Blacksburg-Massaker Schulen und Unis als Festungen

Der Amoklauf an der Universität Virginia Tech hat in den USA eine Diskussion über den Schutz von Schulen und Hochschulen angestoßen. Sie setzen auf bewaffnetes Personal und Metalldetektoren - aber absolute Sicherheit kann niemand garantieren.

Washington - Mit bewaffnetem Schutzpersonal und Sicherheitsschleusen samt Metalldetektoren nehmen sich schon heute einzelne Lehranstalten in Gegenden mit hoher Gewaltkriminalität aus wie befestigte Wehrburgen. Solche Vorrichtungen werden nach dem Massaker von Blacksburg noch weitere Verbreitung finden. Aber: "Wer hundertprozentige Sicherheit will, muss seinen Abschluss wahrscheinlich per Online-Fernstudium im eigenen Wohnzimmer machen", sagt Kriminologie-Professor James Alan Fox von der Northeastern University in Boston.

Bewaffnetes Sicherheitspersonal zählt an US-Universitäten inzwischen zum Standard. Die meisten Hochschulen haben eine eigene Campus-Polizei - auch die Universität Virginia Tech in Blacksburg. Die bewaffneten Sicherheitsleute können aber nur noch wenig ausrichten, wenn der Amokläufer bereits im Gebäude ist und das Feuer eröffnet hat. Im Fall des Amoklaufs von Blacksburg kam hinzu, dass die Polizei nach den ersten Schüssen offenbar einer falschen Spur folgte. Wertvolle Zeit verstrich, während der Täter in aller Ruhe neue Munition laden und in einem anderen Gebäude seine Bluttat fortsetzen konnte.

Als zusätzlichen Schutz haben manche Schulen bereits Metalldetektoren aufgestellt. Sie sind an sozialen Brennpunkten wie den verödeten Innenstadtregionen mancher Großstädte fast schon normal. Die Sicherheitsschleusen im Eingangsbereich sollen versteckte Waffen orten. Doch auch das hilft wenig, wenn ein Täter zum Äußersten entschlossen ist - wie etwa der 16-jährige Jeffrey Weise, der vor zwei Jahren erst den Wachmann neben dem Metalldetektor am Eingang der Schule von Red Lake erschoss und dann fünf weitere Schüler und einen Lehrer umbrachte.

Waffenlobby drängt auf Aufrüstung

Aus der machtvollen Lobby der Waffenliebhaber in den USA wurden nach dem Amoklauf von Virginia Rufe laut, die auf radikale Gegenwehr abzielen: die Bewaffnung von Schülern und Studenten. "Wenn nur eines der Opfer von Virginia bewaffnet gewesen wäre, dann wäre diese Angelegenheit wahrscheinlich sehr viel anders ausgegangen", argumentiert die Selbstschutz-Vereinigung Virginia Citizens Defense League. Einzelne Schulen bringen ihren Schülern bereits bei, wie man Geiselnehmer oder Amokläufer überwältigen kann.

Kritiker sehen dies als völlig überzogen an. Sie verweisen auf viel einfachere Methoden: Beispielsweise könnten die Türen zu den Klassenzimmern mit Schlössern versehen werden. Bei mehreren Amokläufen in den USA hat sich gezeigt, dass die Täter jene Schüler und Lehrer verschonten, denen es gelungen war, die Türen zu ihrem Klassenzimmer zu verriegeln.

Als eine weitere Möglichkeit werden kostengünstige SMS-Alarmsysteme diskutiert. Bei Gefahr sollen die Schüler und Studenten sofort per Textbotschaft über das Mobiltelefon informiert werden. Ein Email-Warnsystem gab es auch an der Virginia Tech: Es wurde allerdings erst aktiviert, als der Amokläufer bereits in einem Unterrichtsgebäude wütete.

Um Fremde vom Betreten ihrer Gebäude abzuhalten, geben viele Universitäten in den USA Türöffner im Magnetkartenformat an die Studenten aus. Dies bietet aber keinen Schutz, wenn Schüler und Studenten selbst zu Amokläufern werden - so wie Cho Seung Hui, der am Montag in Virginia mehr als 30 Menschen erschoss. Auch das Massaker an der Columbine High School in Colorado 1999 wurde von zwei Schülern begangen.

Angesichts der neu aufgeflammten Sicherheitsdiskussion weisen Bürgerrechtler in den USA auf die Kehrseiten hin: Metalldetektoren in Schulen erzeugten "eine feindliche Umgebung und richten bei den Schülern Schaden an", argumentiert die einflussreiche Gruppe American Civil Liberties Union. Auch Professor Fox aus Boston warnt eindringlich davor, Schulen und Unis in "bewaffnete Lager" umzuwandeln.

Von Peter Wütherich, AFP

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.