Bewerbung für ein Stipendium Verraten Sie ruhig, dass Sie auf "Star Trek" stehen

Ja! Ja! Ja! Wer Science-Fiction-Serien mag, sollte dies ruhig zugeben, wenn er sich für ein Stipendium bewirbt. Falsche Interessen vorzugaukeln, kommt hingegen gar nicht gut an. Die Dos and Don'ts für Studenten.

Patrick Steward, bekannt als Jean-Luc Picard (Archivbild): Zu seinen Hobbys stehen
DPA

Patrick Steward, bekannt als Jean-Luc Picard (Archivbild): Zu seinen Hobbys stehen


Oooooohhhh Gott, ich doch nicht. Das denken viele Studenten, wenn sie gefragt werden, ob sie sich für ein Stipendium bewerben wollen. Einige glauben, ihre Noten seien zu schlecht, andere finden keine Zeit, um die nötigen Dokumente zu sammeln. Wer sich doch für ein Stipendium interessiert, muss vieles berücksichtigen - auch die Stolpersteine:

Übertreiben im Bewerbungsbogen: Der Bewerber spielt seit Jahren in der Jugendtheatergruppe und hilft regelmäßig in der Suppenküche für Obdachlose mit: Das klingt erst einmal engagiert und vielversprechend. Doch wenn sich rausstellt, dass der Bewerber nur beim Einsteigerabend im Theater war und auch die Suppenküche nur aus Erzählungen kennt, wird es schnell peinlich.

"Viele blähen ihren Lebenslauf etwas auf", sagt Roland Hain, Leiter der Auswahlabteilung bei der Studienstiftung des deutschen Volkes. Doch der Bewerbungsbogen ist Grundlage für das persönliche Gespräch - und spätestens hier wird die Übertreibung schnell aufgedeckt. "Lieber ehrlich sein", rät Hain.

Andere ausbremsen: Während des Auswahlseminars müssen Bewerber oft auch in einer Gruppendiskussion überzeugen. "Bewerber sollten hier vor allem soziale Sensibilität zeigen", rät Hain. Konkret heißt das, darauf eingehen, was andere sagen und sich nicht selbst in den Mittelpunkt stellen. Wer eine Ego-Show abzieht und andere ausbremst, hinterlässt keinen guten Eindruck.

Gar nicht erst bewerben: Viele Studenten fragen sich, ob sie den Anforderungen für ein Stipendium gerecht werden. Manche bewerben sich erst gar nicht. Doch wer es nicht probiert, hat schon verloren. Bei der Studienstiftung des deutschen Volkes werden Studenten in der Regel von einem Professor oder von der Schule für das Stipendium vorgeschlagen. Doch sie können sich auch selbst bewerben und einen Auswahltest absolvieren. Die Besten werden zum Auswahlseminar eingeladen. "Für viele ist diese Selbstbewerbung noch eine Hürde", sagt Hain. Er wünscht sich, dass die Bewerber an sich selbst glauben - und diesen Schritt einfach wagen.

Interessen erfinden: Thomas Mann klingt kultivierter als "Star Trek" - das denken zumindest viele. "Prinzipiell sind Bewerber schlecht beraten, wenn sie Interessen vorspielen, von denen sie glauben, wir wollen das hören." Wer also denkt, mit einem Faible für klassische Literatur punkten zu können, bei Nachfragen aber ins Stottern kommt, ist schon durchgefallen. Bewerber sollten lieber nichts vorspielen. Und wenn sie eine Vorliebe für Science-Fiction-Serien haben, sollten sie das nicht aus falschem Schamgefühl verheimlichen.

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    Spitzennoten schaden nicht - aber Stipendien lassen sich auch auf anderen Wegen ergattern. Und wie immer gilt: Wer sich nicht bewirbt, hat schon verloren. mehr...
Quiz zu "Star Trek"

kha/dpa

insgesamt 14 Beiträge
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orthonormalbürger 25.07.2015
1. Noten sagen nichts
Noten sagen im Studium einfach nichts aus. Das heißt doch nur das jemand viel gelernt hat, wer braucht denn einen Auswendiglernern ? Deutschland braucht kritische kreative innovative Köpfe, keine Systemgesteuerten Auswendiglerner.
steffen.ganzmann 25.07.2015
2. Zu alt ...
... auch auf das Alter kommt es an: Ab 27 Jahren bekommt man kein Stipendium mehr. Und dann noch der Wechsel von Jura zu Medizin. Mein Stipendiumsberater meinte, ich habe alles in dieser Zeit Erreichbare erreicht. Ginge es nach ihm, bekäme ich mein Medizin-Stipendium. Aber den entscheidenden Leuten sei ich leider ein paar Monate zu alt ...
m.spohn 25.07.2015
3. Stewart! Mit T!
Der Name schreibt sich "Stewart" (Bildunterschrift "Steward") Und ja, ich bin natürlich ein Star-Trek-Fan. Allerdings bin ich aus dem Alter für ein Stipendium schon ein paar Jahre entwachsen. :-)
Qual 25.07.2015
4. Zu spät...
Wer nicht bläht ist meistens eh schon durch. Es wird inzwischen davon ausgegangen, dass gebläht wird und pauschal nicht alles geglaubt, eher reduziert. Hingegen sollte man einige Vorlieben unbedingt auch weiterhin weg lassen. Star Trek kann hingegen in vielen Bereichen vorteilhaft sein. Es ist bekannt, dass viele Innovationen von StarTrek Fans stammen. Wenn der Personalauswähler es allerdings hasst, kann's in die Hose gehen. Und so sollte weiter jeder tun was er für richtig hält, auch Lügen, denn wir leben jetzt in dieser Welt. Es hilft nur eins, was große Charaktere schon immer ausmachte: Einfach tun was der eigenen Persönlichkeit entspricht: Wenn sie kein Lügner sind, dann fangen sie, verdammt noch mal, auch nicht damit an! Der Rest ist eh nicht lebenswert.
alfistone 25.07.2015
5. Das ist doch selbstverständlich
Klar kommt das extrem schlecht, wenn man behauptet man sei ein großer Bewunderer von Thomas Mann und dann kennt man kein einziges Werk. Aber so doof ist doch wohl niemand. Ansonsten glaube ich aber, dass sehr viele ihr Engagement übertreiben (und viele sind überhaupt nur wegen Stipendien engagiert, hat man den Eindruck, so viel zu "sozialem" Engagement. Mit echt sozialem Engagement würde man gar nicht angeben. Das fände ich wirklich mal bewundernswert, wenn man das verschweigt und nur der Sache wegen tut). Ich kann mir auch nicht vorstellen, dass die das merken, wenn man sich entsprechend vorbereitet kann man viel erzählen. Notfalls über Wikipedia informieren. Aber klar: Für Star Trek muss man sich auch nicht schämen ;-)
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