Beziehungsstatistiker Mit 15 simplen Fragen zum Liebesglück

Kredite können platzen, Beziehungen scheitern - und beides kann man leicht vorhersagen. Dafür reicht ein einfacher Fragebogen plus etwas Statistik, behauptet Franz Bramböck. Im Interview erklärt der Kufsteiner Student, warum Treue und Kinder wichtiger als Leidenschaft sind.


SPIEGEL ONLINE: Was verbindet Liebe mit dröger Statistik?

Wirtschaftsstudent Bramböck, 23: Wohneigentum und Treue helfen
Franz Bramböck

Wirtschaftsstudent Bramböck, 23: Wohneigentum und Treue helfen

Franz Bramböck: Eine Trennung lässt sich mit dem Ausfall eines Kreditkunden vergleichen. Den können Banken mittels statistischer Analyseverfahren im Großteil aller Fälle richtig voraussagen. Genau wie beim Bankkunden gibt es für das Scheitern einer Beziehung bestimmte Faktoren. Ich habe 1500 Paare befragt, die Hälfte von ihnen geschieden, die andere Hälfte nicht, und festgestellt: Wenn bestimmte Probleme in einer bestimmten Konstellation auftreten, dann ist eine Trennung absolut vorhersehbar. Diese Faktoren sind in mein statistisches Verfahren eingegangen.

SPIEGEL ONLINE: Was müssen Sie dafür wissen?

Bramböck: Wie es um Treue steht, um gemeinsames Wohneigentum, Freunde, Kinder, ein zufriedenstellendes Sexualleben, Verständnis. Und es darf keinen Widerstand gegen Freunde geben. Außerdem helfen eine übereinstimmende politische Einstellung, gemeinsame Freizeitaktivitäten und Mitgliedschaften in Vereinen. Der Einfluss dieser Faktoren ist unterschiedlich groß. Treue ist am wichtigsten, gemeinsame Aktivitäten sind nicht ganz so bedeutsam.

SPIEGEL ONLINE: Gemeinsames Wohneigentum, das klingt nicht gerade romantisch...

Bramböck: Paare, die all diesen Kriterien entsprechen, verbringen in 75 bis 80 Prozent aller Fälle noch ihren Lebensabend miteinander. Leidenschaft ist nur ein Faktor unter vielen. Wer in meinem Test keine hohe Punktzahl erreicht, muss aber nicht in Depressionen verfallen - sondern bekommt Tipps, wie sich die Beziehung verbessern lässt.

SPIEGEL ONLINE: In Ihrer statistischen "Auswertung zum Verbesserungspotential" raten Sie Paaren zum Beispiel, sich Kinder anzuschaffen.

Bramböck: Die Analyse hat gezeigt, dass Paare mit Kindern eine deutlich stabilere Beziehung führen. Kate Moss und ihr ehemaliger Freund Jamie Burke wären dann vielleicht noch immer glücklich. David und Victoria Beckham haben zwar Kinder, aber der Negativ-Faktor Untreue reißt sie rein. Heidi Klum und Seal hingegen machen alles richtig: Sie sind sich treu, haben Kinder, gemeinsames Eigentum und einen ähnlichen Lebensstil. Damit erreichen die beiden 98 von 100 möglichen Punkten.

SPIEGEL ONLINE: Es soll Paare geben, die keine Kinder wollen und trotzdem miteinander glücklich sind.

Bramböck: Mein Großvater war Kettenraucher und wurde 98 Jahre alt! Ich habe ein statistisches Verfahren entwickelt, das für rund 90 Prozent der Bevölkerung taugt.

SPIEGEL ONLINE: Sie studieren an der Fachhochschule Kufstein in Österreich Wirtschaftswissenschaften. Wie haben Kommilitonen und Dozenten auf Ihren neuen Forschungsschwerpunkt reagiert?

Bramböck: Sie nehmen meine Arbeit ernst. Für einen Statistiker ist es nur logisch, dass es auch für zwischenmenschliche Beziehungen bestimmte Wahrscheinlichkeiten gibt. Ein Dozent hat mich sogar als Mentor unterstützt, und unter meinen Studienkollegen ist der Beziehungscheck ein Renner.

SPIEGEL ONLINE: Haben Sie mit Ihrem Test auch schon Beziehungen zerstört?

Bramböck: Eine gute Freundin hat für sich und ihren Neuen nur 13 von 100 Punkten erreicht - sehr, sehr schlecht. Zuerst hat sie den Test nicht ernst genommen, dann kam sie aber doch ins Grübeln und hat festgestellt, dass viele Dinge zwischen ihr und ihrem Partner nicht stimmen. Noch sind sie zusammen. Aber ich glaube, sie wird sich bald trennen.

SPIEGEL ONLINE: Vertrauen Sie selbst Ihrem Gefühl oder eher Ihrer Statistik?

Zwergenwerfen: "Paare mit Kindern führen stabilere Beziehung"
DPA

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Bramböck: Nachdem ich mich jetzt seit einem Jahr mit dem Thema beschäftige, traue ich eher der Statistik. Die Liebe auf den ersten Blick will ich trotzdem nicht ausschließen. Aber gerade bei Partnerbörsen im Internet habe ich eher schlechte Erfahrungen gemacht. Entweder geht es nur um das Foto, oder es werden zu viele Merkmale und Hobbys abgefragt, die gar keine Rolle spielen. Wenn eine Frau zu mir passt, ist es egal, ob sie braune oder blaue Augen hat. Deswegen habe ich nicht nur einen Beziehungscheck, sondern auch ein Partnertest für Singles entwickelt.

SPIEGEL ONLINE: Was machen Sie besser als Partnervermittler?

Bramböck: Mein statistisches Verfahren hat nur zwölf Fragen. Das ist der große Vorteil gegenüber den Psychotests der Internetbörsen: Viele potentielle Kunden brechen die Anmeldung ab, weil sie keine 45 Minuten opfern wollen, um 120 oder mehr Fragen durchzuarbeiten. Den Anbietern gehen so etliche Abschlüsse durch die Lappen. Wenn zwei Singles genug Zeit für ihren potentiellen Partner haben, gemeinsame Interessen und ein ähnliches Alter, außerdem treu sind, dann haben sie gute Chancen auf eine glückliche Beziehung. Vorsicht ist bei übermäßig vielen Beziehungen, Geschiedenen, anderen Staats- oder Religionszugehörigkeiten und zu großem Bildungsunterschied geboten.

SPIEGEL ONLINE: Haben diese Regeln Ihnen persönlich auch schon zum Glück verholfen?

Bramböck: Ich bin glücklich vergeben, jedoch möchte ich mit dem Ergebnis meiner Arbeit Online-Partnersuchenden helfen, einen Partner fürs Leben zu finden. Inzwischen stehe ich mit mehreren Internetanbietern in Verhandlungen. Ich denke, ich werde den Test bis Ende des Jahres verkaufen.

Das Interview führte Antonia Götsch



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