Berkeley Kein Schein für Schweinereien

Eine Exkursion zum lokalen Strip-Club, ein Dozent mit Sex auf der Bühne, eine veritable Orgie bei einer Privatparty - das ging der Universität Berkeley zu weit. Die renommierte US-Hochschule strich einen Kurs zur männlichen Sexualität aus dem Lehrprogramm.


Kommt nicht in die Tüte: Orgien im Namen der Uni
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Kommt nicht in die Tüte: Orgien im Namen der Uni

Die Studenten sollten lernen, verantwortungsvoll mit ihrer Sexualität umzugehen - und feierten eine Orgie. So geht's nicht, meinte die Universität von Kalifornien in Berkeley und sagte den Kurs "männliche Sexualität" ab. Doppeltes Pech mit der Liebe: Die Studenten können jetzt auch den Schein abhaken.

"Solche Aktivitäten sind nicht Teil des Unterrichtsplans", sagte die Sprecherin der Universität, Marie Felde, am Montag der Zeitung "Sacramento Bee". Ein Artikel in der Campuszeitung "Daily Californian" hatte die Universitätsleitung aufgeschreckt. Was sie dort lesen durfte, hörte sich nicht gerade wissenschaftlich an.

Schluss mit lustig

Ein Teil der Studenten sei zum Ausklang des Kurses in einen lokalen Strip-Club gegangen, berichtete Jessica McMahon, eine der Kursteilnehmerinnen. Dort hätten die Studenten dann zugesehen, wie ihr Lehrer Sex auf der Bühne hatte. McMahons Kommilitonin Christy Kovacs erzählte der Campuszeitung, auf einer privaten Party der Kursteilnehmer sei es zu einer Sexorgie gekommen.

Außerdem wusste Kovas von allerlei lustigen Party-Spielchen zu berichten: "Die Studenten haben Polaroid-Aufnahmen von ihren Genitalien gemacht". Dann seien die Fotos anonym in eine Box gesteckt worden. Anschließend hätten die Studenten dann versucht, die Bilder den jeweiligen Personen zuzuordnen.

Skurril: Die Sexualitätskurse laufen in Berkeley unter der Kategorie "Demokratische Erziehung", zu der auch Kurse über das Kartenspiel Blackjack gehören. Die Kurse werden nicht direkt von der Universität angeboten, aber gesponsort.

Die Lehrer sind zumeist die Studenten selbst, ein Professor übernimmt jedoch die inhaltliche Verantwortung. Studenten können damit Scheine erlangen, die sie für das Examen brauchen. Neben dem Kurs über männliche Sexualität gibt es auch noch das Pendant "Weibliche Sexualität". An beiden Kursen können sowohl weibliche als auch männliche Studenten teilnehmen.

Und jetzt die Sache mit der Orgie. Wasser auf die Mühlen derer, die die Kurse von vornherein wenig sittsam fanden. Inzwischen wird auch der Kurs "Weibliche Sexualität" genauer beobachtet. Aus dem Programm wurde er jedoch noch nicht genommen, auch wenn die amerikanische Pornodarstellerin Nina Hartley als Gastdozentin auftritt. Den Vorwürfen hält Ian Bach, einer der Lehrer der Kurse, entgegen: "Die meiste Zeit des Kurses verbringen wir mit Reden. Das ist ein superemotionaler Kurs."

Von Michael Krechting



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