Bitte stören Michael Moore vergibt Krawall-Stipendium

Erst wurde er ein-, dann wieder ausgeladen. Nun rächt Michael Moore sich subtil an der Califonia State University und verschenkt 20.000 Dollar: Der amerikanische Filmemacher zahlt ein Stipendium für den Studenten, der seiner Uni-Verwaltung am meisten auf die Nerven geht.


Sucht Nachwuchs-Nervensäge: Filmemacher Michael Moore
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Sucht Nachwuchs-Nervensäge: Filmemacher Michael Moore

Die Ausladung von Michael Moore könnte der California State University in San Marcos noch eine Menge Ärger machen: Der Filmemacher auf Wahlkampftour war den Verantwortlichen zu radikal, sie sagten eine geplante Veranstaltung mit Moore wieder ab. Jetzt nimmt der ungewollte Beinahe-Gast auf raffinierte Weise Rache. Moore lobte ein Stipendium für denjenigen Studenten der kalifornischen Universität aus, der sich am entschiedensten gegen unverständliche Entscheidungen der Hochschulverwaltung auflehnt.

5000 Dollar pro Jahr soll die talentierteste Nervensäge erhalten, das Stipendium ist mit insgesamt 20.000 Dollar dotiert. Das Geld stammt aus Moores Auftrittshonorar für eine Ersatz-Veranstaltung in San Marcos am vergangenen Dienstag außerhalb des Universitätsgeländes. Über 10.000 Studenten kamen zu dem Auftritt, bei dem Moore unter anderem mit der Folk-Sängerin Joan Baez auf der Bühne stand. Für die Großveranstaltung hatten Studentenvertreter der California State University mehr als 40.000 Dollar an Spenden gesammelt.

Ein Teil des Geldes fließt nun zurück an einen unbequemen Studenten. "Ich hoffe damit, Studenten dazu zu ermutigen, dass sie die wahrhaft amerikanische Position einnehmen und für das kämpfen, an das sie glauben", sagte Moore.

Druck von der republikanischen Partei?

Nach der Absage der Veranstaltung auf dem Campus hatte Moore die Präsidentin der Universität, Karen Haynes, beschuldigt, sie habe sich dem Druck der republikanischen Partei gebeugt. Haynes führte dagegen als Grund für die Absage an, dass keine öffentlichen Gelder für eine Veranstaltung einer Partei ausgegeben werden könnten und dass kein adäquater Gegenredner für Moore gefunden wurde.

Filmplakat: Ein "totaler Esel", schimpft Vater Bush
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Filmplakat: Ein "totaler Esel", schimpft Vater Bush

Moore tourt durch die Vereinigten Staaten, um Studenten davon zu überzeugen, dass sie ihr Wahlrecht wahrnehmen. Seine Auftritte waren meist sehr gut besucht, aber auch von Gegendemonstrationen begleitet.

Moore nimmt bei den Veranstaltungen, wie in seinem Film "Fahrenheit 9/11", die Politik des amtierenden US-Präsidenten George W. Bush aufs Korn. Er unterstützt den demokratischen Kandidaten John F. Kerry. Sein Engagement sorgt für einige Verstimmung im Clan des amtierenden Präsidenten. So beschimpfte der ehemalige US-Präsident George Bush, Vater von George W. Bush, den Störenfried nach Angaben der BBC im Sender WCSH-TV als "totalen Esel" und "Schleimbollen".

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