"Big Brother"-Nachwehen Das Post-Container-Trauma

Die Zeit im Container war nicht nur für viele Zuschauer eine Zumutung. Auch für manchen "Big Brother"-Kandidaten bedeutete der Käfig eine Tortur. Noch schwieriger allerdings wurde die Zeit danach, wie Düsseldorfer Forscher herausfanden.


"Big Brother"-Star Zlatko: Nach dem Container ging die Sause los
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"Big Brother"-Star Zlatko: Nach dem Container ging die Sause los

Düsseldorf - "Die 'Schönen' vermissten im Medienrummel persönliche Freiheit und Privatsphäre, die 'Scheusale' mussten mit Anfeindungen und ausbleibendem Erfolg zurechtkommen", fanden Medienwissenschaftlerinnen der Heinrich-Heine- Universität in Düsseldorf heraus. Eingeschlossenheit im Container und die ständige Kamerabeobachtung seien für die Kandidaten weniger belastend gewesen als von Kritikern der Show zunächst befürchtet worden sei, erklärte Karin Böhme-Dürr in Düsseldorf: "Dass Freiheit eingeschränkt wurde, begann erst außerhalb des Containers", sagte sie.

Zehn von insgesamt 38 Teilnehmern der drei verschiedenen "Big Brother"-Staffeln, "alles ausgesprochen extrovertierte Wesen", seien für die Untersuchung befragt worden. "Bei niemandem sind bleibende Schäden zurückgeblieben", meinten die Düsseldorferinnen.

Nach dem Finale allein gelassen

Dass das Selbstbild der "Big Brother"-Bewohner häufig von dem aus Einzelszenen der Sendung entstandenen "Fremdbild" der Außenwelt abwich, habe die Containerlinge auf Dauer nicht gestört. Mit dem Bewusstsein, Teil einer "Medienkonstruktion" zu sein, seien sie bald wieder mit sich ins Reine gekommen. Dennoch hätten die Teilnehmer dem Showproduzenten vorgeworfen, in der schwierigen Zeit nach der Staffel nicht betreut worden zu sein.

Ihre Zeit im Container unter Kameraaufsicht, die von Kritikern unter anderem als "Menschenzoo" gesehen wurde, hätten die Show- Teilnehmer "eher als Tausch" aufgefasst: Sie hätten eine Leistung erbracht, um damit durch die Ausstrahlung zu öffentlicher Aufmerksamkeit zu kommen, sagten die Psychologinnen und Medienexpertinnen.

Ein mediales Novum am "Big Brother"-Projekt sei die gleichzeitige intensive Nutzung von TV und Internet vor allem durch ein junges Publikum gewesen, sagte Böhme-Dürr: "Es ist immer bezweifelt worden, dass man auf beides Aufmerksamkeit lenken kann."



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