Bologna-Reform Regierung zufrieden, Studenten genervt

Mehr Mobilität und bessere Anerkennung von Studienleistungen: Die Bundesregierung stellt ihren Bologna-Bericht vor und ist mit sich zufrieden. Studentenvertreter sprechen dagegen von "Lobhudelei".

Studenten der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt (Oder): Bilanz nach 16 Jahren Bologna-Reform
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Studenten der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt (Oder): Bilanz nach 16 Jahren Bologna-Reform

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Für ein Semester von Bamberg nach Baku oder von Padua nach Paderborn: Die Bologna-Reform sollte europäischen Studenten den Weg ins Ausland erleichtern. Das hat laut Bundesregierung gut geklappt: Mittlerweile studieren knapp 140.000 Deutsche an ausländischen Hochschulen - fast dreimal mehr als zu Beginn der Bologna-Reform vor 16 Jahren.

Damit seien deutsche Studenten im Vergleich der absoluten Zahlen weltweit am mobilsten, heißt es im Bericht zur Umsetzung des Bologna-Prozesses für die Jahre 2012 bis 2015, den das Bundeskabinett am Mittwoch verabschiedete. "Die Bologna-Reform hat die Mobilität deutscher Studierender ins Ausland und die Anziehungskraft Deutschlands für ausländische Studierende erhöht", sagt Bundesbildungsministerin Johanna Wanka (CDU), "die Internationalisierung kommt gut voran."

Immer mehr Scheine werden anerkannt

Weniger Probleme als früher gebe es mit im Ausland gesammelten Punkten und Leistungsnachweisen aus dem Auslandssemester: Die Rate der anerkannten Studienleistungen stieg von 41 Prozent im Jahr 2007 auf 69 Prozent im Jahr 2013. Das sei jedoch immer noch viel zu wenig, findet Isabella Albert vom studentischen Dachverband fzs: "Alles, was nach einem Auslandsaufenthalt nicht anerkannt wird, hat eine studienverlängernde Wirkung."

Die Studentenvertreterin blickt auch mit Skepsis auf die Zahl von einem Drittel der deutschen Studenten, die bis zum Masterabschluss im Ausland waren. "Das kommt nur zustande, weil viele Studenten dafür die Zeit zwischen Bachelor- und Masterstudium nutzen", sagt Isabella Albert, "das müsste aber eigentlich während des regulären Studiums möglich sein."

Auch der Bericht der Bundesregierung geht von einer "zunehmenden Bedeutung" dieser so genannten Brückenmobilität aus. Derzeit nutzen sieben Prozent der Masterstudenten die zeitliche Lücke nach dem ersten Abschluss. "Aller Voraussicht nach wird sich dieser Anteil in Zukunft noch weiter erhöhen, da beispielsweise das neue Erasmus-Plus- Programm erstmals auch die Auslandsmobilität in dieser Brückenzeit zwischen den Studienphasen Bachelor/Master fördert", heißt es in dem Bericht.

Ausländische Studenten mit Problemen

Gestiegen ist demnach auch die Zahl ausländischer Studenten in Deutschland. Sie liegt inzwischen bei mehr als 300.000 und damit bei 11,5 Prozent aller Studenten. Der Anteil hat sich damit seit 1996 verdoppelt und ist stärker gestiegen als die Zahl der Studenten in Deutschland insgesamt. Laut OECD-Statistik studieren nur in den USA und Großbritannien mehr Gaststudenten.

Das als Erfolg zu verkaufen gehöre zur "üblichen Lobhudelei bei der Bewertung der Umsetzung des Bologna-Prozesses", kritisiert fzs-Sprecherin Isabella Albert: "Ausländische Studenten in Deutschland leiden unter vielen Einschränkungen, das reicht vom Aufenthaltsrecht über die Krankenversicherung bis zur Arbeitserlaubnis." Die Intention des gesamten Bologna-Berichts, so Albert, sei "eindeutig ein schönes Bild statt einer korrekten Analyse".

mit Material von dpa



insgesamt 13 Beiträge
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Seite 1
zynik 18.03.2015
1.
Tja liebe Studis, die Hartz-Reform wurde ja auch als großartiger Erfolg gefeiert– zumindest von jenen, die nie betroffen waren.
ttvtt 18.03.2015
2. Alles Bologna...
Alle "positiven" Ergebnisse auf Bologona zurückzuführen, greift zu einfach. Die Mobilität der Menschen hat einfach zugenommen.
awoth 18.03.2015
3. Alles prima!
Alles gut, alles toll, alles prima! Was sonst soll man denn wohl von denjenigen hören, die sich diesen Unsinn ausgedacht haben? Und : Belegbar falsch! Weiter so, Deutschland.
Mr T 18.03.2015
4. Awoth: Belegbar falsch
Dann belegen Sie mal bitte
moritz1989 18.03.2015
5.
Für 41% haben wir unser bewährtes Studienkonzept geopfert (Diplom, etc.). Man kann auch alles als Erfolg feiern. Die meisten gehen doch nur ins Ausland weil es sich gut auf ihrem Lebenslauf macht, bzw. wenn sie es nicht tun hat es schlechte Auswirkungen auf die spätere Jobsuche. Ist wirklich toll, dass wir uns immer mehr an die schlechteren Studienkonzepte unserer europäischen Nachbarn anpassen - hauptsache alle ziehen am gleichen Strang, egal an welchem!
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