Bill Clinton als Oxford-Boss Daddy Cool

Ex-Präsident Bill Clinton vagabundiert derzeit als gut bezahlter Vortragsreisender durch die Welt. Jetzt gilt er als heißer Kandidat für das Rektor-Amt an der ehrwürdigen Universität Oxford. Als Vorhut ist Tochter Chelsea schon vor Ort, und auch Bill Clinton hat dort einst studiert - aber nicht inhaliert.
Von Kristina Wahl

Die Chancen stehen durchaus nicht schlecht für Uncle Bill: Der studierte Jurist kann immerhin bereits Oxford-Erfahrung vorweisen. Er ist selbst Mitglied des University College und studierte von 1968 bis 1970 als Stipendiat an der traditionsreichen Uni. In Oxford rauchte er auch Marihuana, wie er in seiner legendären "Aber ich habe nicht inhaliert!"-Erklärung im Präsidentschaftswahlkampf 1992 einräumte. Vielleicht bezeichnet Clinton die Oxford-Jahre auch deshalb gern als die schönste Zeit seines Lebens.

1994 erhielt er die Ehrendoktorwürde von Großbritanniens ältester Universität. Und weil am vergangenen Wochenende der Rektor Lord Roy Harris Jenkins of Hillhead starb, ist in Oxford nun eine Führungsposition vakant - wie geschaffen für einen ehemaligen Staatslenker. Prompt sehen die britischen Medien Clinton jetzt als Favoriten für das begehrte Amt. Die "Financial Times" dichtete gar prophylaktisch schon mal eine Lobrede auf Clinton zur Amtsübergabe - in Latein, wie es die Tradition verlangt (siehe zweiter Teil dieses Beitrags).

Schließlich verfügt der Polit-Frührentner nach Ansicht vieler Engländer über entscheidende Qualitäten: Er hat exzellente Verbindungen, beherrscht das Spiel mit den Medien und könnte der Traditons-Uni neuen Glanz verleihen. Der Mann mit dem Star-Appeal könnte auch auf dem Campus eine gute Figur machen, zumal besonders seine Fundraising-Qualitäten neue Hoffnung wecken. Denn selbst die britische Kaderschmiede bleibt von finanziellen Nöten nicht verschont.

Mit 56 Jahren schon Rentner?

Frischen Wind in die verstaubte Elite-Bude bringen könnte Clinton allemal. Der bisherige Amtsinhaber Lord Jenkins of Hillhead war immerhin schon 82 und hatte den Job 16 Jahre lang gemacht. Dagegen wirkt Billy-Boy mit seinen 56 Jahren und nur acht Jahren im Weißen Haus geradezu jugendlich.

Clinton selbst scheint die ehrenvolle Aufgabe bislang allerdings nicht ins Auge gefasst zu haben. Mit seiner bisherigen Stiftungsarbeit sei er ausreichend beschäftigt, heißt es dazu aus seinem Büro in Washington.

Seit langem gilt das würdevolle Amt des Oxford-Rektors in Großbritannien als Krönung eines langen Politikerlebens. Viele ehemalige britische Spitzenpolitiker der Insel landeten dort: So war früher der ehemalige Premierminister Harald Macmillan Rektor; Ted Heath, ebenfalls Ex-Premierminister, hatte sich erfolgslos beworben und wurde von Jenkins ausgestochen. Derzeit sind neben Clinton für den Posten auch Chris Patten, derzeit EU-Kommissar für Außenpolitik, sowie der ehemalige Tory-Handelsminister Michael Heseltine im Gespräch. Dass der frühere erste Mann der Vereinigten Staaten gar kein Brite ist, wäre für die Universität offenbar kein Hindernis.

Um sich zur Wahl zu stellen, benötigt Clinton lediglich die Unterschriften von 50 Oxford-Ehemaligen. Weltweit dürfen dann allerdings 50.000 Absolventen darüber entscheiden, wer die Geschicke der Uni in die Hand nehmen soll. Um an der Wahl teilzunehmen, müssen die Stimmberechtigten persönlich erscheinen. Doch Clinton hatte stets ein gutes Händchen dafür, seine Anhänger zu mobilisieren.

Genug durch die Welt getingelt

Und vielleicht überkommt den alternden Schürzenjäger ja demnächst doch die Sehnsucht nach Sesshaftigkeit. In den letzten Jahren tingelte Clinton hauptsächlich als gut bezahlter Vortragsreisender durch die Welt. Oxford wäre der Abschied vom Vagabundenleben: In England hätte er einen festen Job und trotzdem noch Verbindung zum glamourösen internationalen Parkett.

Auch die Familienzusammenführung könnte den Heißsporn aus Arkansas an die Traditions-Uni locken: Tochter Chelsea scheint es in Oxford ausgesprochen gut zu gehen. Nur eine gute Stunde muss die Politikstudentin ins hippe London fahren und scheint dort momentan keine Party auszulassen - ob Chelsea indes begeistert wäre, wieder unter den wachsamen Augen ihres Vaters zu feiern, ist fraglich.

Die "Financial Times" kam auf die hübsche Idee, die Lobrede zu Clintons Amtseinführung in Oxford schon einmal vorab zu schreiben - auf Latein: "Clintonus Maximus! Ave!". Für SPIEGEL ONLINE-User mit Lateindefiziten gibt es aber auch die deutsche Übersetzung...

Lesen Sie im zweiten Teil:

Finis coronat opus (aus der "Financial Times" )

"Magnam gaudeam nuntio vobis. Habemus Cancellarius! Guilelmus Clinton est, quondam collegium universitatem discipulus et imperator stati americani consociati.

