Bau-Ing-Regatta Doppelsieg für Goethe

Gurkenflieger, Wurstkatamaran, Zementmischer - die Gefährte, die am Wochenende auf Hannovers Maschsee herumschipperten, sahen nicht nur seltsam aus. Die Aufgabe für die Studenten, die sie konstruierten, war ähnlich skurril: "Ist aus Beton - und schwimmt".
Von Katrin Schmiedekampf

Eine Tomate, ein Apfel und eine Möhre treiben auf dem Maschsee. Die Frucht und das Gemüse sind riesengroß, innen hohl - und aus Beton. Studenten der Bundeswehruniversität München haben sie entworfen. Nun sitzen sie in den merkwürdigen Booten und paddeln. Sie wollen beweisen, dass ihre Werke schwimmen können.

Selbstverständlich ist das nicht. Denn die Gefährte, mit denen Studenten von überall in Deutschland zur 11. Betonboot-Regatta  nach Hannover gereist sind, sehen ziemlich seltsam aus. Auf dem See schippern zum Beispiel ein Zementmischer, ein Bierkrug, eine Riesensalami, ein Biergarten, ein Gurkenflieger und ein XXL-Tretboot. "Ist aus Beton - und schwimmt" lautet das Motto des Wettbewerbs, bei dem die ausgefallensten und schnellsten Boote prämiert werden.

"Der Zementmischer besteht aus verschiedenen Elementen, die erst im Wasser zusammengesetzt worden sind. Er ist 6,4 Tonnen schwer", plärrt es aus dem Lautsprecher, als das schwerfällige Boot vorbei schippert. Die Schaulustigen am Nordufer des Sees können kaum glauben, dass ein so mächtiger Klotz tatsächlich schwimmen kann.

Wenn sich die Flugasche aus dem Wasser hebt

Noch bevor die Parade der Offenen Klasse offiziell beendet ist, müssen alle Boote den See verlassen. "Aus Sicherheitsgründen, denn ein Gewitter zieht auf", so die Durchsage. Die Wasserwacht schiebt den Zementmischer an, damit er schneller ans Ufer gelangt. Es blitzt und donnert dann doch nicht, regnet aber in Strömen. Das Ufer ist plötzlich menschenleer.

Nach dem Guss sind die über 1000 Zuschauer schnell zurück. Es riecht nach Bratwürstchen und nassen T-Shirts. Die merkwürdigen Boote, die von insgesamt 830 Studenten angefertigt wurden, können nun an Land bewundert werden. Zum Beispiel die "Flugasche", dessen Schiffsrumpf sich bei hohem Tempo aus dem Wasser hebt. Bernd Zwingmann und Andreas Vogel, beide 24, von der TU Dresden haben es zusammen mit 28 Kommilitonen gebaut. "Wir haben im letzten Oktober angefangen zu planen", erzählen die Studenten.

Gleich fünf Wasserfahrzeuge haben die Dresdner für den Wettbewerb gebastelt, den die Zement- und Betonindustrie alle zwei Jahre veranstaltet, um Kontakt zu angehenden Bauingenieuren zu bekommen. "Die 'Flugasche' ist unser Knüller", sagt Bernd. Das Team hat die Kraft berechnet, die das Boot aus dem Wasser treibt und dafür sorgt, dass es auf den beiden Tragflügeln durchs Wasser gleitet. Außerdem haben die Studenten lange über die Konstruktion nachgedacht. Sehr leicht sollte das Boot sein und besteht daher aus feinkörnigem Beton, Bauschaum und Glasfasern. Die Wände sind nur drei Millimeter dick - und trotzdem wasserdicht.

Eine Weißwurst platzt auf

Wasserdicht? Ein Boot aus München aus zwei dicken Weißwürsten und einem Bierkrug ist es leider nicht. "Als wir es zu Wasser lassen wollten, ist die linke Wurst auf der Treppe aufgeschlagen und aufgerissen. Dann lief sie auf Grund", sagt Andreas Foreita, 22. Er studiert Staats- und Sozialwissenschaften an der Universität der Bundeswehr in München und ist betrübt über das nasse Fiasko des 1,5 Tonnen schweren "Wurstkatamarans": "Wir wollten doch der Weißwurst ein Tribut zollen, sie ist in diesem Jahr 150 Jahre alt geworden."

Oliver Schlag und seine Kommilitonen von der Fachhochschule Lausitz haben vorgesorgt, um einen Untergang zu vermeiden: Sie haben ihren "Gurkenflieger" vor dem Wettbewerb bereits zweimal im Wasser getestet. Die Planung des Bootes dauerte 14 Monate. "Wir hatten die Idee, einen Gurkenflieger zu bauen, weil wir ja aus dem Spreewald kommen. Dort werden die Gurken mit Traktoren geerntet, die an den Seiten Flügel haben." Ihr Boot ist gurkengrün und weiß. Auf den Schiffskörper haben die Studenten ein Flugzeug montiert, in dem jemand sitzen kann.

Oliver opferte sogar drei Wochen seiner Semesterferien, um weiter basteln zu können. Der Lohn: Die Lausitzer gewinnen mit ihrem "Gurkenflieger" in der Offenen Klasse. Zweiter wird der Betonmischer aus Hildesheim, den dritten Platz belegt ein riesiges Tretboot von Studenten der TU Darmstadt.

Doppelsieg für Goethe

Jetzt steht die Wettkampfklasse auf dem Programm. Ein Betonkanu mit einem grummeligem Gesicht, Hörnern und Teufelsschwanz gleitet durch das Wasser. Mit "Mephisto" legen zwei Studentinnen der HTWK Leipzig eine 400 Meter lange Rennstrecke zurück. "Zieh, zieh, zieh", rufen die Zuschauer und trommeln aufs Geländer.

Beim ersten Lauf erreicht Mephisto nur als drittes Boot das Ziel. Doch weil unklar ist, wer wen geschnitten hat, muss das Finale der Frauen wiederholt werden. Glück für die Studentinnen aus Leipzig: Diesmal liegt "Mephisto" vorn. Bei den Herren siegt ebenfalls das Team der HTWK Leipzig mit ihrem Boot "Faust". Das Kanu ihrer ärgsten Konkurrenten ist kurz vor dem Ziel umgekippt; Retter der DLRG helfen den Schiffbrüchigen zurück ins Boot.

Bei der Siegerehrung des zweitägigen Wettbewerbs singen die Studenten der TU Dresden: "In meinem Betonboot ist locker Platz für zwei. Wir fahren jetzt zum Rennen, denn wir sind mit dabei.... Dresden, Dresden, Dresden vor. Wir sind die Bastelkinder aus dem Baustofflabor!" Sie feiern schon jetzt - obwohl es erst am Abend eine große Bau-Ing-Party in der Uni Hannover geben soll.

Das schwerste Rennboot haben Studenten der FH Augsburg gefertigt. Es wiegt 257 Kilo. Das leichteste, die "Schwarze Katze" der TU Dresden, bringt gerade einmal 20 Kilo auf die Waage. Die Studenten haben mit all ihren Booten den Beweis geliefert: Ist aus Beton - und schwimmt.

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