Bildungskredite Studium auf Pump

Mit einem besonderen Kreditprogramm will der Bund künftig auch Studenten unterstützen, die keinen Anspruch auf Bafög haben.


Nachdem der Bundestag am Freitag die Bafög-Reform beschlossen hat, plant Bundesbildungsministerin Edelgard Bulmahn zusätzlich zinsgünstige Bildungskredite. Die Darlehen können Studenten und volljährige Schüler in "besonderen Situationen" bei der Deutschen Ausgleichsbank, einer Einrichtung des Bundes, beantragen - zum Beispiel für Studien und Praktika im Ausland, für Zusatzausbildungen oder für Exkursionen und Studienmaterialien. Auch wer in der Prüfungsphase nicht mehr zum Jobben kommt und Geld zur Überbrückung braucht, kann den Kredit erhalten. Auf das Einkommen der Eltern kommt es dabei nicht an.

Die Bildungsdarlehen sollen monatlich rund 600 Mark betragen und maximal 24 Monate lang ausbezahlt werden. Als Zinsen für die Kredite wird die Deutsche Ausgleichsbank den jeweils gültigen "Euribor" verlangen. Mit diesem Zinssatz, derzeit 6,1 Prozent, leihen sich die Banken intern Geld. Hinzu kommt ein Aufschlag von einem Prozent. Der Bildungskredit plus Zinsen ist nach vier Jahren in Monatsraten von 240 Mark zurückzuzahlen.

Nach Angaben des Bundesbildungsministeriums ersetzen die Kredite nicht die Bafög-Förderung und können sogar neben dem Bafög in Anspruch genommen werden. Das Angebot gilt ab 1. April, zeitgleich mit dem neuen Bafög. Berechtigt sind Studenten im Hauptstudium oder in einem Masterstudiengang sowie volljährige Schüler, die einen berufsqualifizierenden Abschluss anstreben und sich im vorletzten oder letzten Jahr ihrer Ausbildung befinden. Das Ministerium rechnet damit, dass die Bürgschaften ab 2005 ein Gesamtvolumen von etwa 50 Millionen Mark erreichen.

Die Begeisterung von Studentenvertretern hält sich in Grenzen. So warnte der Freie Zusammenschluss von StudentInnenschaften (fzs) vor einer "schrittweisen Abkehr vom Konzept einer allgemeinen Ausbildungsförderung hin zur weiteren Privatisierung von Bildungskosten". Mit den Bildungskrediten beschreite Edelgard Bulmahn einen gefährlichen Weg. Mit einer Zinsbelastung von etwa sieben Prozent seien die Darlehen "weder zinsgünstig noch sozial", betonte fzs-Sprecherin Veronika Muhr.



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