Reformstau Immer weniger Studenten mit Bafög

Die Zahl der Bafög-Empfänger ist 2015 erneut zurückgegangen - weil die Freibeträge nicht angepasst wurden. Nun ist Besserung in Sicht, doch die geht dem Deutschen Studentenwerk nicht weit genug.
Bafög-Antrag (Archivfoto)

Bafög-Antrag (Archivfoto)

Foto: Marcus Brandt/ picture alliance / dpa

Zum vierten Mal in Folge gibt es weniger Bafög-Empfänger als im Vorjahr. 870.000 Schüler und Studierende haben im vergangenen Jahr Leistungen nach dem Bundesausbildungsförderungsgesetz (Bafög) erhalten. Das sind 5,9 Prozent weniger als 2014. Bereits von 2013 auf 2014 war die Zahl der Empfänger um 3,5 Prozent gesunken.

Georg Schlanzke vom Deutschen Studentenwerk (DSW) überrascht das nicht: "Preise und Einkommen sind in den vergangenen Jahren gestiegen. Die Fördersätze und Freibeträge wurden aber nicht angepasst. Man muss sich also nicht wundern, dass die Zahl der Bafög-Empfänger zurückgegangen ist." Denn durch den Lohnanstieg haben mehr mögliche Empfänger die Grenzbeträge überschritten, ab denen sie weniger oder gar keine Förderung erhalten.

Die Zahl der Bafög-Empfänger verteilt sich auf 259.000 Schüler und 611.000 Studenten. Schüler erhielten durchschnittlich 421 Euro, Studenten 448 Euro monatlich. Unter den Empfängern erhielten 46 Prozent eine Vollförderung, also den maximalen Förderbetrag, die restlichen 54 Prozent konnten eine Teilförderung in Anspruch nehmen.

Zum 1. August 2016 trat ein Reformpaket zum Bafög in Kraft, das höhere Bedarfssätze und Elternfreibeträge beinhaltet. Damit erhalten Studenten und angehende Meister mehr Geld, der Bafög-Höchstsatz steigt von 670 auf 735 Euro. Die letzte Erhöhung vor dem Reformpaket hatte es im Jahr 2010 gegeben.

"Wir gehen davon aus, dass die Anzahl der Empfänger durch die verbesserten Leistungen wieder ansteigt", sagt Christiane Krüger-Hemmer vom Statistischen Bundesamt. Das DSW ist zwar mit der Erhöhung fürs Erste zufrieden. "Aber die Angleichungen sollten jährlich oder zumindest alle zwei Jahre erfolgen", kritisiert Schlanzke.

Er wünscht sich eine Art Automatismus, durch den das Bafög ohne aufwendige Gesetzesverfahren angepasst wird. Das allerdings wäre eine sehr weitreichende Änderung: Ende August wird das Bafög 45 Jahre alt, und bisher haben sich solche Vorschläge nicht durchgesetzt.

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lku/dpa
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