Bildungserfolg Auf die Eltern kommt es an

Kinder von Akademikern studieren dreimal häufiger als Kinder, deren Eltern nicht an einer Hochschule waren. Eine neue Studie zeigt: Daran hat sich in den vergangenen Jahren kaum etwas verändert.
Studenten in Leipzig (Symbolbild)

Studenten in Leipzig (Symbolbild)

Foto: Jan Woitas/ picture alliance / dpa

Offiziell heißt das Ganze "Berechnung der sozialgruppenspezifischen Bildungsbeteiligungsquoten". Umgangssprachlich wird die Studie aber auch "Bildungstrichter" genannt - weil die Bildungswege auf dem Weg zur Universität ziemlich eng werden können. Am Mittwoch hat das Deutsche Zentrum für Hochschul- und Wissenschaftsforschung (DZHW) die neueste Fassung des Bildungstrichters  vorgelegt. Wichtigstes Ergebnis: Aufstiegschancen hängen in Deutschland nach wie vor erheblich vom Bildungsstand der Eltern ab.

Im Mittelpunkt der Untersuchung steht die Frage: Wer schafft es in Deutschland wie weit im Bildungssystem? Wer kann welche Zeugnisse und Zertifikate erreichen? "Kinder von Akademikerinnen und Akademikern haben eine deutlich höhere Chance, die gymnasiale Oberstufe zu besuchen", schreiben die DZHW-Forscher. In der Folge nehmen Akademikerkinder auch deutlich öfter ein Studium auf. "Die Chance auf Hochschulbildung variiert maßgeblich mit der sozialen Herkunft", heißt es in der Studie.

Die wichtigsten Ergebnisse:

  • Von 100 Kindern aus Nicht-Akademikerfamilien beginnen nur 27 ein Studium. Haben die Eltern einen Hochschulabschluss, sind es dagegen 79 von 100 - die Chance für Akademikerkinder ist also rund dreimal größer.
  • Wenn Kinder aus Nicht-Akademikerfamilien die Oberstufe besuchen, tun sie das deutlich häufiger an berufsbildenden Schulen als Akademikerkinder.
  • Bei Schülern mit Migrationshintergrund spielt die sozialen Herkunft eine noch größere Rolle als bei Personen ohne Migrationshintergrund.

Die ungleiche Verteilung der Bildungschancen wird spätestens seit den Pisa-Studien immer wieder in der Bildungspolitik thematisiert. Doch die neue Untersuchung zeigt: Veränderungen hat es in den vergangenen Jahren kaum gegeben. "Ein Blick auf den Index der Bildungsbeteiligung aus dem Jahr 2005 zeigt, dass sich daran in den letzten elf Jahren kaum etwas verändert hat", schreiben die Autoren mit fast schon resigniertem Unterton.

Für die nach wie vor bestehende Chancenungleichheit gibt es demnach mehrere Ursachen. Ein kritischer Faktor sind die Übergänge, etwa von der Grundschule auf die weiterführende Schule oder von der Mittel- in die Oberstufe. "Familien mit geringerem Bildungshintergrund tendieren häufig dazu, die Kosten für höhere Bildung zu überschätzen und Bildungserträge zu unterschätzen, ungeachtet des vielleicht hohen Bildungspotenzials ihres Kindes", sagt Nancy Kracke, eine Autorin der Untersuchung.

Hat die Herkunftsfamilie dagegen einen höheren Bildungshintergrund, werde das Abitur oder ein Studium "als Teil der Sicherung des eigenen sozialen Status der Familie angesehen". So finde beim Durchlaufen des Bildungssystems bei jeder Entscheidung eine erneute Selektion statt, die von der Bildungsnähe des Elternhauses beeinflusst werde, so Nancy Kracke - mit dem Ergebnis, dass Kinder aus Akademikerhaushalten im Vergleich zu ihrem Anteil an der Gesamtbevölkerung an den Hochschulen überrepräsentiert sind.

Details zur Erhebung

Mit konkreten Handlungsempfehlungen für die Politik halten sich die Autoren der Studie zurück. Trotzdem machen sie deutlich, dass Veränderungen schon lange vor dem Abitur und dem Hochschulzugang einsetzen müssen. Denn "die eigentlichen Probleme beginnen schon früher im Schulsystem und werden an dieser Schwelle lediglich verstärkt", heißt es mit Blick auf die Studienanfänger.

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