann würde der Staat nochmals 200 drauflegen. Das würde gerade ärmeren, aber nicht an der Armutsgrenze lebenden Familien helfen. Mein Ideal ist Dänemark, jeder dänische Student bekommt die elternunabhängige Förderung von ca. 1000 Euro im Monat und meistens auch ein Wohnheimzimmer ( Ausländer genießen diese Vorteile leider nicht, d.h. das Zimmer ja)Wie macvhen das die Dänen eigentlich????
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