Bestechende Argumente Ferienjob oder PC inklusive

Mit kleinen und größeren Präsenten buhlen die Hochschulen um Erstsemester. So erhalten Dortmunder Chemietechnik-Studenten neben einem Studienplatz auch einen Ferienjob. Und die Uni Paderborn verschenkt zum Studienstart sogar Computer.


Rundum versorgt sind die Studierenden der Fachbereiche Chemieingenieurwesen und Verfahrenstechnik an der Dortmunder Universität. Den Studienplatz gibt´s ohnehin gratis - und als Dreingabe für Erstsemester außerdem einen Werkvertrag von bis zu drei Monaten für die Semesterferien. Garantiert werde dabei auch ein "guter Verdienst". Ausgetüftelt wurde das Konzept in Zusammenarbeit mit Firmen der chemischen Industrie.

Doch nicht nur bezahlte Ferienjobs bieten die Unternehmen. Auch Plätze für wissenschaftliche Praktika und Diplomarbeiten sind im Angebot. So sollen die Studierenden schon frühzeitig mit den Aufgaben und Tätigkeiten vertraut gemacht werden, die später auf sie zukommen. Außerdem hofft die Hochschule, mit dem kleinen Zuckerl ihre Absolventen bereits während des Studiums an potenzielle Arbeitgeber zu vermitteln.

Auf Lockmittel setzt in Dortmund auch der Fachbereich Maschinenbau und vergibt Stipendien an Studentinnen, statt nur über den niedrigen Frauenanteil in den Technik-Disziplinen zu lamentieren. Wenn Abiturientinnen sich in das klassische Männerfach trauen, erhalten sie pro Monat 100 Mark für Bücher oder Software ­ und das bis zu zehn Semester lang. "Niemand wird sich ernsthaft für ein Studium entscheiden nur auf Grund eines solchen finanziellen Anreizes", räumt Thomas Reuter, Referent des Dortmunder Rektors, ein. Das Stipendienangebot könne aber "Aufmerksamkeit wecken".

Kleine Geschenke erhalten die Freundschaft - größere ebenfalls. Mit Gratis-Computern will der Fachbereich Physik der Universität Paderborn Abiturienten für das Physikstudium ködern. Seit 1999 erhalten Studienanfänger kostenlos einen neuen PC mit Fachsoftware und Einwahlmöglichkeit ins Hochschulnetz. Wert: rund 3000 Mark. "Abstauber" würden dadurch nicht angezogen, meint Physik-Dekan Horst Ziegler: "Die Studierenden nutzen das Angebot sehr intensiv, sie sind überdurchschnittlich interessiert und motiviert."

Ziegler sieht die Aktion, die aus Forschungsmitteln und Sponsorengeldern finanziert wird, als "Reklame für Paderborn und die Physik". Wer sein Studium abbricht, muss den PC zurückgeben. Offiziell werden die Rechner an alle Physikstudenten nur verliehen. Aber wenn sie nach einigen Jahren ihr Examen machen, sind die Geräte ohnehin nichts mehr wert.



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