Bezahlung fürs PJ Medizinstudenten wollen Geld

Seit dem Herbst 2004 gehört der ungeliebte "Arzt im Praktikum" der Vergangenheit an. Nun nehmen Studentenvertreter eine weitere Praxisphase aufs Korn: Für das "Praktische Jahr" fordern sie eine Ausbildungsvergütung - wie sie angehende Lehrer und Juristen auch erhalten.


Die Hände voller Arbeit: Junge Mediziner im PJ
DPA

Die Hände voller Arbeit: Junge Mediziner im PJ

Vor dem Examen müssen Medizinstudenten erst einmal das so genannte Praktische Jahr (PJ) absolvieren. Die angehenden Ärzte arbeiten in dieser Zeit in einem Lehrkrankenhaus oder in einer Universitätsklinik. Dort können sie praktische Erfahrung sammeln - allerdings für lau. Der Vorsitzende der Medizinstudenten im Hartmann-Bund, Andreas Rhode, fordert nun, dass die Bundesregierung eine Vergütung für das Praktische Jahr einführt.

"Wie bereits bei den Lehramtskandidaten und den Juristen üblich, fordern wir eine Ausbildungsvergütung in Höhe von 600 Euro", sagt Rhode. Er sei überzeugt, dass die Studierenden für die Krankenhäuser Leistungen erbrächten, für die eine Gegenleistung gezahlt werden sollte. Angesichts knappen Personals, so Rhode, helfen sie im Operationssaal, bei der Blutabnahme oder der Anamnese mit.

Im vergangenen Jahr hatte die Bundesregierung bereits den unbeliebten "Arzt im Praktikum" abgeschafft - die Erleichterung unter jungen Medizinern war groß. Sie begrüßten den Schritt als "Ende der Ausbeutung". Als Assistenzärzte verdienen sie deutlich mehr als im "AiP".

Der Unmut unter Medizinstudenten sei groß, betont Rhode, denn bei den Arbeitszeiten in den Krankenhäusern hätten die Studierenden kaum die Möglichkeit, das PJ durch andere Tätigkeiten zu finanzieren. Einige wichen deshalb auf das Nachbarland Schweiz aus, wo sie als Unterassistenten eine Ausbildungsvergütung erhielten.

Rhode sieht darin die Gefahr begründet, dass es in Deutschland in Zukunft an Ärzten mangeln wird. Viele Exil-Praktikanten übten später in der Schweiz auch ihren Beruf aus - dort sind die Verdienstmöglichkeiten insgesamt weitaus besser.

Deutschlandfunk: Campus & Karriere



© SPIEGEL ONLINE 2005
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.