Universität Hamburg Vorlesung von AfD-Mitbegründer Lucke vorzeitig abgebrochen

Auch die zweite Vorlesung von Bernd Lucke an der Uni Hamburg ging vorzeitig zu Ende: Weil Demonstranten in den Hörsaal drängten, brach der AfD-Mitbegründer die Veranstaltung ab.

AfD-Mitbegründer Bernd Lucke verlässt nach einer Vorlesung an der Universität Hamburg das Gelände
Daniel Bockwoldt/ DPA

AfD-Mitbegründer Bernd Lucke verlässt nach einer Vorlesung an der Universität Hamburg das Gelände


AfD-Mitbegründer und Wirtschaftsprofessor Bernd Lucke hat seine zweite Vorlesung an der Universität Hamburg nach rund 45 Minuten vorzeitig beendet - auf eigenen Wunsch. So berichteten es Studierende, die im Hörsaal saßen, dem SPIEGEL. Bevor Lucke die Vorlesung abbrach, waren demnach rund 20 Demonstranten in den Hörsaal eingedrungen.

Sie drängten sich an Mitarbeitern des Sicherheitsdienstes, die vor den Türen des Gebäudes standen, vorbei und klopften an die Türen des Hörsaals. Demnach drängten einige Demonstranten Mitarbeiter zur Seite, um sich Zutritt zum Saal zu verschaffen. Dabei skandierten sie den Angaben zufolge Sprüche wie "Kein Recht auf Nazipropaganda".

Lucke beendete Augenzeugen zufolge daraufhin die Vorlesung und verließ den Saal durch einen Hintereingang. Wie die Deutsche Presse-Agentur berichtet, fuhr er anschließend mit einem Wagen davon.

Persönliche Sicherheit zu keinem Zeitpunkt gefährdet

In einer Pressemitteilung der Hochschule werden die Angaben im Wesentlichen bestätigt: Nachdem die Vorlesung etwa eine Stunde lang ordnungsgemäß stattfinden konnte, hätten sich zahlreiche Störerinnen und Störer - teilweise vermummt - gewaltsam Eintritt verschafft, heißt es darin.

"Im Moment der Störung wurde die Vorlesung seitens der Universität Hamburg entsprechend dem Sicherheitskonzept sofort abgebrochen", schreibt die Uni. Luckes persönliche Sicherheit und die der Studierenden seien zu keinem Zeitpunkt gefährdet gewesen. Weiter wird betont: "Die Störungen der Vorlesungen von Professor Lucke verurteilt das Präsidium nachdrücklich aufs Schärfste."

Dem schloss sich auch Hamburgs Wissenschaftssenatorin Katharina Fegebank von den Grünen an: "Ich verurteile den heutigen Versuch von offenbar universitätsfremden Personen, die Vorlesung von Herrn Professor Lucke zu stürmen, auf das Schärfste. Das ist Unrecht in seiner reinsten Form", teilte sie mit.

"Ich bin der Überzeugung, dass Universitäten parteipolitisch neutral sein müssen und nicht die Bühne für Parteipolitik sein dürfen - und zwar völlig gleich welcher politischen Farbe", schrieb Fegebank. Die Universität habe sich ein Regelwerk gegeben, um dafür Sorge zu tragen. "Die Abgrenzung mag im Einzelfall nicht immer einfach sein", so die Ministerin. "Ich erwarte aber, dass die Hochschulleitung dafür sorgt, dass diese Regeln auch eingehalten werden. Es darf nicht der Eindruck entstehen, dass hier mit zweierlei Maß gemessen wird."

Asta: "So ein Mensch gehört an keine Universität"

Bereits bei seiner ersten Vorlesung nach seiner Rückkehr an die Universität vor einer Woche war Lucke beschimpft, körperlich bedrängt und am Reden gehindert worden. An dem Protest beteiligten sich den Angaben zufolge unter anderem Mitglieder der Antifaschistischen Aktion (Antifa).

Luckes Rückkehr an die Universität war bei vielen Hamburger Studierenden auf harsche Kritik gestoßen. Lucke habe mit "seiner bürgerlichen Fassade den Weg der AfD zur menschenverachtenden und rassistischen Partei geebnet", sagte der Vorsitzende des Allgemeinen Studierendenausschusses (Asta), Karim Kuropka, der Deutschen Presse-Agentur. "So ein Mensch gehört an keine Universität."

Friedliche Proteste hinter dem Gebäude

Beim zweiten Vorlesungstermin am Mittwoch hatten zunächst mehrere Dutzend Studenten hinter dem Gebäude friedlich gegen Lucke protestiert. Die Universität hatte ihre Sicherheitsmaßnahmen eng mit der Polizei abgestimmt und ausgeweitet. So gab es vor Beginn der Vorlesung Einlasskontrollen, damit nur angemeldete Studenten Zutritt zum Vorlesungssaal erhalten.

Der Volkswirt und Eurokritiker Lucke war 2013 maßgeblich an der Gründung der AfD beteiligt und einer ihrer ersten Bundessprecher. 2014 hatte er sich von der Uni Hamburg beurlauben lassen, um als Berufspolitiker für die AfD ins Europaparlament zu wechseln.

Nachdem Lucke 2015 im Streit über eine stärker nationalkonservative Ausrichtung der AfD von Frauke Petry als Bundessprecher abgelöst worden war, hatte er die Partei verlassen. In der Folge hatte Lucke wiederholt angeprangert, dass es in der AfD rassistische und rechtsextreme Tendenzen gebe.

Luckes Versuche, mit der von ihm gegründeten Allianz für Fortschritt und Aufbruch (Alfa), die sich später in Liberal-Konservative Reformer (LKR) umbenannte, politisch anderweitig Fuß zu fassen, scheiterten. Bei der Europawahl Ende Mai kam die LKR mit Spitzenkandidat Lucke nur auf 0,1 Prozent der Stimmen.

nil/fok/dpa/Mitarbeit: Maximilian Senff



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