Blinde Studentin "Ich empfinde mich als gesund"

Anne Kock ist blind - doch das hindert die Studentin nicht daran, anderen zu helfen. Regelmäßig musiziert sie in einem Betreuungszentrum mit behinderten Menschen. Wie fühlt sie sich nach so einem Vormittag?
Studentin Anne Kock: "Ich konnte noch nie sehen"

Studentin Anne Kock: "Ich konnte noch nie sehen"

Foto: Göran Gnaudschun

Sie kann die Menschen, die sie glücklich macht, nicht sehen: Anne Kock, 27, kam nahezu blind zur Welt und kann allenfalls zwischen hell und dunkel unterscheiden. Wenn sie mit ihrer Gitarre das Bodelschwingh-Haus im sachsen-anhaltischen Wolmirstedt betritt, dann fühlt und hört sie aber deutlich, was sie und ihre Musik auslösen können: pure Freude nämlich.

Die geistig und körperlich behinderten Menschen, die in dem Betreuungszentrum leben, begrüßen sie fröhlich und fragen sofort, welche Lieder sie heute mit ihnen singen werde. Kock studiert Rehabilitationspsychologie an der Hochschule Magdeburg-Stendal und machte vor fünf Jahren ein Praktikum im Bodelschwingh-Haus.

Weil sie den Kontakt zu den Männern und Frauen nicht verlieren wollte, fährt sie mindestens einmal im Monat in das Zentrum in Wolmirstedt. Eine Stunde lang macht sie dann mit den Behinderten Musik, spielt auf der Gitarre und singt mit ihnen Volks- oder Kinderlieder. Manchmal versucht sich die Gruppe auch als Band: Die Bewohner des Bodelschwingh-Hauses bekommen Rasseln, Klangstäbe und Kastagnetten, Kock spielt Xylofon.

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Foto: Henning Ross / UNI SPIEGEL

Die Psychologiestudentin wird oft darauf angesprochen, wie großartig es sei, dass sie sich als Blinde für andere Behinderte einsetzt. Sie findet ihr Engagement "normal": "Ich konnte ja noch nie sehen und kenne es daher nicht anders - ich empfinde mich also als gesund", sagt Anne Kock.

Ihr ehrenamtlicher Einsatz macht nicht nur die Bewohner des Betreuungszentrums glücklich: "Nach so einem Vormittag bin ich voller Power, fühle mich stark und habe einfach nur gute Laune." Deswegen will sie nach ihrem Studium professionell mit behinderten Menschen arbeiten.

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Ausgabe 3/2014

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