Bayrische Fusionspläne Weiß-blaue Mega-Hochschule

Geht es nach der bayrischen Staatsregierung, könnte sich die Landeshauptstadt bald mit einer "University of Munich" schmücken. Die traditionsreichen Hochschulen TU und LMU mit zusammen 70.000 Studenten sollen fusionieren - wenn sich der größere Partner LMU noch begeistern lässt.


Rutsch in die Fusion? Mitarbeiter der TU München in Garching
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Rutsch in die Fusion? Mitarbeiter der TU München in Garching

Die bayerische Landesregierung erwägt, die beiden großen Münchner Universitäten zusammenzulegen. Wissenschaftsminister Thomas Goppel bestätigte am Dienstag entsprechende Vorschläge einer von ihm berufenen Expertenkommission. Die Kommission habe sich für eine "strukturierte Kooperation beider Universitäten in Forschung und Lehre" ausgeprochen, so das bayrische Wissenschaftsministerium. Das Echo der Hochschulen war gespalten.

Wie die "Süddeutsche Zeitung" berichtete, schlägt die Kommission eine Integration der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) und der Technischen Universität (TU) vor, die langfristig in eine Fusion münden könnte. Eine gemeinsame "University of Munich" könne mit gleichbleibendem Etat effizienter sein, mehr Spitzenleute anziehen und eine der zehn besten Universitäten der Welt werden.

"Verschlankung und Verbesserung"

Goppel sagte im Bayerischen Rundfunk, es gebe "viele Möglichkeiten der Verschlankung und Verbesserung der Zusammenarbeit". Das könnte von der Zusammenlegung einzelner Fakultäten bis zur vollständigen Verschmelzung gehen. Jetzt müssten sich erst einmal die Universitäten unterhalten. Ziel sei kein Sparprogramm, sondern eine bessere Positionierung des Standorts München im internationalen Wettbewerb.

LMU-Rektor Bernd Huber sagte im selben Sender: "Wir halten eine solche Fusion für falsch." Beide Münchner Universitäten seien sehr erfolgreich. Ein Zusammenschluss werde nur "einen Koloss auf tönernen Füßen, eine Monster-Uni" schaffen. Dagegen begrüßte TU-Präsident Wolfgang Herrmann die Vorschläge. Ein Zusammenschluss mit mehr Geld und Personal könne die internationale Konkurrenzfähigkeit erhöhen.

"Prestigeobjekte der Politik"

Die Ludwig-Maximilians-Universität hat 810 Professoren und 48.000 Studenten, die TU 480 Professoren und 20.000 Studenten. Der Kommission "Wissenschaftsland Bayern 2020" unter Vorsitz des Konstanzer Philosophen Jürgen Mittelstraß gehören unter anderem der Präsident der Deutschen Forschungsgemeinschaft, Ernst- Ludwig Winnacker, der Schweizer Nobelpreisträger Richard Ernst, der ehemalige Stanford-Präsident Gerhard Casper und der BMW-Aufsichtsratschef und frühere TU-Professor Joachim Milberg an.

Die Kommission sprach sich für ein Integrationskonzept aus, "in dessen Rahmen Forschungs- und Lehrprogramme zusammengeführt würden und an die Stelle der bisherigen traditionellen Fächer- und Fakultätsstrukturen eine neue, an den Erfordernissen einer modernen Forschung und Lehre orientierte Struktur träte." Sie will dazu detailliertere Vorschläge unterbreiten. Die SPD-Landtagsfraktion warf der bayrischen Staatsregierung vor, sie nutze die Universitäten "lediglich als Prestigeobjekte ihrer Politik".



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