In res publicis et civitatis homo erectus stupendus ut in mens et in corpore. Philosophus profundus, per exemplo, 'Quae quod significatio verbi "est" est?'

Libidensis gigantem, sed sub uxorem potenta et bellicosa, Hillaria Rodham, multos annos laboravit.

Gubernator arkansensi, scandalos multos tenebat, notabile AquaAlba realtoribus, monti Ozarki.

MCMLXXXXII electio americano ipsorum scandalorum et aliorum survivit. Herba marijuana fumerat (sed non inhalerat), legionus Americanus evaderat, cum multibus feminibus dormaverat.

Autem, per celebrissimo dicto, 'Res economicus est, Stupidus,' vincit imperator americanus George Bush, pater imperatori hodie maxime crassi et periculosi, quoque George W. Bush.

Regnum Clintoni benignus erit. In rebus domesticis deficit reductio fecit, Securitatis Socialis salvatus, gigantum mercatus taurus supervisus est, 'novus economicus' salutavit. Simul, in rebus internationalismus bonus erit. Multilateralismus conducit. Cum amico intimo Antonius Blair, primus ministrum britannicus, Viam Tertiam creavit.

Sed Eheu! Magnum disastrum suscepit sua maxima culpa. Per noctem, Novembre MCMLXXXXV Alia Occidentalis Domus Albus laborante, sibi pizza donata est a Monica Lewinsky, puella pulchrissima, sensuosa californicante, fellatrix superiore.

'Non coitus est cum hac femina,' dixit. Sed, per laborem longus et penetrante Kennethi Starri, procurator independentus, et senatoribus Republicanis agitates, testimonia inculpata; togam maculatam, cigarrus grandus, revelata sunt. Domus Representatis imperator Clinton defenestrare tentavit. Senatus, 50-50 divisa est, absolvit.

Deinde, pontem centuria XXI construit, sed per Bush Filius, Enron, OrbCom et al, post brevi tempore deletus est.

Semper, factio Democratico Americano, mutatis mutandis universitato oxoniensi fortasse, multi denarii petet. Gratias agimus.

Ergo Cancellarius Universitatis Oxoniensi! Mentor feminae juvenaliae britannicae! Clintonus Maximus! Ave! Genuflexamus! Qui officum donari salutant!"

Wie jetzt? Am lateinischen Text sind Sie gescheitert? Na gut - hier kommt die Übersetzung

Das Ende krönt sein Lebenswerk

"Eine große Freude verkünde ich Ihnen. Wir haben einen Kanzler! Bill Clinton ist es, einst Schüler der Universität und Imperator der Vereinigten Staaten von Amerika.

In den Angelegenheiten der Öffentlichkeit und des Staates ein aufrechter und stupender Mann, im Geiste wie im Körper.

Ein profunder Philosoph, zum Beispiel: 'Was ist das, was mit dem Ausdruck: "Es ist" bezeichnet ist?'

Von einer gigantischen Libido, aber er hat viele Jahre unter seiner mächtigen und kriegerischen Ehefrau, Hillary Rodham, gedient.

Als Statthalter von Arkansas zeichnete er sich durch viele Skandale aus, insbesondere das White Water Inn auf dem Berg Ozark.

1992 hat er die amerikanische Wahl mit diesem und anderweitigen Skandalen überlebt. Er hatte einst Marihuana-Gras geraucht (aber nicht inhaliert), dem Kriegsdienst war er entgangen, hatte mit vielen Frauen geschlafen.

Aber mit dem festlichsten Diktum - 'It's the economy, stupid' - besiegte er den amerikanischen Imperator George Bush, den Vater des heute groben und gefährlichen Imperators, ebenfalls genannt George W. Bush.

Die Herrschaft Clintons war eine wohltätige. In den heimischen Dingen bewirkte er eine Verringerung des Defizits, löste die Probleme der Sozialversicherung, überschaute den gigantischen Bullen-Markt, begrüßte ihn als 'Neue Ökonomie'. Zugleich war er in den internationalen Angelegenheiten erfolgreich. Brachte den Multilaterismus zusammen. Erfand mit seinem Intim-Freund Tony Blair, britischer Premierminister, den Dritten Weg.

Aber Ach! Ein großes Desaster widerfuhr ihm aufgrund seiner höchsten Schuld! In einer Nacht des November 1995, während er in einem anderen Westflügel des Weißen Hauses arbeitete, wurde ihm eine Pizza gereicht von Monica Lewinsky, einem allerschönsten Mädchen, gefühlvoll, kalifornisch, eine ausgezeichnete Fellatrice.

'Ich habe keinen Beischlaf mit dieser Frau gehabt', sagte er. Aber auf Grund langer und penetranter Suche des Kenneth Starr, eines unabhängigen Ermittlers, und der Agitation der republikanischen Senatoren tauchten unerschütterliche Zeugnisse auf, eine befleckte Toga, eine große Zigarre. Das Repräsentantenhaus versuchte den Fenstersturz des Imperators Clinton. Der Senat, geteilt in 50 gegen 50, sprach ihn frei.

Darauf baute er die Brücke zum 21. Jahrhundert, aber diese wurde durch Sohn Bush, Enron, Dotcom und andere nach kurzer Zeit zerstört.

Stets strebt die Demokratische Partei Amerikas, bei veränderten Bedingungen an der Universität Oxford, nach viel Geld. Wir sagen Dank.

Also Kanzler der Universität Oxford! Mentor des jungfräulichen Britanniens! Größter Clinton! Sei gegrüßt! Lasset uns, die die Amtsübergabe begrüßen, das Knie beugen!"

Übersetzung: Bernard Crommelin


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