Bayern statt Berlin Das Zwergen-Harvard der Wirtschaft

Nach beträchtlichen Startproblemen hat die private Business School ESMT ihren Campus in München eröffnet - als Außenstelle des Berliner Hauptsitzes, der auf die Renovierung wartet. 25 große deutsche Konzerne sollen die Manager-Schule tragen, doch die Finanzierung gibt weiter Rätsel auf.

Von Bärbel Schwertfeger


Edmund Stoiber im Glück: Mehr "Strahlkraft" für die Region
MARCO-URBAN.DE

Edmund Stoiber im Glück: Mehr "Strahlkraft" für die Region

Bayerns Ministerpräsident Edmund Stoiber strahlte am Montag. Ein "Glanzlicht für den Wissenschafts- und Wirtschaftsstandort Bayern" werde die neue European School of Management and Technology sein und dazu beitragen, einen "akuten Mangel an hochkarätigen Führungskräften zu decken". Zudem könne die ESMT die "Strahlkraft der Region" erhöhen. Schließlich habe sich Bayern auch frühzeitig und mit Nachdruck für einen Standort in München eingesetzt.

Vier Millionen Euro hat der Freistaat dafür locker gemacht und der ESMT Räume im neuen Bürokomplex am ehemaligen Flughafen München-Riem mietfrei zur Verfügung gestellt. "Dabei wird es wohl nicht bleiben", zeigte sich Stoiber generös. Denn die als "deutsches Harvard" angekündigte Managementschule steckt nach wie vor in finanziellen Schwierigkeiten.

ESMT-Zentrale im Berliner Staatsratsgebäude: Wer soll das bezahlen?
DPA

ESMT-Zentrale im Berliner Staatsratsgebäude: Wer soll das bezahlen?

Probleme bereitet vor allem die Renovierung des vom Land Berlin mietfrei zur Verfügung gestellten Staatsratsgebäudes. Rund 30 Millionen soll die Sanierung des ESMT-Hauptsitzes kosten - und die fehlen. Anlässlich der Münchner Campus-Eröffnung haben sich nun Aufsichtsrat und Kuratorium erstmals zusammengesetzt, um über die weitere Finanzierung zu sprechen. Die Renovierung soll aus den Erträgen einer neuen Fondgesellschaft bezahlt werden und das Land Berlin umfassende Erbbaurechte gewähren. Die Verhandlungen darüber laufen allerdings noch.

Nicht zuletzt wegen der miserablen Pressearbeit herrschte monatelang Verwirrung über die Finanzierung der ESMT (SPIEGEL ONLINE berichtete mehrmals). Da war die Rede von einem angestrebten Stiftungskapital von 100 Millionen Euro, aus deren Zinserträgen die Business School finanziert werden sollte. Bisher hat man jedoch erst 78 Millionen Euro eingesammelt; die Suche nach neuen Stiftern erweist sich als äußerst schwierig. "Die wollen erst einmal sehen, was wir machen, bevor sie zahlen", sagt ein Insider.

Stolze Preise für die Kurse

Bei der ESMT müsse man zwischen Stiftung und GmbH, der eigentlichen Business School, unterscheiden, erklärte Henning Schulte-Noelle, Vorsitzender der ESMT-Stiftung und Allianz-Aufsichtsrat. Den laufenden Betrieb müsse die ESMT selbst mit ihren Einnahmen aus den Teilnehmergebühren bestreiten, das sei nicht Aufgabe der Stiftung.

ESMT im Web: Schleppender Start

ESMT im Web: Schleppender Start

Doch dazu ist noch viel Überzeugungsarbeit notwendig. Denn bisher gibt es noch keinen einzigen hochkarätigen Professor. Mit fünf sei man bereits in konkreten Verhandlungen und hoffe, noch in diesem Jahr einen Vertrag abschließen zu können, sagt ESMT-Dekan Wulff Plinke.

Vollzeitstudenten wird die Business-Schule kaum vor 2005 aufnehmen können. Für dieses Jahr sind 14 hochpreisige Seminare (ein Zwei-Tages-Kurs kostet 2750 Euro) mit internationalen Gastdozenten angesetzt. Die erste Veranstaltung begann gleich im Anschluss an die offizielle Eröffnung in München.

Zum Human-Resource-Roundtable waren allerdings nur die Personalvorstände der beteiligten Unternehmen geladen. Offenbar ging es vor allem darum, sie zu überzeugen, ihre Mitarbeiter in den nächsten Jahren zu den ESMT-Seminaren zu schicken - denn nur dann hat die Schule überhaupt eine Überlebenschance.



© SPIEGEL ONLINE 2003
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.