Bizarre Stipendien 1500 Dollar für einen Enten-Lockruf

Nicht immer müssen Studenten durch Spitzenleistungen glänzen, um ein Stipendium zu ergattern. In den USA haben Mäzenaten auch ein Herz für Linkshänder, Bewerber mit dem Nachnamen Zolp oder Trekkies mit Klingonisch-Kenntnissen. Und für Studenten, die Enten was pfeifen.


Enten-Alarm: Zu mir, Flattermann
AP

Enten-Alarm: Zu mir, Flattermann

Gewusst wie: In den USA können mehr Studenten finanziell gefördert werden, als die meisten ahnen. Und das auch ohne überdurchschnittliche Leistungen. Zum Beispiel Jeannie Miller, Hauptfach Zoologie: Wie der amerikanische Nachrichtensender CNN berichtet, erhielt die Studentin am Juniata College in Pennsylvania zunächst ein Stipendium für ihre gute Leistung. Ein zweites Stipendium bekam sie für ihre freiwillige Mitarbeit bei einem Brandschutz-Erziehungs-Programm. Hinzu kamen die 1000 Dollar aus einem dritten Stipendium: Miller erhielt das Geld des Buckley-Stipendiums, weil sie Linkshänderin ist.Das Geld ist gestiftet von Mary Francis Buckley, ehemalige Studentin von Juniata - und ebenfalls Linkshänderin. Sie soll ihren Mann Frederick in den zwanziger Jahren beim Tennisspielen auf dem College kennen gelernt haben. "Sie wurden einander als Tennispartner zugeteilt, weil sie beide Linkshänder waren. Dann verliebten sie sich ineinander", erzählte Miller CNN. "Als er starb, stiftete sie dem College in Gedenken an ihren Mann ein Stipendium. Es sollte ein Spaß sein."Was an einigen Hochschulen Spaß ist, wird an anderen recht ernst genommen. Ein gutes Beispiel sind Alice und Bernard Zolp: Die Familie besitzt einfach einen seltenen, aber goldrichtigen Nachnamen, um für ihre Kinder ein Stipendium zu erhalten. Die Beihilfe der Loyola University in Chicago, die laut CNN die vollen Studiengebühren für vier Jahre umfasst, ist für alle katholischen Studenten mit dem Nachnamen Zolp vorgesehen. Gegründet wurde die Stiftung von Father Zolp, einem katholischen Priester, der die Loyola University besuchte. Vier Kinder des Ehepaars Zolp konnten dort kostenlos studieren - wie nun auch ihre Enkel.Spricht hier jemand Klingonisch?Natürlich hat nicht jeder Student das Glück, Zolp zu heißen oder Linkshänder zu sein. Fördergelder ergattern können in den USA aber auch Studenten mit ganz speziellen Talenten. Das wirkt auf den ersten Blick verblüffend und ziemlich unkonventionell.
Klingonen-Alarm: 500 Dollar für ausgefallene Sprachen
SAT.1

Klingonen-Alarm: 500 Dollar für ausgefallene Sprachen

So können Sprachgenies - und Star-Trek-Fans - ihre Begeisterung für besondere Sprachen beim Klingon Language Institute in Pennsylvania ausnutzen. Das Kor-Memorial-Stipendium ist für je einen Studenten im Grund- und Hauptstudium gedacht und umfasst eine jährliche Unterstützung von 500 Dollar. Zweck der Stiftung ist es, Studenten zu ermutigen und zu würdigen, die sich mit besonderen Sprachen befassen. Trotz des Namens der Hochschule sei es nicht unbedingt erforderlich, Klingonisch oder ähnliche konstruierte Sprachen zu beherrschen, heißt es auf der Website des Instituts. Trotzdem würden kreative und innovative Bewerber bevorzugt.Stipendien werden in den USA auch bei Wettbewerben vergeben. In manchen muss man sich zunächst ein wenig lächerlich machen, um an das ersehnte Fördergeld zu kommen: Wer die Gabe hat, besonders schnell Enten anlocken zu können, kann ein Stipendium im Wert von 1500 Dollar gewinnen. Die Bewerber des "Chick and Sophie Major Memorial Duck Calling Contest" haben nach Angaben der Chamber of Commerce in Stuttgart, Arkansas, genau 90 Sekunden Zeit, auf vier verschiedene Arten Enten anzulocken - was sich für das versprochene Geld schon lohnen kann. Der Gründer der Stiftung, Chick Major, soll seinerzeit bekannt gewesen sein für den Dixie-Mallard-Entenruf.Gebühren wie zu Omas ZeitenManchmal können Studenten auch etwas davon haben, in die Fußstapfen ihrer Vorfahren zu treten. Das Hood College in Frederick, Maryland, vergibt ein Stipendium an Studenten, deren Großeltern oder Eltern schon an der Hochschule studiert haben. Im Rahmen des Hood Heritage Scholarships müssen die Stipendiaten in ihrem ersten Studienjahr die gleiche Studiengebühr zahlen wie damals ihre Vorfahren. Rebecca Du Pont, Studienanfängerin am Hood College, zahlt laut CNN in ihrem ersten Studienjahr nur 350 statt 19.940 Dollar Studiengebühren - wie ihre Großmutter im Jahr 1948. Nicht überall in den USA werden so spezielle Stipendien vergeben, und nicht überall wird Studenten dazu geraten. Auf der Website der University of Missouri-Rolla heißt es: "Gelegentlich hört man von verrückten Qualifikationen für einige Stipendien, wie rote Haare haben, Linkshänder oder besonders groß sein. Aber setzt eure akademische Zukunft nicht auf ungewöhnliche Stipendien! Studenten können da draußen so viel Geld bekommen - das Schwierige ist nur, das richtige Stipendium zu finden."Das ist es in der Tat. Allein die amerikanische Stipendien-Suchmaschine fastweb.com hat 600.000 verschiedene Stipendien verzeichnet.Von Julia Susat

Mehr zum Thema


© SPIEGEL ONLINE 2004
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.