Bewerbung in Oxford Die spinnen, die Briten

Die englischen Nobel-Universitäten sind eine Klasse für sich. Wie schafft man als deutscher Bewerber zum Beispiel den Sprung nach Oxford? Matthias Eck, 20, absolvierte erfolgreich den anstrengenden Auswahlparcours.


Oxford ist ein magischer Begriff. Die Universität hat die Hälfte aller britischen Premierminister und gut 40 Nobelpreisträger hervorgebracht. Internationale Größen wie Stephen Hawking, Bill Clinton, Adam Smith, William Golding und John Locke haben dort studiert, auch Richard Weizsäcker drückte die Lehrbank an der altehrwürdigen Universität.

Bill Clinton: Ehrendoktor und beinah Oxford-Boss
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Nach einem Besuch in der wunderschönen, von alten Colleges dominierten Stadt steht meine Entscheidung fest: Ich werde mich bewerben. Die Universität hat einen ausgezeichneten internationalen Ruf, man studiert und wohnt in übersichtlichen, architektonisch reizvollen Colleges, hat ein- bis zweimal die Woche in den "Tutorials" eine Eins-zu-eins-Betreuung durch den Professor. Man trifft viele ehrgeizige, interessante Leute - und lernt nicht zuletzt perfektes Englisch.

Meine Euphorie bekommt einen leichten Dämpfer, als ich mir die Anforderungen im Prospekt genauer durchlese: beste Zensuren, ein Motivationsschreiben auf Englisch, eine exzellente Empfehlung der Schule plus zwei benotete Aufsätze - und das nur für die Vorauswahl. 80 Prozent der Bewerber werden zu einem Interview und schriftlichen Test eingeladen, zwei Drittel dabei abgelehnt. Eigentlich keine schlechten Chancen, aber die Bewerber zählen zu den Besten aus aller Welt.

Unheimliche alte Gemäuer

Ich hatte zwar gute Schulnoten, aber ein Genie bin ich nicht. Auf meine E-Mail erhalte ich vom College eine freundliche und aufmunternde Antwort. Also gebe ich mir einen Ruck und schicke die Bewerbungsunterlagen mitsamt Motivationsschreiben ab - gerade noch fristgerecht.

Uni Oxford: Tradition verpflichtet
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Nach einigen Wochen informiert das College meiner ersten Wahl mich über die Daten des Bewerbungsgesprächs: Mitte Dezember, falls ich überhaupt eingeladen werde. Das soll ich aber erst eine Woche vorher erfahren und buche vorsichtshalber schon mal einen Billigflug nach London. Dann kommt die Einladung tatsächlich, die erste Hürde ist genommen. Ich mache mir Gedanken über das Interview und lege mir Antworten zurecht, aber das macht mich nur nervös.

Nach der Landung in London sehe ich im Zug ein Mädchen, das auch nach Oxford will. Leidensgenossen erkennen sich; während der ganzen Fahrt tauschen wir uns über unsere Erwartungen aus. Dann stehe ich allein vor dem College. Es ist mittlerweile spät abends und dunkel. Die alten Gebäude um mich herum wirken etwas unheimlich.

Interviews gleich serienweise

In der Eingangshalle begrüßt mich ein buckliger Portier, der mir einen Zimmerschlüssel in die Hand drückt und den Weg erklärt, aber ich verstehe nur die Hälfte. Als Rettung erscheint ein Student, der sich um die Neuankömmlinge kümmert. Er führt mich erst zu meinem Zimmer und dann im College herum. Leider gebe es kein Abendessen mehr, erklärt der Student, aber es gebe ja McDonalds. So bleibt mir an diesem Abend das College-Essen erspart - zum Glück, wie ich später später feststelle.

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Bei einem Blick auf den Interviewzeitplan stelle ich fest, dass meine Taktik, eine "Private Hall" als zweites College anzugeben, aufgegangen ist: Ich werde sowohl von meinem College erster als auch von dem zweiter Wahl interviewt. Das bedeutet eine Verdopplung der Chancen, allerdings auch gleich vier Interviews. Andere Bewerber haben davon offenbar nichts gewusst.

Nach einer schlaflosen Nacht läuft der schriftliche Test am Vormittag ganz gut. Danach bekomme ich einen Umschlag in die Hand gedrückt: ein Text, den ich für das Interview am nächsten Tag bearbeiten soll.

Von den Dozenten mit Fragen perforiert

Nachmittags habe ich im College zweiter Wahl ein allgemeines Interview über mich und meine Pläne. Am Ende sagte man mir, dass dies noch ein einfaches Interview war, da es nicht akademischen Inhalts gewesen sei. Ich aber fühle mich erschlagen - die beiden Dozenten hatten mich regelrecht auseinander genommen und mit Fragen bombardiert.

Danach bearbeite ich Texte für die drei Interviews am nächsten Tag und finde im Gemeinschaftsraum Leute, die sich einer Kneipentour anschließen wollen. Die meisten der englischen Bewerber sind erst 17 oder 18 Jahre alt. Die Kneipenbesuche enden recht früh, denn morgens wartet ein Interview.

Die Professorin hat das oberste Zimmer in einem Turm gewählt. Sie befragt mich zum Text und ist sehr nett. Das Interview dauert nur kurz, und ich habe das Gefühl, nicht viel falsch gemacht zu haben.

Beim nächsten Interview sind zwei sympathische Dozenten dabei, einer ist Deutscher und hat in Oxford studiert - hoffentlich ein Pluspunkt für mich. Das lange Gespräch beginnt bald, mir Spaß zu machen. Zwar werden ein paar schwierige Fragen gestellt, aber die Atmosphäre ist freundlich. Zufrieden verlasse ich nach über einer halben Stunde den Raum. Und später beim letzten Interview stauen sich die Bewerber schon auf der Treppe. Den Abend verbringe ich beim Billard mit einigen Mitstreitern.

"Herzlichen Glückwunsch zu Ihrem Erfolg!"

Morgens müssen einige Bewerber noch bangen, ob ein anderes College sie interviewt. Meine Name steht auf dem Informationsbrett unter denen, die bereits gehen können - ein gutes Zeichen? Niemand scheint es zu wissen. Auch beim Rückflug finde ich keine Antwort auf die Frage, ob ich nun erfolgreich war oder nicht.

Traditionelles Spektakel: Jedes Jahr tritt der Oxford-Achter gegen die Erzrivalen aus Cambridge an
DPA

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Als bis Neujahr keine Nachricht im Briefkasten liegt, werde ich unruhig und schreibe eine E-Mail ans College. Die Antwort kommt bald: "Es tut uns Leid, dass Sie noch keine Nachricht von uns erhalten haben. Wir bieten Ihnen mit Sicherheit einen Studienplatz an."

An folgenden Mittag kommt der offizielle Bescheid per Fax. "Wir bieten Ihnen einen Studienplatz an, herzlichen Glückwunsch zu Ihrem Erfolg", steht darin. Und gnädigerweise wird ergänzt: "Sie haben 21 Tage Zeit, den Studienplatz abzulehnen."

Von Matthias Eck


Buchtipp

Peter Sager: Oxford & Cambridge. Verlag Schöffling & Co., Frankfurt/Main 2003.
Ein Buch eines ehemaligen "Zeit"-Journalisten über die "sonderbarsten Orte der Britischen Inseln, irgendwo in den Wolken über Mittelengland, der intellektuelle Doppelkopf der Nation": Kulturgeschichte der Kaderschmieden und skurrile Geschichten rund um den Campus



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